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Pkw-Maut in Europa – ein Überblick

ssu

Wer mit dem Auto in Europa unterwegs ist, muss häufig den Geldbeutel zücken, Mautprellern drohen hohe Bußen. In Deutschland wird bislang lediglich an zwei Tunnels in Lübeck und Rostock die Hand aufgehalten

Hannover, 22. Juli 2008 – In Deutschland eine Seltenheit, sind Nutzungsgebühren für Pkw auf Autobahnen und Schnellstraßen im übrigen Europa weit verbreitet. In manchen Ländern wird die Gebühr abhängig von der gefahrenen Strecke berechnet, in anderen muss eine Vignette gekauft werden. Mautprellern drohen nach Angaben des ADAC fast überall empfindliche Geldbußen.

Abhängig von der Streckenlänge wird die Gebühr in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und in Polen erhoben. In der Schweiz, Österreich, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Montenegro und seit 1. Juli auch in Slowenien brauchen Autofahrer eine Vignette. Erhältlich sind die Vignetten in den meisten Fällen in grenznahen Tankstellen oder direkt an den Grenzübergängen. Die Jahresvignette für Schweizer Autobahnen, sowie die "Pickerl" für Österreich und Tschechien sowie die "Viacard" zur bargeldlosen Mautzahlung in Italien sind unter anderem beim ADAC erhältlich.

Pkw-Maut in Europa – ein Überblick (0 Bilder) [1]

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In einigen europäischen Ländern wie etwa Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Schweden oder der Türkei werden für bestimmte kürzere Autobahnabschnitte und wichtige Tunnels und Brücken Gebühren erhoben. In Österreich müssen Touristen zusätzlich zur Autobahnvignette noch weitere Kosten einkalkulieren, wenn sie "Sondermautstrecken" – zum Beispiel Brennerautobahn, Tauern-, Katschberg- und Arlbergtunnel – nutzen wollen.

Einige europäische Städte, so die norditalienischen Metropolen Bologna und Mailand sowie Oslo, Bergen in Norwegen und London, haben bereits eine Citymaut eingeführt.

In Deutschland gibt es hingegen bislang nur zwei für Pkw und Krafträder mautpflichtige öffentliche Straßenabschnitte, erläuterte eine ADAC-Sprecherin gegenüber heise Autos: Den Herrentunnel [3] in Lübeck und den Warnowtunnel [4] in Rostock. Die beiden Hansestädte an der Ostsee setzen bei der Errichtung und dem laufenden Betrieb dieser Straßentunnels jeweils auf Public Private Partnerships (PPP), das heißt Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privatunternehmen, um die aufwendigen Bauwerke überhaupt verwirklichen zu können.

Im Juli bekanntgewordene Überlegungen [5], in Deutschland eine allgemeine Pkw-Maut bei gleichzeitiger Senkung der Mineralölsteuern einzuführen, haben sich bis dato nicht konkretisiert. Der volkswirtschaftliche Reiz dieses Kompensationsgeschäfts liegt darin, dass einerseits der Pkw-Transitverkehr aus dem Ausland einen direkten Beitrag zum Erhalt des Schnellstraßennetzes in Deutschland leisten müsste und dass zweitens grenznahe Tankstellen dank vergleichsweise günstiger Spritpreise in der Bundesrepublik von "Tanktouristen" profitieren könnten.

So gut wie sicher ist hingegen, dass der Ausbau und Betrieb einer wachsenden Zahl von Autobahnabschnitten in Public Private Partnerships erfolgen wird. Nach Planungen [6] des Bundesverkehrsministeriums sollen die privaten Investoren das jeweilige Autobahnteilstück über 30 Jahre hinweg instandhalten und zum Ausgleich in diesem Zeitraum die anteiligen Einnahmen aus der Lkw-Maut bekommen. Mit Blick auf den wachsenden Pkw-Bestand im östlichen Europa erscheint ein Anwachsen des Transitverkehrs durch Deutschland unausweichlich – weiteres Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer Pkw-Maut hierzulande. (ssu [7])


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[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4715991.html?back=457705;back=457705
[3] http://www.herrentunnel.de/
[4] http://www.warnowquerung.de/
[5] https://www.heise.de/news/Bericht-Wirtschaftsminister-prueft-Pkw-Vignette-bei-gleichzeitiger-Spritsteuersenkung-475977.html
[6] https://www.heise.de/news/Bund-forciert-Autobahn-Ausbau-und-Betrieb-durch-private-Investoren-475957.html
[7] mailto:ssu@ct.de