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Peugeot RCZ HDi FAP 163: Coupé für Vielfahrer

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Der RCZ ist derzeit Peugeots schickstes Pferd im Stall. So gut wie das Coupé sah schon lange kein Serien-Peugeot mehr aus. Wir haben es mit dem 163-PS-Diesel getestet und erspürt, wie es mit dem Fahrspaß steht

Haar, 10. Januar 2011 – Man mag sich darüber streiten, ob der Peugeot RCZ ein Abklatsch vom Audi TT ist – natürlich, die Grundform ist dem TT ähnlich, bei näherer Betrachtung vor allem die Dachlinie, zumindest von der Seite, das war´s dann aber auch. Denn davon abgesehen sind die Unterschiede aber doch recht deutlich. Während das Audi-Design, wenn auch nicht mehr so konsequent wie in der ersten Generation, fast durchgängig ein Ensemble von Kreisen und Bögen ist, wirkt der Peugeot weniger streng durchgezeichnet, aber mit seinen kräftigen Kotflügeln nicht weniger maskulin. Und mit der interessanten Doppelwölbung der Heckscheibe hatten die Peugeot-Designer auch eine sehr eigenständige Idee.

Auch der Innenraum macht sich gut. Die bei unserem Wagen installierten, optionalen Ledersitze sind fein verarbeitet, und auch das Armaturenbrett ist mit Leder überzogen, das Hellgrau des Naturmaterials ist Geschmackssache. Wir können noch ein wenig weiter an Kleinkram herumnörgeln: Die Integralkopfstützen sind ein paar Zentimeter zu kurz. Auch schaut man selbst bei der untersten Sitzposition schon auf das obere Drittel der Frontscheibe. Da muss man schon den Kopf etwas neigen, um die Ampel zu sehen. Schlimm ist all das allerdings nicht. Positiv fällt der gute Seitenhalt der Sitze auf. Außerdem ist die Aussicht nach hinten durch die riesige Glas-Heckscheibe hervorragend – besser als nach vorne, und besser als bei jedem Coupé, das wir kennen.

Peugeot RCZ HDi FAP 163: Coupé für Vielfahrer (0 Bilder) [1]

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Hinten können im RCZ allerdings höchstens ganz kleine Kinder sitzen. Das liegt nicht nur am minimalen Beinraum, sondern auch an der Glasscheibe, die den Hinterkopf von Erwachsenen nach unten zwingt. Der RCZ ist bestenfalls ein 1+1/2-Sitzer. Sehr gut nutzbar ist dafür der Kofferraum: Er ist regelmäßig geformt, genügend tief für einen Mineralwasserkasten, und wie beim Audi TT kann man die Rücksitzlehnen umklappen, um etwa Skier unterzubringen. Das Volumen vergrößert sich durch das Umklappen von 321 auf 639 Liter – das ist fast eine Verdopplung. Allerdings bezieht sich der Maximalwert auf eine Beladung bis zum Dach.

Ein Coupé wie der RCZ darf sich funktional ein paar Schwächen leisten, aus Vernunftgründe kauft man es nicht. Emotional würden wir den RCZ irgendwo zwischen einem VW Scirocco und einem Porsche Cayman einordnen – mit einer Prise frankophiler Atmosphäre, versteht sich. Das straffe Fahrwerk hält das Auto in scharfen Kurven fast wankfrei, doch auf mehrstündigen Autobahnetappen kann die harte Federung schon mal unkomfortabel wirken. Ganz so kompromisslos wie in einem Cayman ist sie aber nicht. Apropos Autobahn: Auch bei hohem Tempo bleibt das Auto leise und dank des bei 85 km/h automatisch ausfahrenden Heckspoilers auch spurstabil. Bei niedrigerem Tempo kann man das Aerodynamikbauteil per Knopfdruck ausfahren. Wer das tut, muss ihn aber auch manuell wieder deaktivieren. Beim Abstellen der Zündung fährt er nämlich nicht eigenständig ein – hier könnte Peugeot noch nachbessern.

Dass unter der Fronthaube unserer Variante ein Diesel arbeitet, ist schon lang kein Argument mehr gegen ein Coupé. Der RCZ HDi ist mit 163 PS auch nicht gerade schwach. Der Zweiliter-Diesel unterstützt natürlich keine hochtourige Fahrweise, sondern eher das Cruisen und das Herausbeschleunigen aus dem Drehzahlkeller: Schon bei 1500 U/min geht es voran, auch wenn das maximale Drehmoment von 340 Nm erst bei 2000 Touren anliegt. Die Schaltpunktanzeige fällt vor allem durch ihre Liberalität auf: Sie meldet sich nur bei deutlichen Fehlgriffen. Ob man bei einem Stadttempo von 55 km/h im dritten, vierten oder fünften Gang fährt, ist ihr egal. Erst wenn man in den Zweiten heruntergeht, leuchtet ein Hinweis auf. Der sechste und höchste Gang der Schaltung ist für diesen Zweck ohnehin zu lang.

Alle Versionen des RCZ sind Fronttriebler, und da drehen die Vorderräder bei glatter Fahrbahn schon mal durch. Gravierende Traktionsprobleme konnten wir aber nicht ausmachen, und so haben wir den Allradantrieb nicht vermisst – auch wenn man im Winter nicht ganz so schnell von der Ampel wegkommt wie ein Audi TT mit quattro-Antrieb. Wer glaubt, dass der frontgetriebene Peugeot weniger verbraucht als der allradgetriebene Audi, täuscht sich allerdings: Der RCZ 2.0 HDi benötigt mit 5,3 Liter auf 100 Kilometer im Messzyklus genau gleich viel. Das sparsamste Diesel-Coupé über 150 PS ist derzeit der BMW 120d mit 4,7 Liter. Der Mégane Coupé mit 160-PS-Diesel schluckt nach Herstellerangaben schon 5,9 Liter. In der Praxis benötigten wir mit unserem Testwagen durchschnittlich 7,4 Liter auf 100 Kilometer.

Der RCZ HDi FAP 163 kostet 29.450 Euro – unterschiedliche Ausstattungen gibt es nicht. Im Vergleich zum Audi TT 2.0 TDI quattro spart man über 6000 Euro. Andere Konkurrenten liegen schon etwas weiter ab vom Schuss, da sie näher an ganz normalen Serienlimousinen sind: Preislich gleichauf mit dem RCZ liegt das BMW 120d Coupé für 29.750 Euro. Noch günstiger sind der VW Scirocco 2.0 TDI für 27.125 Euro und das Renault Mégane Coupé dCi 160 GT für 26.550 Euro. Im Vergleich ist das Peugeot-Coupé ein gutes Angebot, denn die Serienausstattung des RCZ ist umfangreich. Dazu gehören zum Beispiel 18-Zoll-Alufelgen, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn, eine Zentralverriegelung, ein CD-Radio, eine Klimaautomatik und sogar ein Tempomat sowie Parkpiepser hinten. Erwägenswerte Extras sind neben der Metallic-Lackierung für 500 Euro noch Parkpiepser vorne (im Paket mit anderen Komfortfeatures 500 Euro) und Xenonlicht für 950 Euro.

Modell Peugeot RCZ HDi FAP 163
Motorart Turbodiesel
Zylinder 4
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1.997
Leistung in PS 163
Leistung in kW 120
bei U/min 3.750
Drehmoment in Nm 340
bei U/min 2.000 - 3.000
Antrieb Frontantrieb
Gänge 6
Getriebe Schaltung
Spurweite vorn in mm 1.580
Spurweite hinten in mm 1.593
Radaufhängung vorn McPherson-Achse
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse
Bremsen vorn belüftete Scheiben, 302 mm
Bremsen hinten Scheiben, 290 mm
Wendekreis in m 10,6
Räder, Reifen vorn 8x18 mit Reifen 235/45 R 18
Räder, Reifen hinten wie vorn
Lenkung Zahnstangenlenkung mit elektrohydraulischer Servounterstützung (geschwindigkeitsabhängig geregelt)
Länge in mm 4.287
Breite in mm 1.845
Höhe in mm 1.362
Radstand in mm 2.596
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1.445
Zuladung in kg 380
Kofferraumvolumen in Liter 321
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 639
Tankinhalt in Liter 60
Höchstgeschwindigkeit in km/h 225
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 8,7
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,3
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 6,8
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,5
CO2-Emission in g/km 139
Schadstoffklasse Euro 5
Autonews Datenblatt-ID 28803
ASR Serie
ABS Serie
ESP Serie
Währung Euro
Grundpreis 29.450
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheiz- und anklappbar)
Klimaautomatik Serie
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe -
Navigationssystem 1.990
CD-Player Serie
MP3 Serie
Metallic-Lackierung 500
Leichtmetallfelgen Serie (18 Zoll)
Sitzhöheneinstellung im Paket
Tempomat Serie
Lederausstattung im Paket
Xenon-Scheinwerfer im Paket
Kurvenlicht im Paket
Nebelscheinwerfer -
Modell Peugeot RCZ HDi FAP 163
Heckspoiler geschwindigkeitsabhängig elektrisch ausfahrbar: automatisches Ausfahren bei 85 km/h (19°), bei 155 km/h (34°), Einfahren bei 55 km/h Serie

(imp)


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