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Pepsihack gegen Apples Musikshop

Daniel Bachfeld

Gelungener Witz oder schlechter Scherz? Da Pepsi-Flaschen nicht bis zum Rand befĂŒllt werden, ist es jedenfalls möglich, Informationen auszuspĂ€hen und sich damit kostenlos MusikstĂŒcke von Apples iTunes Music Store zu erschleichen.

Manche Security-Postings bringen selbst ausgebuffte IT-Sicherheitsexperten zum Schmunzeln, obwohl sie eigentlich gar nicht richtig witzig sind: Da Pepsi-Flaschen [1] nicht bis zum Rand befĂŒllt werden, ist es möglich, Informationen auszuspĂ€hen und sich damit kostenlos MusikstĂŒcke von Apples iTunes Music Store zu erschleichen. Das eigentlich als Scherz auf mehreren Sicherheitsmailinglisten gepostete Security Advisory [2] beschreibt die Möglichkeit, im Inneren der FlaschenverschlĂŒsse eingeprĂ€gte Gewinncodes auszuspĂ€hen, ohne den Verschluss abzudrehen. So richtig witzig dĂŒrften aber zumindest die beiden Marketingpartner Apple und Pepsi das Ganze nicht finden: Spart man sich doch den Kauf der Flasche, kann aber den Gewinncode anschließend in Apples Online-Store eingeben, um aktuelle Songs herunterzuladen -- immerhin 99 Cent spart man dabei. Etwas mĂŒhselig, aber machbar scheint es zu sein, tatsĂ€chlich den vollstĂ€ndigen Code fĂŒr einen Download herauszufinden -- sehr einfach ist es aber, den Kauf derjenigen Pepsi-Flaschen zu vermeiden, die keinen Gewinncode enthalten, sondern in deren Deckel lediglich "again" eingedruckt ist.

Anlass des auch auf CNet aufgegriffenen Themas [3] war eine am vergangenen Super Bowl Sunday gemeinsam von Apple und Pepsi initiierte Kampagne [4] zur Verlosung von 100 Millionen Songs. HÀlt man eine Pepsi-Flasche im Winkel von 25 Grad, so ist die Inschrift der Kappe lesbar -- wer hÀtte das gedacht. Derartige Social-Engineering-Attacken gab es laut Advisory schon bei Àhnlichen Kampagnen des Herstellers Mountain Dew mit "Free Soda".

Der Hersteller ist von dem Problem bereits informiert, ein Patch oder Workaround gibt es nicht. In zukĂŒnftigen Versionen soll der FĂŒllstand der Flasche erhöht werden. Die Entdecker der SicherheitslĂŒcken haben bereits eine Anleitung veröffentlicht -- bei herkömmlichen SicherheitslĂŒcken wĂŒrde man so etwas Proof-of-Concept-Exploit [5] nennen.

Siehe dazu auch: (dab [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-93887

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.pepsi.com/home.php
[2] http://lists.netsys.com/pipermail/full-disclosure/2004-February/017613.html
[3] http://news.com.com/2100-1027_3-5162098.html?tag=nefd_lede
[4] https://www.heise.de/news/Von-der-RIAA-verklagte-Teenager-werben-fuer-Musikdownloads-92255.html
[5] http://www.macmerc.com/news/archives/1270
[6] mailto:dab@ct.de
[7] http://lists.netsys.com/pipermail/full-disclosure/2004-February/017613.html