Penske übernimmt Saturn
General Motors hat einen Käufer für die Marke Saturn gefunden. Die Fahrzeuge des bisherigen Einstiegslabels werden zukünftig von Penske vertrieben. Gleichzeitig reduziert man das künftige Modellangebot
- rhi
Detroit (Michigan/USA), 9. Juni 2009 – Saturn gehörte neben Saab, Hummer und Pontiac bereits zu den Streichkandidaten, als die GM-Krise im Herbst 2008 öffentlich wurde. Damals deutete sich bereits die Strategie an, die „guten“ Unternehmensteile zu behalten und die „schlechten“ abzustoßen. Später wurde dieses Vorgehen Teil der „kontrollierten Insolvenz“, aus der wieder ein neues, gesundes General Motors entstehen soll. Als nun gemeldet wurde, dass der Milliardär Roger Penske den vermeintlichen Scherbenhaufen Saturn übernimmt, dürften sich nicht wenige gefragt haben, ob er noch alle seine Sinne beisammen hat. Die Transaktion soll bis zum dritten Quartal 2009 vollzogen werden. Wie das Handelsblatt berichtet, übernimmt Penske aber keine Fabriken, sondern nur die mehr als 350 Autohäuser und den Ersatzteilbestand. Saturn könnte so eine Art Autobauer ohne eigene Fertigung werden, ein Novum in der Industrie, dafür gibt es bisher noch nicht einmal ein geeignetes Wort.
Fremd-Verwertung
Doch ganz so neu ist dieser Zustand nicht, denn Saturn fertigte zwar nach seiner Gründung in den 1980er-Jahren anfangs seine Autos selbst, doch schon 1996 teilte der erste Saturn Komponenten mit anderen GM-Modellen und wurde auch nicht mehr im Stammwerk in Spring Hill gebaut. In letzter Zeit waren Saturn-Fahrzeuge eigentlich nur noch etwas anders verpackte Konzern-Modelle wie zum Beispiel der Opel Astra. Deswegen führt Penske eigentlich nur konsequent fort, was längst der Fall war: Er will Autos verkaufen, die andere bauen. Das Abkommen mit GM sieht vor, dass Penske die Markenrechte an Saturn erwirbt, während die dazugehörigen Fahrzeuge auf Vertragsbasis weiterhin bei GM gefertigt werden. Allerdings schrumpft die Modellpalette: Gestrichen werden der von Opel stammende Saturn Astra und der hierzulande als Opel GT bekannte Saturn Sky.
Penske übernimmt Saturn (22 Bilder)

Wird weitergebaut: Der Saturn Aura ist die letzte Generation des Opel Vectra.
Penske übernimmt Saturn
Übrig bleiben der Aura auf Basis des letzten Vectra und die beiden SUVs Vue (baugleich mit dem Opel Antara) und Outlook. Die Vereinbarungen mit GM gilt laut Los Angeles Times für zwei Jahre, danach will sich Pensge nach neuen Partnern umsehen, die Autos unter der Marke Saturn für ihn bauen. Laut Wall Street Journal hat Penske auch bereits Vereinbarungen mit Renault getroffen.
Badge Engineering?
Was zunächst so verrückt klingt, ist vermutlich gut durchdacht. Roger Penske ist im Grunde Automobilhändler, er vertreibt unter anderem die Marke Smart in Nordamerika. Und er wäre derzeit nicht der einzige, der es offenbar für möglich hält, das ganze Automobilbauer zukünftig als Zulieferer für andere Marken auftreten könnten. Schon beim Magna-Einstieg bei Opel vermuteten einige Marktbeobachter, dass der Autobauer verstärkt als Auftragsfertiger auftreten könnte.
Das neue Saturn-Konzept ist im Grunde noch konsequenter: Es vermeidet fast vollständig die Kostenrisiken, zumindest was Investitionen in neue und sparsame Technologien betrifft. Denn keiner weiß derzeit genau, welche Technik in zehn oder zwanzig Jahren im Automobilmarkt dominieren wird und wer sich auf dem Weg dorthin vergaloppieren wird. Diese Risiken bleiben Saturn also erspart. Offen bleibt dabei allerdings, wie die Marke so auf Dauer ihre Existenzberechtigung behalten soll. Denn wer zukünftig einen Saturn kauft, erhält zwar eine amerikanische Marke, doch die technische Kompetenz wächst wieder einmal woanders.
Sollte die Information stimmen, dass Renault Fahrzeuge für Saturn liefern wird, wäre der französische Automobilbauer möglicherweise einer der großen Gewinner. Renault hatte bisher auf dem US-Markt keinen Erfolg. Unter der Marke Saturn besteht vielleicht endlich die Möglichkeit, sich im Markt zu etablieren. Im Mai hatte Renault/Nissan angekündigt, 2010 ein Elektroauto auf Grundlage des Kangoo einführen zu wollen. Das Penske-Vertriebsnetz könnte dabei helfen. (ggo) (rh)