Pedelecs im Test: Zwei von Zwölf fallen durch
Beim Pedelec-Angebot gibt es derzeit noch viele Sicherheits- und Qualitätsunterschiede. Von den zwölf getesteten Pedelecs erreichen drei nur ein "gut", zwei wurden als "mangelhaft" beurteilt
- Martin Schou
München, 28. Juli 2011 – Elektrofahrräder werden immer beliebter, aber ihre Qualität lässt oft noch zu wünschen übrig. Zu diesem Ergebnis kommt ein gemeinsamer Test des Automobilclubs ADAC und der Stiftung Warentest. Von den zwölf getesteten Pedelecs erreichen drei nur knapp ein „gut“, zwei wurden sogar mit „mangelhaft“ beurteilt. Besondere Schwächen zeigten zwei der getesteten Räder bei den Bremsen und beim Rahmen. Beim Pedelec-Angebot gibt es derzeit noch viele Sicherheits- und Qualitätsunterschiede.
Gut: Kreidler, Raleigh und Diamant
Als gute Pedelecs wurden die Komforträder „Vitality Elite“ von Kreidler und das „Leeds HS“ von Raleigh sowie das Trekkingrad „Zouma Sport“ von Diamant eingestuft. Sie überzeugten unter anderem durch effektive, vollhydraulische Bremsen. In den Kategorien Fahren, Antriebssystem und Motor, Sicherheit und Haltbarkeit leisteten sich diese Räder keine wirklichen Schwächen. Schadstoffe in den Griffen wurden hier nicht gefunden.
Pedelecs im Test: Zwei von Zwölf fallen durch (6 Bilder)

Testsieger bei den Komforträdern ist das Pedelec "Vitality Elite" von Kreidler. Es ist ab 2199 Euro zu haben.
Rahmenbruch beim Pegasus-Rad
Durch die höheren Geschwindigkeiten und das höhere Gewicht der Räder müssen Pedelecs belastbarer sein als herkömmliche Fahrräder. Mit „mangelhaft“ durchgefallen sind das „E-Bike“ von Ruhrwerk mit schwachen Bremsen sowie das „E-Tour Bike“ von Pegasus, dessen Rahmen bereits nach 10.000 Kilometern im Test gebrochen ist. Das ist nicht nur bei einem Fahrrad, für das der Hersteller knapp 2000 Euro verlangt, absolut inakzeptabel. Da schon beim letzten Test im vergangenen Jahr ein Pegasus-Rahmen gebrochen ist, muss der Hersteller hier dringend nachbessern. Als gefährlich wurde auch das Nachlaufen des Motors bei einigen Pedelecs eingestuft. Obwohl schon nicht mehr getreten wurde, lief der Motor bei Pegasus, Prophete und Ruhrwerk noch weiter.
Mehr Gewicht
Überprüft wurde auch, wie weit man mit einer Akkuladung kommt und wie schnell er geladen werden kann. Die Fahrräder der Marke Ruhrwerk und Giant schnitten dabei schlecht ab: Sie erreichten nur 20 bis 25 Kilometer beziehungsweise 25 bis 45 Kilometer. Gut gefallen hat den Testern die Ladedauer des Akkus bei Kreidler und KTM. Er war bereits nach zwei Stunden und 15 Minuten aufgeladen, während die anderen Testräder bis zu neun Stunden benötigten, um wieder volle Leistung zu bringen. Ist der Akku alle, muss der Fahrer die restliche Strecke allein mit Muskelkraft bewältigen. Und die sollte dann auch vorhanden sein, denn mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm sind die Pedelecs deutlich schwerer als ein normales Trekkingrad, das etwa 15 Kilogramm auf die Waage bringt.
Die jüngste Kritik der Tester mag ein kleiner Dämpfer sein für den boomenden Elektrofahrrad-Markt – aber auch ein Anreiz, nachzurüsten. Denn Hi-Tech-Fahrräder gelten als Branchenhoffnung. Kaum ein Hersteller und Großhändler, der sie nicht im Sortiment hat. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands wurden im Jahr 2007 rund 70.000 Elektrofahrräder verkauft, 2010 waren es schon 200.000. Damit kommt Elektromobilität eher auf dem Fahrrad als im Auto daher.
Ein Zukunftsgeschäft
Der Trend ist ungebremst: Der Marktanteil von Elektrorädern hat sich zwischen 2008 bis 2010 auf fünf Prozent verdoppelt. Kein anderes Radmodell hat beim Absatz einen solchen Sprung nach vorn gemacht. 15 Prozent seien in den nächsten Jahren drin, schätzt die Zweirad-Industrie. Damit kommen die Motor-Treter aber noch lange nicht an die beliebtesten Räder heran. Das sind herkömmliche sportliche Trekkingräder (35 Prozent) und bequeme Cityräder (25 Prozent). Rennmaschinen sanken dagegen in der Gunst der Käufer.
Auf 69 Millionen Räder wird der Bestand in Deutschland geschätzt. Nach den Niederlanden gilt die Bundesrepublik als große Radfahr-Nation in Europa. In Städten mit verstopften Straßen könnten E-Räder eine Alternative zum Auto werden. Doch auch eine anderer Wirtschaftszweig hofft auf Zuwachs: die Tourismusbranche. Elektroräder zum Ausleihen finden sowohl windige Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern als auch bergige Gegenden im Süden als zusätzliches Lockmittel interessant. (Mit Material der dpa) (imp)