PRISM-Whistleblower Snowden beantragt Asyl in Russland
Russland bietet dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden politisches Asyl an, stellt aber Bedingungen. Unterdessen versucht US-PrÀsident Obama, die aufgebrachten EuropÀer zu besÀnftigen.
Der PRISM-Whistleblower Edward Snowden hat Asyl in Russland beantragt. Das teilte die Konsularabteilung des russischen AuĂenministeriums auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo mit, wie die Agentur Interfax am Montag meldete. Kremlchef Wladimir Putin hatte dem US-BĂŒrger Edward Snowden zuvor Asyl angeboten, dafĂŒr aber Bedingungen gestellt. "Wenn er hier bleiben möchte, gibt es eine Bedingung: Er sollte mit seiner Arbeit aufhören, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzufĂŒgen â so merkwĂŒrdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag", sagte Putin laut dpa am Montag in Moskau.
Snowden sitzt derzeit im Transitbereich des Moskauer Flughafens [1] fest. Der 30-JĂ€hrige hat kein russisches Visum und keinen gĂŒltigen Pass. Die USA und Russland hatten zuvor auf hoher Ebene ĂŒber eine Auslieferung Snowdens verhandelt. "Es gab hochrangige GesprĂ€che mit Russland", bestĂ€tigte US-PrĂ€sident Barack Obama am Montag bei seinem Besuch in Tansania. Laut einem Bericht der Zeitung Los Angeles Times hat Snowden Asyl in 15 weiteren LĂ€ndern beantragt.
Unterdessen hat Obama den EuropĂ€ern AufklĂ€rung ĂŒber das vom Spiegel berichtete massive AusspĂ€hen [2]europĂ€ischer Behörden zugesagt. "Wir sind dabei, den Artikel zu prĂŒfen", sagte der US-PrĂ€sident. Es sei noch unklar, welche Geheimdienstprogramme in dem Artikel genau angesprochen [3] worden seien. "Danach werden wir unsere VerbĂŒndeten angemessen unterrichten", sagte Obama in Tansania.
EuropĂ€ische Politiker hatten sich zuvor empört ĂŒber den Umfang der Ăberwachung [4] gezeigt und Antworten verlangt. In Bezug auf Deutschland fĂŒgte Obama ganz grundsĂ€tzlich hinzu: "Wenn ich wissen will, was Kanzlerin Merkel denkt, dann rufe ich Kanzlerin Merkel an. Letztlich arbeiten wir so eng zusammen, dass es fast keine Informationen gibt, die wir nicht zwischen unseren LĂ€ndern teilen".
Die Kanzlerin ist verĂ€rgert ĂŒber die mutmaĂlichen US-SpionageaktivitĂ€ten in Deutschland und fordert von PrĂ€sident Barack Obama rasche AufklĂ€rung. Merkel werde die AffĂ€re zur Chefsache machen und "in nĂ€chster Zeit" mit Obama telefonieren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.
Auch BundesauĂenminister Guido Westerwelle (FDP) fordert unverzĂŒgliche AufklĂ€rung. "Wir wollen von der amerikanischen Seite eindeutig und verlĂ€sslich wissen, ob die erhobenen VorwĂŒrfe zutreffen", sagte Westerwelle am Montag in DĂŒsseldorf. "Jeder hat VerstĂ€ndnis fĂŒr die Wahrnehmung von Sicherheitsinteressen. Wir sind ja nicht naiv. Aber das AusspĂ€hen von befreundeten LĂ€ndern und Partnern kann ja nicht mit Sicherheit begrĂŒndet werden." (asp [5])
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[2] https://www.heise.de/news/Deutschland-im-Fokus-der-US-Datenspionage-Empoerung-in-Berlin-1908888.html
[3] https://www.heise.de/news/Bericht-US-Geheimdienst-verwanzt-und-infiltriert-EU-Institutionen-1908838.html
[4] https://www.heise.de/news/NSA-Spionage-Europas-Politiker-verlangen-Antworten-1909204.html
[5] mailto:asp@heise.de
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