Oracle gegen Google: Richter kassiert Teile der Jury-Entscheidung
Im Android-Streit von Oracle gegen Google hat der zustÀndige Richter in Kalifornien eine Entscheidung der Geschworenen aufgehoben. Google soll doch Oracles Rechte durch direktes Kopieren von acht Java-Dateien verletzt haben.
Der auf einer Klage von Oracle [1] beruhende Rechtsstreit um Urheberrechts- und Patentverletzungen durch Googles mobiles Betriebssystem Android geht auch nach der Entscheidung [2] der Geschworenen vom Montag, dem 7. Mai, weiter. Die Jury des Gerichts im nördlichen Kalifornien hatte fĂŒr acht Dateien, deren Code direkt von Java stammte, keine RechtsverstöĂe erkannt. Richter William Alsup hob diese Entscheidung nun auf Antrag von Oracle auf, das die Rechte an Java hĂ€lt.
Anders als die Geschworenen sieht Alsup das direkte und unstrittige Kopieren der acht Files nicht durch die "De minimis"-Erlaubnis (etwa "GeringfĂŒgigkeit") des US-Rechts gedeckt. Nach dieser Regelung ist die geringfĂŒgige unerlaubte Verwendung [3] von GĂŒtern fremden geistigen Eigentums zulĂ€ssig.
In seinem Beschluss (PDF [4]) erlĂ€utert Alsup, die Beweisaufnahme habe ergeben, dass Google acht Java-Dateien dekompiliert und jeweils vollstĂ€ndig kopiert habe. "Keine vernĂŒnftige Jury kann zu dem Urteil kommen, dass das Kopieren ganzer Dateien geringfĂŒgig ist." Googles Einwand, die Dateien hĂ€tten nur zu Testzwecken gedient und unterlĂ€gen deshalb der "De minimis"-Klausel, ĂŒberzeuge nicht.
Alsup folgte damit der Argumentation des von Oracle geladenen Zeugen John Mitchell [5]. Der Stanford-Professor hatte ausgesagt, dass das Verwenden zum Testen nicht "geringfĂŒgig" sei. Es habe nichts Entscheidungsrelevantes gegeben, was dem widersprochen habe, schreibt Alsup weiter. AuĂerdem gehe es bei der Entscheidung ĂŒber die "De minimis"-Regel darum, welche Rolle die kopierten Daten fĂŒr den KlĂ€ger spielten.
Grundlage fĂŒr die jetzige Entscheidung ist ein "Judgment as a Matter of Law" [6]. Einen solchen Beschluss des Richters kann eine Prozesspartei verlangen, wenn nach ihrer Meinung eine "vernĂŒnftige" (reasonable) Jury aufgrund der Beweise nur zu einer bestimmten Entscheidung kommen könnte.
UnabhĂ€ngig von Alsups Beschluss in dieser Teilfrage kann es jedoch einen weiteren Prozess zwischen Oracle und Google ĂŒber die Urheberrechtsfragen geben. Da die Jury sich in einer Frage nicht einigen konnte, hat Google den Prozessabbruch ("Mistrial") und eine Neuverhandlung der Copyright-Aspekte beantragt.
Anfang 2011 hatte der deutsche Patentexperte Florian MĂŒller, der seit kurzem Oracle berĂ€t, sechs der jetzt im Verfahren behandelten kopierten Dateien im Android-Code entdeckt [7]. Damals hatte ihm unter anderem Ed Burnett von ZDNet widersprochen [8]. Er verwies darauf, dass es sich nur um Testdateien handele. (ck [9])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1574345
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Oracle-klagt-gegen-Google-wegen-Patent-und-Urheberrechtsverletzung-1058227.html
[2] https://www.heise.de/news/Oracle-gegen-Google-Geschworene-uneinig-ueber-Copyright-Verletzung-1567423.html
[3] http://en.wikipedia.org/wiki/De_minimis#Copyright
[4] http://www.groklaw.net/pdf3/OraGoogle-1123.pdf
[5] http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=john%20mitchell%20stanford&source=web&cd=1&ved=0CGsQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.stanford.edu%2F~jcm%2F&ei=aSmuT-voLNHktQaCuf20Bg&usg=AFQjCNEWOY9pY2sXBPu2RuH07jk9VU_KUA&cad=rja
[6] http://en.wikipedia.org/wiki/Judgment_as_a_matter_of_law
[7] http://www.fosspatents.com/2011/01/new-evidence-supports-oracles-case.html
[8] http://www.zdnet.com/blog/burnette/oops-no-copied-java-code-or-weapons-of-mass-destruction-found-in-android/2162
[9] mailto:ck@ix.de
Copyright © 2012 Heise Medien