Optimismus und Sorgen in der deutschen Elektronikindustrie
Den deutschen und internationalen MĂ€rkte der elektronischen Bauelemente entwickeln sich gut -- aber die Rohstoffpreise explodieren.
Ziemlich optimistisch ist der Zentralverband der Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V (ZVEI [1]), was die Entwicklung des deutschen und internationalen Marktes fĂŒr elektronische Bauelemente angeht. Um gut 5 Prozent, und damit mehr als im Herbst 2005 prognostiziert, soll der deutsche Markt in diesem Jahr gegenĂŒber dem Vorjahr zunehmen und 18,3 Milliarden Euro erreichen. Halbleiter machen mit 11,6 Milliarden Euro dabei den gröĂten Anteil aus, ihr Markt wĂ€chst noch etwas schneller und könnte laut ZVEI 6 Prozent erreichen. Auch fĂŒr 2007 soll der positive Trend anhalten, rund 6 Prozent Zuwachs sagt der Zentralverband voraus.
In Europa musste der Markt der elektronischen Bauelemente mit 48,4 Milliarden Euro im vorigen Jahr einen leichten RĂŒckgang von einem Prozent hinnehmen, nun wĂ€chst er wieder, und zwar um rund 4 Prozent (2006) beziehungsweise 6 Prozent (Vorhersage fĂŒr 2007). Noch besser sieht es dank der starken Nachfrage in den SchwellenlĂ€ndern fĂŒr den Weltmarkt aus. Dieser schloss 2005 mit einem Plus von 5,6 Prozent bei 343 Milliarden US-Dollar ab. Die Marktexperten im ZVEI erwarten noch eine VerstĂ€rkung des positiven Trends in diesem Jahr um 6 Prozent und im nĂ€chsten Jahr 8 Prozent Wachstum.
Sorgen macht dem ZVEI allerdings die Entwicklung der Rohstoffpreise, die mittelbar mit dem Erdöl gekoppelt sind. Die Preissteigerungen fĂŒr Metalle betrugen allein im vorigen halben Jahr bei Gold circa 20 Prozent, bei Aluminium 40 Prozent, bei Silber 43 Prozent und bei Kupfer 45 Prozent. Auch bei Silizium-Wafern folgt eine Preiserhöhungsrunde auf die andere, im vergangenen halben Jahr zweimal um je 6 Prozent. Laut Eetimes [2] will niemand mehr in 200-mm-Wafer investieren, so dass hier EngpĂ€sse und weitere Preissteigerungen zu erwarten sind. Besonders schlimm trifft es auch das Polysilizium, das in den letzten eineinhalb Jahren um 80 Prozent teurer [3] wurde.
Polysilizium wird vor allem fĂŒr Solarzellen verwendet; es wird unter anderem von der kĂŒrzlich mit viel Erfolg an der Börse platzierten Firma Wacker Chemie AG [4] hergestellt. Dessen Aktienkurs startete im April mit 80 Euro und liegt jetzt schon bei 120 Euro. Die HerstellungskapazitĂ€ten reichen nicht aus, so dass erhebliche EngpĂ€sse anstehen, was den Preis weiter hochtreiben und den zĂŒgigen Ausbau der Solarindustrie einschrĂ€nken dĂŒrfte. (as [5])
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[1] http://www.zvei.org
[2] http://www.eetimes.com/news/semi/showArticle.jhtml?articleID=187201275
[3] http://www.eet.com/news/latest/showArticle.jhtml?articleID=175801721
[4] http://www.wacker.com
[5] mailto:as@ct.de
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