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Online-Musikhändler fusionieren: Loudeye kauft OD2

Jürgen Kuri

Loudeye und OD2 nehmen für sich in Anspruch, gemeinsam den größten Musikkatalog mit 1,3 Millionen Songs von Majors und Indies für den Online-Vertrieb auch in Europa anbieten zu können.

Die US-Firma Loudeye [1], die sich selbst als Marktführer bei Handelsplattformen für digitale Medien bezeichnet, kauft die britische On Demand Distribution (OD2 [2]). Beide Firmen bieten unter anderem Komplettlösungen, damit Internet-Anbieter einfach Online-Musikangebote bereitstellen können.

Die von Peter Gabriel gegründete Online-Musikfirma OD2 stellt etwa Online-Plattformen für Musik bereit, die von Anbietern dann für eigene Internet-Shops für den bezahlten Musikdownload genutzt werden. Kurz vor der Einführung von Apples iTunes Music Store in Europa [3] startete OD2 beispielsweise den Online-Musikdienst SonicSelector [4], der von Microsofts MSN, Packard Bell, MTV und Tiscali für Online-Musikangebote eingesetzt wird. Darüber hinaus arbeiten beispielsweise Coca-Cola oder Karstadt mit den OD2-Plattformen für den Online-Musikvertrieb.

Loudeye ist ebenfalls Dienstleister zum Vertrieb von Musik im Internet, unter anderem lancierte die Firma vor kurzem das Programm IndieSource [5], das Independent-Labels einfachen Zugang zum Online-Vetrieb geben soll. Zuvor schon belieferte Loudeye beispielsweise Amazon mit einem Online-Musikkatalog. Wie OD2 setzt Loudeye [6] beim Format für die Online-Musik auf Microsofts Windows Media 9 und das zugehörige Digital Rights Management.

Mit der Übernahme, die sich Loudeye mindestens 38,2 Millionen US-Dollar kosten lässt, entstehe der größte "Business-to-Business Digital Media Provider", hieß es von den beiden Firmen; man habe bereits über 200 Kunden in 15 Ländern. Man könne den größten Katalog für den Online-Vertrieb lizenzierter Musik anbieten: Insgesamt habe man nun 1,3 Millionen Songs im Angebot, die auch für Europa lizenziert seien, und von den fünf Majors sowie hunderten von Independent-Labels stammten -- ein leichter Seitenhieb auf Apple, denn gerade die etwas dünne Bestückung mit Songs von Indies tauchte als Kritikpunkt in der Diskussion [7] um den Start des iTunes Music Store in Europa auf.

Die Transaktion, die eine anfängliche Zahlung von 20,7 Millionen US-Dollar (18,4 Millionen in Loudeye-Aktien und 2,3 Millionen in bar) sowie 17,5 Millionen US-Dollar innerhalb der nächsten 18 Monate umfasst, kann noch durch zusätzliche 18,8 Millionen US-Dollar verteuert werden, die Loudeye bei positiver Geschäftsentwicklung in Aktien an die OD2-Anteilseigner ausschütten will. Der Mitgründer von OD2, Charles Grimsdale, wird Präsident und Managing Director der aus Loudeye und OD2 gebildeten Firma. (jk [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-102105

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.loudeye.com
[2] http://www.od2.com
[3] https://www.heise.de/news/Steve-Jobs-eroeffnet-iTunes-Music-Store-in-Europa-100684.html
[4] https://www.heise.de/news/Online-Musikdienst-SonicSelector-startet-in-Deutschland-2-Update-100440.html
[5] https://www.heise.de/news/Online-Dienstleister-Loudeye-dient-sich-unabhaengigen-Labels-an-96953.html
[6] https://www.heise.de/news/Loudeye-und-Microsoft-bieten-Produkte-fuer-Online-Musikdienste-an-90333.html
[7] https://www.heise.de/news/iTunes-Music-Store-Fein-aber-klein-101081.html
[8] mailto:jk@heise.de