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Online-Fernleihe via Subito nur noch mit digitalen Fesseln [Update]

Stefan Krempl

Der Kopienversanddienst Subito hat als Reaktion auf das neue Urheberrechtsgesetz seine Vertragsbedingungen deutlich verschÀrft, die Preise saftig erhöht und E-Mail-Lieferungen stark eingeschrÀnkt.

Der wissenschaftliche Dokumentenlieferdienst Subito [1] hat nach Inkrafttreten des neuen Urheberrechtsgesetzes [2] seine Vertragsbedingungen deutlich verschĂ€rft, die Preise saftig erhöht und E-Mail-Lieferungen stark eingeschrĂ€nkt. Dabei geht die aus einer Initiative von Bund und LĂ€ndern hervorgegangene Einrichtung weit ĂŒber die geĂ€nderten gesetzlichen Bestimmungen hinaus.

Laut einer heise online vorliegenden Anlage zum Rahmenvertrag des Dienstleisters kann der Endkunde das gekaufte Dokument "ansehen und zweimal ausdrucken". Eine einmalige Weiterleitung beim Empfang durch eine Hilfskraft wird als optionales ZugestĂ€ndnis aufgefĂŒhrt. SpĂ€testens einen Monat nach dem Datum der Lieferung lĂ€uft das elektronische Dokument zudem unwiderruflich ab "und ist nicht mehr zugĂ€nglich". Dazu wird jede Seite des Ausdrucks mit einem Wasserzeichen versehen.

Subito explizit angeschlossene Lieferbibliotheken dĂŒrfen Kopien auch nur noch ĂŒber den Dienst ausliefern, und nicht mehr etwa ĂŒber andere ĂŒbliche Leihverkehrsordnungen. Die Preise fĂŒr den elektronischen Versand wurden auf mindestens 7,75 Euro statt anfangs 5 DM angehoben. Zuletzt lagen die Kosten Ende 2007 bei 5 Euro. DarĂŒber hinaus fĂŒhrt Subito bei den PDF-Kopien auf Lizenzbasis im Gegensatz zu den auf minimal 6,50 Euro festgesetzten Fax- oder Postlieferungen keine KopiervergĂŒtung mehr an die VG Wort ab. Dazu kommt eine neue umstrittene Verpflichtung von Subito und der Lieferbibliotheken. Diese sollen demnach innerhalb von 18 Monaten die Möglichkeiten schaffen, binnen Jahresfrist höchstens zehn Kopien aus einer einzelnen Zeitschrift pro Institution (oder auch Kundenbibliothek, Campus) zu versenden. Über die betroffenen Journale soll ein Ausschuss von Subito und den Verlagen entscheiden.

Der Lieferdienst habe sich mit seiner falschen Auslegung der Urheberrechtsnovelle "ĂŒber den Tisch ziehen lassen" von den Verlagen und deren Lobby, dem Börsenverein [3] des deutschen Buchhandels, wettert Harald MĂŒller, Direktor der Bibliothek des Max-Planck-Instituts fĂŒr auslĂ€ndisches öffentliches Recht und Völkerrecht [4] in Heidelberg. Der gegenĂŒber der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgen gehaltene "Knebelvertrag" sei "katastrophal" fĂŒr die Nutzer wissenschaftlicher Informationsdienste und "sabotiere bewusst den Willen des Gesetzgebers".

Einem Studenten, der durchschnittlich fĂŒnf Euro pro Tag fĂŒr Essen und Trinken ausgebe, darf laut MĂŒller fĂŒr eine Kopie geistiger Nahrung auf keinen Fall mehr abgeknöpft werden als sein Tagespensum fĂŒr Aufwendungen gegen Hunger und Durst hergebe. Der Deutsche Bibliotheksverband (DBV [5]) will sich dem Vernehmen nach vom Treiben Subitos distanzieren. Es gebe derzeit keine Notwendigkeit, aufgrund des neuen Urheberrechts VertrĂ€ge mit irgendwelchen Parteien fĂŒr den Kopienversand abzuschließen.

Mit dem so genannten 2. Korb der Urheberrechtsreform hatte der Gesetzgeber den Versand digitaler Kopien von Fachartikeln ĂŒber Dienste wie Subito erstmals auf eine rechtliche Basis gestellt. Dabei gelten aber einige EinschrĂ€nkungen. So ist der Versand nur als grafische, nicht durchsuchbare Datei per E-Mail möglich und nur fĂŒr Zwecke des Unterrichts und der Forschung. Ferner gilt die Klausel allein, wenn der jeweilige Verlag nicht ein eigenes Angebot zu in der Regel deutlich höheren Preisen "fĂŒr jeden offensichtlich, zu jeder Zeit, an jedem Ort und zu angemessenen Bedingungen" bereithĂ€lt.

Die kursiv hervorgehobenen Passagen wurden nach RĂŒcksprache mit Subito geĂ€ndert beziehungsweise hinzugefĂŒgt.

(Stefan Krempl) / (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-183076

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.Subito-doc.de/
[2] https://www.heise.de/news/Neues-Urheberrecht-tritt-Anfang-2008-in-Kraft-191491.html
[3] http://www.boersenverein.de/
[4] http://www.mpil.de/ww/de/pub/bibliothek.cfm
[5] http://www.bibliotheksverband.de/
[6] mailto:anw@heise.de