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OLPC-Notebook soll Dual-Boot-fähig werden und Amerika erobern

Detlef Borchers

Vertreter des Projekts "One Laptop per Child" diskutieren derzeit mit Microsoft die Möglichkeit, das sogenannte XO-Notebook als Dual-Boot-PC (Linux/Windows) auszuliefern. Auch sollen die Geräte in den USA künftig über die Schulbehörden verteilt werden.

Einem Blog-Eintrag [1] des IT-Reporters Todd Bishop zufolge diskutiert das OLPC-Projekt mit Microsoft die Möglichkeit, den Kinder-Laptop als Dual-Boot-PC auszuliefern, der sowohl (Fedora) Linux als auch Windows starten kann. Todd Bishop beruft sich dabei auf ein Gespräch mit OLPC-Häuptling Nicholas Negroponte, den er zwischen Tür und Angel auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas abfangen konnte. Im kurzen Austausch bestätigte Negroponte außerdem Pläne, das OLPC-Notebook in den USA über die Schulbehörden der jeweiligen Bundesstaaten auszuliefern. Mit OLPC America habe man bereits die entsprechende Firma gegründet.

Die Ankündigung einer Diskussion mit Microsoft über einen Dual-Boot-PC auf OLPC-Basis erfolgte, obwohl sich Microsoft-Gründer Bill Gates auf der CES sehr skeptisch über das OLPC-Gerät geäußert hatte. In einem Interview [2] mit dem Branchendienst CNet hatte Gates kritisiert, dass es keine nennenswerten Stückzahlen des Rechners gebe und die gesamte OLPC-Technik ignoriere, dass Breitbandnetze die wirkliche Herausforderung seien.

Die Pläne, den OLPC direkt in den USA an Schulen zu vertreiben, müssen vor dem Hintergrund des Abbruchs der Gespräche [3] mit Intel gesehen werden. Intel wird mit seinem ClassmatePC [4] – ebenso wie Asus mit dem EeePC oder Shuttle [5] mit seinem KPC – zum Konkurrenten für Schulprojekte mit einfachen Laptops, die auch in den USA anstehen. Das OLPC-Projekt hat bereits 15.000 Laptops [6] für ein Projekt in Alabama in der Pipeline.

Unterdessen gibt es nach Angaben [7] des Techgadget-Blogs beim OLPC-Projekt Überlegungen, die Goodwill-Aktion [8] "Give One, Get One" auch in Europa zu starten. Dabei zahlt der Käufer freiwillig einen überhöhten Preis, für den ein OLPC-Gerät in die am Projekt interessierten Entwicklungsländer geschickt werden kann. Der Blog zitiert eine bislang nicht vom OLPC-Projekt bestätigte Aussage des OLPC-Präsidenten Walter Bender, man werde in Europa einen Versuch in diese Richtung starten. (Detlef Borchers) / (pmz [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-177068

Links in diesem Artikel:
[1] http://blog.seattlepi.nwsource.com/microsoft/archives/129113.asp
[2] http://www.news.com/8301-13860_3-9843783-56.html
[3] https://www.heise.de/news/Intel-zieht-sich-aus-dem-OLPC-Projekt-zurueck-175172.html
[4] https://www.heise.de/news/Nigeria-und-Libyen-bestellen-Intels-Schueler-Notebook-190938.html
[5] https://www.heise.de/news/Shuttle-kuendigt-199-Dollar-PC-mit-Linux-an-Update-176580.html
[6] https://www.heise.de/news/15-000-OLPC-Laptops-gehen-nach-Alabama-168160.html
[7] http://www.techgadgets.in/laptop/2008/08/olpcs-give-one-get-one-program-to-start-in-europe/
[8] https://www.heise.de/news/OLPC-verlaengert-Sonderaktion-199155.html
[9] mailto:pmz@ct.de