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Nvidia kauft den Chipsatz-Konkurrenten ULi Electronics

Christof Windeck

Der Grafikchip-Spezialist Nvidia will den taiwanischen Chipsatz-Hersteller ULi Electronics für etwa 52 Millionen US-Dollar übernehmen.

Vorbehaltlich regulatorischer Einwände will der Grafikchip-Spezialist Nvidia [1] den taiwanischen Chipsatz-Hersteller ULi Electronics [2] für etwa 52 Millionen US-Dollar übernehmen. Nvidia kündigt an, 19 Neue Taiwan Dollar (NTD) pro ausstehender ULi-Aktie zahlen zu wollen, das entspricht 0,47 Euro pro Aktie. Der Deal soll im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2007 abgeschlossen werden. ULi-Chef Alex Kuo wird von Nvidia in eine Führungsposition übernommen und soll für den Vertrieb von Chipsatz-Southbridges (Media and Communications Processors/MCP) in Asien verantwortlich zeichnen.

Die Übernahme dürfte nur geringe unmittelbare Auswirkungen auf die Verteilung des PC-Chipsatz [3]-Marktes haben, weil ULi zurzeit [4] nur einen Stückzahl-Anteil von etwa 0,6 Prozent hält. Nvidia dagegen ist der führende Anbieter von Chipsätzen für AMD-Prozessoren und hat auf diesem Feld VIA Technologies ausgestochen.

Der ULi-Kauf durch Nvidia dürfte aber vor allem von Nvidias schärfstem Konkurrenten ATI [5] und dem weltgrößten Chip-Auftragsfertiger TSMC [6], der sowohl ATI als auch Nvidia beliefert, sehr genau beobachtet werden. ULi ist nämlich erst 2002 entstanden, als der TSMC-Wettbewerber UMC [7] die Chipsatz-Aktivitäten der Acer-Tochter ALi [8] übernommen hat – die ULi-Chipsätze entstehen also höchstwahrscheinlich in UMC-Fabs. Die Southbridges [9] kommen dabei aber auch in Verbindung mit Northbridges von ATI zum Einsatz. Mit ihrem HyperTransport [10]-Interface lassen sich die ULi-Southbridges aber auch leicht mit anderen Bausteinen verbinden. Die integrierten PCI-Express [11]-Controller stammen dabei aus den Entwicklungslabors von Rambus [12].

Neben einer Marktbereinigung – außer Nvidia und Marktführer Intel sind im Bereich der Desktop- und Mobil-PC-Chipsätze nun nur noch ATI, SiS und VIA übrig – verfolgt Nvidia mit der ULi-Übernahme anscheinend auch das Ziel, preiswertere Chipsätze für den riesigen Markt der billigen Mainboards für Low-Cost-Rechner anbieten zu können; die bisherigen Nvidia-Produkte sind vergleichsweise teuer. Damit bringt sich Nvidia in eine bessere Position, um von den Anstrengungen AMDs [13] zu profitieren, sich größere Anteile des wichtigen Marktes der Profi-Bürocomputer zu sichern. Außerdem hat Nvidia – anders als ATI [14] – bisher keinen grafikfähigen Chipsatz für AMD64-Notebooks im Angebot. (ciw [15])


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[1] http://www.nvidia.com/
[2] http://www.uli.com.tw/eng/index_eng.php
[3] http://www.heise.de/glossar/entry/Chipsatz-399501.html
[4] https://www.heise.de/news/PC-Chipsatz-Branche-Intel-Konkurrenten-im-Aufschwung-154630.html
[5] http://www.ati.com/
[6] http://www.tsmc.com/
[7] http://www.umc.com/
[8] http://www.ali.com.tw/
[9] http://www.uli.com.tw/eng/products/product_solution.php?ssn=4
[10] http://www.heise.de/glossar/entry/HyperTransport-395764.html
[11] http://www.heise.de/glossar/entry/PCI-Express-395644.html
[12] https://www.heise.de/news/IDF-Rambus-Technik-im-ULi-Chipsatz-und-anderswo-125352.html
[13] https://www.heise.de/news/AMD-startet-mit-ATI-und-Nvidia-ein-Stable-Image-Programm-133090.html
[14] https://www.heise.de/news/Aldi-Notebook-ohne-Intel-Prozessor-130971.html
[15] mailto:ciw@ct.de