Nur noch kleine Korrekturen bei Reform des Jugendmedienschutzes
Die Rundfunkkommission der LĂ€nder hat sich laut der Berliner StaatssekretĂ€rin Monika Helbig darauf geeinigt, dass die Alterskennzeichnung fĂŒr Online-Spiele weiter allein durch die USK erfolgt. Weitere Kritik aus den Parlamenten, etwa an einer Alterskennzeichnung fĂŒr alle Online-Inhalte und Filtermöglichkeiten fĂŒr Erziehungsberechtigte, sei "verworfen" worden.
Die Rundfunkkommission der LĂ€nder hat sich darauf verstĂ€ndigt, nur noch kleine Korrekturen am umkĂ€mpften Entwurf [1] fĂŒr die Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) vorzunehmen. Dies berichtete die Berliner StaatssekretĂ€rin Monika Helbig am heutigen Mittwoch im Medienausschuss des Abgeordnetenhauses [2] der Hauptstadt. Es habe "noch etwas Bewegung gegeben", erklĂ€rte die in der Senatskanzlei tĂ€tige SPD-Politikerin. Im Gegensatz zu den bisherigen Planungen sei im Einklang mit dem Jugendschutzgesetz des Bundes nur noch ein Verfahren zur Alterskennzeichnung fĂŒr Online-Spiele und Videos vorgesehen; das zunĂ€chst geplante zweite Klassifizierungsschema fĂŒr diese beiden Bereiche entfĂ€llt.
Derzeit prĂŒft die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK [3]) Computerspiele auf TrĂ€germedien wie DVDs, fĂŒr Filme ist die Freiwillige Selbstkontrolle Filmwirtschaft FSK [4]) zustĂ€ndig. Gestrichen werden soll laut Helbig der Halbsatz in Paragraf 5 Absatz 4 des Entwurfs [5] (PDF-Datei), wonach hier auch von der Kommission fĂŒr Jugendmedienschutz (KJM [6]) ein Kennzeichen vergeben werden könnte.
Das System der Altersfreigabe solle vereinfacht und vereinheitlicht werden. Die Evaluierungsfrist soll von vier auf drei Jahre verkĂŒrzt werden; eine erneute Novellierung könnte so bereits 2013 vorbereitet werden. Nach Ansicht der StaatssekretĂ€rin gehe der Senat gemeinsam mit den Rundfunkreferenten der LĂ€nder davon aus, "dass das jetzt konsensfĂ€hig ist". Ob in der Abstimmung Mitte kommender Woche dann auch "die CDU-gefĂŒhrten LĂ€nder mitgehen", werde sich "erst am Schluss zeigen". Die Arbeitsgruppe Medien der GroĂen Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Union hatte Mitte Mai beschlossen [7], dass die Neufassung des JMStV nicht weiter verfolgt werden solle. Das Vorhaben sei vielmehr zunĂ€chst in der neuen Enquete-Kommission [8] "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestags zu besprechen.
Die Rundfunkkommission hat damit die umfassenden EinwĂ€nde gegen die Novellierung nur teilweise aufgegriffen. Die Sorgen [9] des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU [10]), es drohe eine "Kennzeichen-Inflation" etwa bei Browser-Games, dĂŒrften zwar nun vom Tisch sein. Dagegen fand die Kritik aus Landesparlamenten an Kernpunkten wie einer Alterskennzeichnung fĂŒr alle Online-Inhalte und Filtermöglichkeiten fĂŒr Erziehungsberechtigte kein Gehör. Bloggern oder Forenanbietern wĂŒrden die gleichen MaĂgaben auferlegt wie groĂen Content-Produzenten, hatten Medienpolitiker des Berliner Abgeordnetenhauses im April bemĂ€ngelt [11]. Die EinwĂ€nde seien praktisch verworfen worden, da sie in der Kommission nicht als mehrheitsfĂ€hig gegolten hĂ€tten, erklĂ€rte Helbig.
Bei den Volksvertretern im Berliner Abgeordnetenhaus, das sich als eines der ersten Landesparlamente mit der Novellierung befasst [12], kam diese Linie nicht gut an. "Die zentralen Punkte aus den Anhörungen sind ĂŒberhaupt nicht in die Nachverhandlungen eingegangen", monierte Anja Schillhaneck fĂŒr die GrĂŒnen. Die Nachbesserung "stellt uns ĂŒberhaupt nicht zufrieden". Der medienpolitische Sprecher der CDU, Christian Goiny, hielt die Kernpunkte ebenfalls weiterhin fĂŒr "ungeklĂ€rt". Er fĂ€nde es "bedauerlich", wenn die Medienstadt Berlin zustimmen und dadurch ein falsches Signal setzen wĂŒrde. Goiny appellierte an die LĂ€nderchefs, die Entscheidung zu vertagen. Andernfalls sollen die Abgeordneten der Reform nicht zustimmen, weil das System der StaatsvertrĂ€ge generell fĂŒr eine stĂ€rkere parlamentarische Beteiligung geöffnet werden mĂŒsse. Die FDP-Politikerin Sylvia von Stieglitz betonte, das Ergebnis der Nachverhandlungen widerspiegle nicht das, "was wir auf den Weg bringen wollten". Der Jugendmedienschutz mĂŒsse dem Internet gerecht werden. Frank Zimmermann erklĂ€rte dagegen fĂŒr die SPD-Fraktion, dass immer ein Kompromiss zwischen 16 BundeslĂ€ndern hergestellt werden mĂŒsse. Gabriele Heller von der mitregierenden Linksfraktion sagte, es gebe keine zeitliche Not, die Novellierung "ĂŒbers Knie zu brechen".
Die federfĂŒhrende Staatskanzlei Rheinland-Pfalz warnt derweil in einer ErklĂ€rung [13] (PDF-Datei) vor einem Scheitern der Reform, da damit der Status quo "fĂŒr mindestens drei weitere Jahre" beibehalten wĂŒrde "ohne die durch die Evaluierung erreichbaren Verbesserungen". In die Beratungen seien "sĂ€mtliche betroffene Institutionen im Bereich Jugendschutz und Wirtschaft einbezogen" gewesen. In "intensiven Verhandlungen" habe man einen "breiten Konsens" gefunden, der wiederum auf "breite Akzeptanz" stoĂe. Die Kritik gegen das Vorhaben sei dagegen "sachlich unzutreffend". Kennzeichnungen fĂŒr Webseiten stellten eine "zusĂ€tzliche Option" dar, eine Zensurinfrastruktur werde nicht aufgebaut. (anw [14])
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[2] http://www.parlament-berlin.de/
[3] http://www.usk.de/
[4] http://www.spio.de/index.asp?SeitID=2
[5] http://www.rlp.de/fileadmin/staatskanzlei/rlp.de/downloads/medien/Arbeitsentwurf_zur_%C3%84nderung_des_Jugendmedienschutz-Staatsvertrages.pdf
[6] http://www.kjm-online.de/
[7] https://www.heise.de/news/Neuregelung-des-Jugendmedienschutzes-wackelt-1001467.html
[8] https://www.heise.de/news/Enquete-Kommission-Internet-nimmt-ihre-Arbeit-auf-994054.html
[9] https://www.heise.de/news/Gamestage-Kennzeichen-Inflation-bei-Online-Spielen-befuerchtet-990364.html
[10] http://www.biu-online.de/
[11] https://www.heise.de/news/Berliner-Abgeordnetenhaus-hat-Bedenken-gegen-Jugendmedienschutz-Novelle-983450.html
[12] https://www.heise.de/news/Berliner-Abgeordnetenhaus-hat-Bedenken-gegen-Jugendmedienschutz-Novelle-983450.html
[13] http://www.rlp.de/fileadmin/staatskanzlei/rlp.de/downloads/pdf/Medienreferat/Debatte_um_JMStV.pdf
[14] mailto:anw@heise.de
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