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Nord Stream 1: Gazprom erweckt Zweifel an Wiederaufnahme der Gaslieferungen

Malte Kirchner
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(Bild: PHOTOCREO Michal Bednarek / Shutterstock.com)

In einem Tweet erklĂ€rt der russische Staatskonzern Gazprom, dass Dokumente fĂŒr die Ausfuhr eines Bauteils aus Kanada fehlen. Was Siemens Energy dazu sagt.

Der russische Energiekonzern Gazprom sieht sich nach eigenen Angaben nicht dazu in der Lage, die Wiederaufnahme der Erdgaslieferungen nach der Wartung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 zu garantieren. Auf seinem deutschsprachigen Twitter-Account erklĂ€rt der Staatskonzern, dass nötige Dokumente fĂŒr die Ausfuhr eines Bauteils fehlten.

Momentan befindet sich die Pipeline, die in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern anlandet, in einer jĂ€hrlichen Wartungsphase [1]. WĂ€hrend dieser zehn Tage fließt kein Gas. Schon in den vergangenen Wochen war die Leistung der 1200 Kilometer langen Offshore-Leitung deutlich gedrosselt worden. Die Bundesregierung vermutet, dass Russland damit Druck auf die westeuropĂ€ischen Staaten [2] im Streit um den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ausĂŒben will.

Im am Mittwoch veröffentlichten Tweet heißt es, dass Gazprom ĂŒber keine Dokumente verfĂŒge, die es dem deutschen Konzern Siemens ermöglichen, ein Gasturbinentriebwerk fĂŒr die Verdichterstation Portowaja aus Kanada auszufĂŒhren. Dieses Triebwerk war in den vergangenen Wochen immer wieder Thema gewesen, da es zur Reparatur nach Nordamerika gebracht wurde und aufgrund der westlichen Sanktionen gegen Russland nicht zurĂŒckgebracht werden konnte. Die deutsche Regierung setzte sich fĂŒr eine Ausnahme an. Schließlich sollte es ermöglicht werden, das Bauteil ĂŒber Deutschland zurĂŒck nach Russland zu bringen.

Genau dies zieht Gazprom nun in Zweifel und schlussfolgert, dass es unter diesen UmstĂ€nden kompliziert sei, "irgendwelche objektiven EinschĂ€tzungen darĂŒber zu geben", wie sich "die Situation" weiterhin entwickeln werde, wenn kein sicherer Betrieb der Verdichterstation möglich sei. Diese sei "bekanntlich fĂŒr die Gaspipeline Nord Stream von ausschlaggebender Bedeutung".

Ein Sprecher der Firma Siemens Energy, die fĂŒr das Bauteil verantwortlich zeichnet, erklĂ€rte auf Anfrage von heise online, dass sein Unternehmen mit Hochdruck an allen weiteren formalen Genehmigungen und der Logistik arbeite. "Dabei handelt es sich unter anderem um VorgĂ€nge, die der Export- und Importkontrolle unterliegen." Die politische Entscheidung fĂŒr die Ausfuhrgenehmigung der Turbine sei ein notwendiger und wichtiger erster Schritt gewesen. Weiter wollte er die Aussagen von Gazprom nicht kommentieren. "Unser Ziel ist es, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren."

Das Bundeswirtschaftsministerium erklĂ€rte gegenĂŒber heise online, dass es Pressemitteilungen oder Äußerungen von Gazprom nicht kommentiere. Transport und Einsatz der Turbine sowie das weitere Prozedere sei Aufgabe von Siemens.

Update

Die Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums wurde ergÀnzt.

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(mki [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7178832

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-Alle-Infos-zum-Stopp-der-Gaslieferung-nach-Deutschland-7167898.html
[2] https://www.heise.de/news/Gasreserven-in-Deutschland-reichen-nach-russischem-Lieferstopp-nicht-weit-7161401.html
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:mki@heise.de