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Nissan Cube – der mit den runden Ecken

Henry Dinger

Die Quadratur des Kreises beherrscht auch der Nissan Cube nicht, aber immerhin gelingt es ihm trotz seiner kubischen Grundform, erstaunlich viele Rundungen zu präsentieren. Wir haben ihn gefahren

München, 16. November 2010 – Die Quadratur des Kreises beherrscht der Nissan Cube nicht, aber immerhin gelingt es ihm trotz seiner kubischen Grundform, erstaunlich viele Rundungen zu präsentieren. Er wirkt so hart wie ein Schaumstoffwürfel, laviert geschickt zwischen nüchternem Nutzen und flauschiger Behaglichkeit. Von der Seite erinnert der rollende Kubus an einen Oldtimer aus der 1920er-Jahren, hinten ist es am ehesten noch mit einem Hochdachkombi wie dem Renault Kangoo zu vergleichen. Dort fällt auch eine gekonnte Asymmetrie an der Hecktür auf: Das Fondfenster wurde auf der rechten Seite optisch so geschickt um die C-Säule herumgezogen, als ob es sich so gehört.

Natürlich wissen auch die Nissan-Macher, dass der Komische-Kanten-Wagen polarisiert: Er sei "kein Auto für Aufschneider", sondern eher für "stilbewusste Menschen, die offen für Neues sind und den Cube als Erweiterung ihrer Persönlichkeit sehen", meint Simon Thomas, der Vize-Marketingchef von Nissan Europa. Klingt das jetzt lifestylig oder surreal? Wir wissen es nicht, interpretieren die wahren Worte einfach mal als Beschreibung eines praktischen Autos, weil zumindest unsere Persönlichkeiten noch nicht von Würfeln erweitert sind.

Nissan Cube – der mit den runden Ecken (0 Bilder) [1]

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Kommen wir zum lustigen Teil: Wir können in den Cube ziemlich aufrecht einsteigen und müssen uns nicht mühevoll hineinwinden. Das Synonym "Sessel", das Autotester gern für die vorderen Sitze verwenden, trifft beim Würfel-Nissan allerdings den Nagel auf den Kopf: Man sinkt wie in ein Plüschsofa, findet wenig Seitenhalt und eine kurze Oberschenkelauflage, ist aber ansonsten gastlich untergebracht. Aus dem Fond kommen keine Klagen: Hier gibt es zwar ein ähnlich plüschiges Sitzgefühl, aber viel Bein- und vor allem Kopffreiheit.

Der Kofferraum fasst in der Minimal-Konfiguration magere 260 Liter, kann aber auf verschiedene Arten vergrößert werden. Die Rückbank lässt sich auf Schienen nach vorn schieben und die Lehnen können umgelegt werden. Zum Raumwunder wird der 3,98 Meter lange Wagen dennoch nicht: Das maximale Stauraum-Volumen beträgt 410 Liter bis zur Fensterunterkante. Sehr praktisch finden wir aber die niedrige Ladeschwelle und den Umstand, dass die Hecktür links angeschlagen ist, also zum Fußweg hin öffnet. Das ist nicht bei jedem Auto mit dieser Türenkonstruktion so: Den Jeep Wrangler beispielsweise muss man von der Straße aus entladen und das Ladegut erst um die geöffnete Tür herumtragen. Wir gewöhnen uns auch schnell an das weiche Gepäckrollo, das an eine Sofadecke erinnert: Es lässt sich leicht auch über unebenes Staugut spannen.

Wie in einem Aussichtsturm mit Fenstern rundum genießen wir den Ausblick auf die Landschaft. Viel Licht fällt auch durch das große, serienmäßige Panoramadach, das sich über unseren Köpfen auftut. Wir können das Dach per Jalousie milchig verklären, oder mit einem anderen Rollo ganz verdunkeln. Und wir machen die erste Bekanntschaft mit "Fluffy", der auf dem Armaturenbrett wohnt und dort Kleinigkeiten festhalten soll. Fluffy ist sowas Ähnliches wie ein fusseliger Untersetzer und sieht aus wie ein Stück aus einem kurzgeschorenen Flokati. Wie er seinen Haltejob macht, probieren wir mit unserem Handy und einer Sonnenbrille aus. Das Handy fliegt zwar in der ersten Kurve weg, die Sonnenbrille bleibt zunächst liegen. Fluffy hat zu fünfzig Prozent bestanden, der Aufpreis von 25 Euro ist ok.

So ungewöhnlich, wie der Cube aussieht, so außergewöhnliche Namen tragen seine Ausstattungen. Unser Test-Würfel hat ZEN, IKI und KAADO an Bord. Alle drei sind Pakete, in denen nützliche Extras gebündelt sind. In ZEN sind Klimaautomatik, Sensoren für Licht und Scheibenwischer und das Schlüssellos-System geschnürt, IKI hat 16-Zoll-Felgen und getönte Fondscheiben dabei und mit KADOO bekommen wir das Touchscreen-DVD-Navi, eine Rückfahrkamera und die flexible Kofferraumabdeckung. Bereits in der Serienausstattung ist ein Tempomat mit Speedbegrenzer enthalten.

Die treibende Kraft unseres Testwagens erzeugt ein 1,6-Liter-Otto-Motor mit 110 PS. Die Vierzylinder-Maschine ist an ein stufenloses Automatikgetriebe gekoppelt. Es ist wie so oft gewöhnungsbedürftig: Bei durchgetretenem Gaspedal saust die Drehzahlmesser-Nadel auf etwa 6000 Umdrehungen und bleibt dort bis zum Erreichen der gewünschten Geschwindigkeit stehen. Dabei wird ein gleichförmiger, hoher Ton erzeugt, der erst beim Gas wegnehmen leiser wird. Man hört regelrecht, wie sich der Motor plagt, um den Wagen in 12,4 Sekunden auf Tempo 100 und gefühlt viel später auf 170 km/h zu beschleunigen. Am Wahlhebel des Getriebes ist eine Sporttaste versteckt. Wir drücken sie und spüren, dass der Motor beim Beschleunigen höher dreht, die Kraftentwicklung verbessert sich aber nicht merklich. Wer den Wagen viel mit Vollgas fährt, um schnell zu beschleunigen, wird an der Tankstelle bestraft: Wir haben einen Durchschnittsverbrauch von 9,4 Liter herausgefahren. Der Hersteller nennt einen Wert von 7,0 Liter für die Version mit CVT-Getriebe und 6,6 Liter für das Auto mit Schaltgetriebe.

Der Cube lässt sich recht agil durch den Alltag bewegen, wenngleich auch die Lenkung indirekt reagiert und nur wenig Feedback von der Straße vermittelt. Das Fahrwerk ist weich gefedert und bügelt die Straße verhältnismäßig gut glatt. Bei kurzen Bodenwellen stößt der Unterbau allerdings an seine Grenzen und meldet diese ziemlich deutlich. Auch schnell gefahrene Kurven mag der Würfel-Nissan nicht so gern: Der Aufbau schwankt spürbar.

Mit 110-PS-Benzinmotor und CVT-Automatikgetriebe kostet der Cube 19.500 Euro. Unser Testwagen kommt in der Summe seiner Ausstattungsdetails und den erwähnten Paketen ZEN (650 Euro), IKI (650 Euro) und KAADO (850 Euro) auf etwa 22.200 Euro. Die Konkurrenz: Den 112 PS starken Renault Modus 1.6 gibt es mit Automatikgetriebe ab 16.000 Euro, den etwas längeren Grand Modus 1.6 ab 17.000 Euro. Ein Kia Venga 1.6 mit 125 PS und Automatikgetriebe ist ab 17.870 Euro zu haben. Ein weiterer Mitbewerber, der wie der Cube ähnlich eckige Daihatsu Materia, wird seit kurzem nicht mehr produziert.

Modell Nissan Cube 1.6 CVT
Motorart Reihen-Ottomotor
Zylinder 4
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1.598
Leistung in PS 110
Leistung in kW 81
bei U/min 6.000
Drehmoment in Nm 153
bei U/min 4.400
Antrieb Frontantrieb
Getriebe CVT
Spurweite vorn in mm 1.475
Spurweite hinten in mm 1.480
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine mit Stabilisator
Radaufhängung hinten Torsionsstarrachse mit Schraubenfedern
Bremsen vorn Scheiben
Bremsen hinten Scheiben
Wendekreis in m 10,2
Räder, Reifen vorn 195/60 R15 (Stahl)
Räder, Reifen hinten 195/60 R15 (Stahl)
Lenkung Zahnstangenlenkung mit geschiwndigkeitsabhängiger elektrischer Servounterstützung
Länge in mm 3.980
Breite in mm 1.695
Höhe in mm 1.670
Radstand in mm 2.530
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1.250
Zuladung in kg 464
Kofferraumvolumen in Liter 260
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 410 (Fensterunterkante)
Anhängelast, gebremst in kg 750
Tankinhalt in Liter 52
Kraftstoffart Super
Höchstgeschwindigkeit in km/h 170
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 12,4
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,0
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,8
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 5,9
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 9,4
CO2-Emission in g/km 159
Schadstoffklasse Euro 5
Autonews Datenblatt-ID 28471
ASR Serie
ABS Serie
ESP Serie
Währung Euro
Grundpreis 19.500
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
Kopfairbags hinten Serie
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. Fensterheber hinten Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie
Manuelle Klimaanlage Serie
Klimaautomatik ZEN-Paket
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe Serie
Navigationssystem KAADO-Paket
CD-Player Serie
MP3 Serie
Schiebedach Serie (nicht zu öffnen)
Metallic-Lackierung 450
Leichtmetallfelgen IKI-Paket
Sitzhöheneinstellung Serie
Tempomat Serie
Lederausstattung -
Xenon-Scheinwerfer -
Kurvenlicht -
Nebelscheinwerfer Serie
Modell Nissan Cube 1.6 CVT
Ablagematte Fluffy 25
ZEN-Paket Klimaautomatik, Lichtsensor, Regensensor, Schlüssellos-System, Start-Stopp-Knopf
IKI-Paket 16-Zoll-Alus, getönte Fondscheiben
KAADO-Paket Nissan Connect: Doppel-DIN-Navi, 5-Zoll-Display, Touchscreen, Radio, CD, MP3, USB, iPod-Anschluss, Bluetooth, Karten auf SD-Karte, Rückfahrkamera, flexible Kofferraumabdeckung
Ablagematte Fluffy 25
ZEN-Paket Klimaautomatik, Lichtsensor, Regensensor, Schlüssellos-System, Start-Stopp-Knopf
IKI-Paket 16-Zoll-Alus, getönte Fondscheiben
KAADO-Paket Nissan Connect: Doppel-DIN-Navi, 5-Zoll-Display, Touchscreen, Radio, CD, MP3, USB, iPod-Anschluss, Bluetooth, Karten auf SD-Karte, Rückfahrkamera, flexible Kofferraumabdeckung
Ablagematte Fluffy 25
ZEN-Paket Klimaautomatik, Lichtsensor, Regensensor, Schlüssellos-System, Start-Stopp-Knopf
IKI-Paket 16-Zoll-Alus, getönte Fondscheiben
KAADO-Paket Nissan Connect: Doppel-DIN-Navi, 5-Zoll-Display, Touchscreen, Radio, CD, MP3, USB, iPod-Anschluss, Bluetooth, Karten auf SD-Karte, Rückfahrkamera, flexible Kofferraumabdeckung
Ablagematte Fluffy 25
ZEN-Paket Klimaautomatik, Lichtsensor, Regensensor, Schlüssellos-System, Start-Stopp-Knopf
IKI-Paket 16-Zoll-Alus, getönte Fondscheiben
KAADO-Paket Nissan Connect: Doppel-DIN-Navi, 5-Zoll-Display, Touchscreen, Radio, CD, MP3, USB, iPod-Anschluss, Bluetooth, Karten auf SD-Karte, Rückfahrkamera, flexible Kofferraumabdeckung

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