Neuer Mercedes SL in leichterer Alu-Konstruktion
Der Mercedes SL ist eine ästhetische Konstante in einer wechselvollen Welt: Egal welches Baujahr, die sind alle schön. 2012 geht der SL wieder mehr in Richtung Roadster, denn er wird mit Aluminium allüberall deutlich leichter.
Stuttgart, 14. Dezember 2011 – Ein offener SL ist eine der wenigen Katzen, die man bedenkenlos im Sack kaufen kann. Wenn man heute für kleines Geld den SL aus 2050 vorbestellen könnte, sollte man das tun. Er wird die dann aktuelle Formensprache wählen, um damit zeitlose Linien zu zeichnen. Es hat nie ein Grindgesicht gegeben, auf dem "SL" stand, und selbst wenn man weit zurück geht zu den frühen Modellen, ja: gerade, wenn man weit zurück geht zu 190 SL, 250 SL und wie sie alle heißen, dann erkennt man, wie würdevoll die Dinger altern. Jetzt stellt Mercedes die nächste Generation vor, und oh Wunder: Sie sieht elegant aus wie ein teurer Herrenschuh, ohne auf ihr wichtiges Bisschen Prolligkeit zu verzichten (für batzenweise Prolligkeit warten wir auf die AMG-Versionen SL 63 AMG und SL 65 AMG). Die offizielle Premiere des neuen SL findet übrigens auf der North American International Auto Show (NAIAS – 9. bis 22. Januar 2012) in Detroit statt.
140 kg leichter und aus Alu
Etwas breiter, etwas länger, etwas anders im Aussehen: es könnte auch ein Facelift sein. Unter dem Lack ist jedoch alles anders. Die selbstrragende Karosserie besteht zum größten Teil aus Alu, genauso wie einige veränderte Fahrwerksteile. Das Auto wird damit je nach Ausstattungsvarianten bis zu 140 kg leichter als die Vorgänger. Das wird Leuten mit Freude am Fahren gefallen, zumal die Vorgänger zwar schön anzuschauen aber gleichzeitig ziemliche Pummel geworden waren. Durch stabile Strukturen in der Formgebung des Aluminiums soll das Chassis trotz Mindergewicht verwindungssteifer sein. Gleichfalls aus Alu: Türen und Motorhaube, nur der Kofferraumdeckel besteht aus Stahl und Plastik. Mercedes bietet für das überarbeitete Fahrwerk sein Active Body Control an.
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Die offizielle Premiere des neuen SL findet auf der North American International Auto Show (NAIAS - 9. bis 22. Januar 2012) statt.
So weit zum Querdynamikpotenzial. Das verringerte Gewicht erhöht natürlich auch die Längsdynamik. Ein 3,5-Liter-V6 (306 PS, 370 Nm) oder ein 4,7-Liter-V8 (435 PS, 700 Nm) schieben SL 350 respektive SL 500 in knapp fünf bis knapp sechs Sekunden auf Landstraßengeschwindigkeit. Daimler-üblich regelt eine Elektronik bei 250 km/h ab. Die Motoren sollen an der Ampel auch Sprit sparen, indem sie abschalten (Start/Stop). Wirklich gebraucht hat das die Welt nicht, es funktioniert aber bei Daimler immerhin nervenschonend hintergründig, also sei es der Feigenblattfraktion zugestanden.
Der Himmel verfinstert sich
Ein paar der besten, sicherlich jedoch die witzigsten Neuerungen sind Zubehör: Ein Kofferraum, der per Fußgeste öffnet und schließt, falls man da hinten ein Buch reinlegen möchte (viel mehr passt eh nicht rein). Ein Panorama-Origami-Faltdach mit elektronischer Verdunkelungsfunktion, mit dem man den Himmel bei geschlossenem Dach sehen und verfinstern kann! Und rotes, geribbeltes Leder-Interieur, das Stirling Moss anerkennend abnicken würde. Die übliche Mercedes-Gimmick-Liste mit Internet, Parkassistent und Nackenfön fehlt natürlich auch nicht. Der SL 500 soll 117.096 Euro kosten, der SL 350 beginnt bei 93.534 Euro. Dafür kann man sich damit auch in fünfzig Jahren noch sehen lassen – oder ansonsten schnell (20 s) das Panoramadach schließen und verfinstern. (cgl)