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Neue Schlappe fĂŒr Rambus

Christof Windeck

Im Patentrechtsstreit mit Infineon hat Rambus vor einem District Court in Richmond offensichtlich keine guten Karten.

Im Patentrechtsstreit mit Infineon wird Rambus immer weiter in die Defensive gedrĂ€ngt. Nach Angaben von Online-Medien wischte der Richter den Großteil der von Rambus vorgebrachten Argumente vom Tisch. Beobachter von Fredhager.com, einer US-Investmentberatungs-Website, verfolgen den Prozess vor dem US District Court in Richmond, Virginia [1]. Ihrem Bericht nach hĂ€lt Richter Robert E. Payne den Großteil der Klagepunkte der Rambus-AnwĂ€lte fĂŒr irrelevant.

Lediglich in drei Punkten sieht er Anzeichen dafĂŒr, dass Infineon tatsĂ€chlich Rambus-Patente verletzt hat. Dies könnte zwei durch das 1999 erteilte Patent 5,953,263 [2] geschĂŒtzte Techniken betreffen sowie das erst im MĂ€rz 2000 erteilte Patent 6,034,918 [3]. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass Infineon diese Patente verletzt hat, wies der Richter schon jetzt die von Rambus behauptete vorsĂ€tzliche Patentverletzung zurĂŒck. Zwar könne es sein, dass das 1990/91 noch als Siemens firmierende Unternehmen Infineon damals technische Details ĂŒbernommen habe, die sich Rambus spĂ€ter patentieren ließ. Nach EinschĂ€tzung des Richters spricht jedoch vor allem der lange Zeitraum von rund 10 Jahren gegen einen Vorsatz – es ist tatsĂ€chlich nur schwer nachvollziehbar, wieso einerseits die Patentierung der strittigen Techniken so lange gedauert hat und warum Rambus erst so spĂ€t seine Rechte einfordert.

Bei den anderen Patenten, deren Verletzung von Rambus beklagt wird, folgte der Richter nach Anhörung einiger Experten der Argumentation von Infineon, dass sich nÀmlich diese Schutzschriften allesamt auf Speichertechniken mit einem gemultiplexten Adress- und Datenbus bezögen [4] und damit auf die im Infineon-Werk White Oak, Virginia, gefertigten SDRAM- und Double-Data-Rate-SDRAM-Chips nicht zutrÀfen.

Die AnwĂ€lte der beiden Kontrahenten sollen dem Richter bis zum Donnerstag EinschĂ€tzungen der Prozesslage nach den bisher erfolgten Aussagen geben. Auf dieser Grundlage will Payne am Donnerstag entscheiden, ob und wie er das Verfahren fortsetzt. Nach Ansicht von Prozessbeobachtern stecken die Rambus-AnwĂ€lte in einer ZwickmĂŒhle. Sie könnten den laufenden Prozess platzen lassen und vor einem Berufungsgericht klagen. Dann wĂŒrden die Infineon-AnwĂ€lte sicherlich die im Raum stehenden VorwĂŒrfe ins Feld fĂŒhren, dass sich Rambus selbst sowohl im Hinblick auf die Normungsarbeit bei der JEDEC falsch verhalten sowie gegen die US-Gesetze gegen "Racketeering Influenced and Corrupt Organizations" (RICO) verstoßen hat.

Als nicht unwesentliches Detail dĂŒrfte dabei die Summe eine Rolle spielen, die Infineon im Falle einer nachgewiesenen Patentverletzung an Rambus zahlen mĂŒsste. Waren viele Branchenkenner von mehrstelligen MillionenbetrĂ€gen ausgegangen, sieht die Sache nach Aussagen von Experten im Prozess jetzt ganz anders aus. Demnach verlangt das Unternehmen von Chipherstellern fĂŒr SDRAM LizenzgebĂŒhren von 0,75 Prozent vom Netto-Verkaufspreis und fĂŒr DDR-SDRAM 3,5 Prozent. Wenn es tatsĂ€chlich nur um Nachzahlungen fĂŒr die Nutzung von Patenten geht, die erst 1999 beziehungsweise 2000 erteilt wurden, so beliefe sich die von Infineon zu zahlende Summe auf etwa 3,6 Millionen US-Dollar. In den von Rambus angestrengten Verfahren in Deutschland [5] gingen die beklagten Firmen Hyundai und Micron von Zahlungen im zweistelligen Millionenbereich aus. Selbst wenn Rambus in mehreren LĂ€ndern Prozesse gegen Infineon, Hyundai und Micron gewinnt, scheint sich der Aufwand kaum zu lohnen. (ciw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-39692

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Rambus-Infineon-Prozess-in-den-USA-vertagt-43589.html
[2] http://164.195.100.11/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=/netahtml/srchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1='5953263'.WKU.&OS=PN/5953263&RS=PN/5953263
[3] http://164.195.100.11/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO2&Sect2=HITOFF&p=1&u=/netahtml/search-bool.html&r=1&f=G&l=50&co1=AND&d=ft00&s1='6034918'.WKU.&OS=PN/6034918&RS=PN/6034918
[4] https://www.heise.de/news/Rambus-schwimmen-die-Felle-weg-35887.html
[5] https://www.heise.de/news/Rambus-vs-Hyundai-und-Micron-Trickreicher-Einstieg-36280.html
[6] mailto:ciw@ct.de