Neue Rangliste zur weltweiten Situation der Pressefreiheit
Nordkorea belegt wieder den letzten Platz in der Rangliste von Reporter ohne Grenzen zur Situation der Pressefreiheit. Deutschland fiel binnen Jahresfrist von Platz 11 auf Platz 18 zurĂŒck.
Nordkorea belegt auch in diesem Jahr wieder den letzten von insgesamt 166 PlĂ€tzen in der Rangliste [1] von Reporter ohne Grenzen zur weltweiten Situation der Pressefreiheit. Es folgen Eritrea und Turkmenistan. In diesen LĂ€ndern gebe es weder unabhĂ€ngige Medien noch seien freie MeinungsĂ€uĂerungen möglich, hĂ€lt die Menschenrechtsorganisation [2] fest. Journalisten könnten lediglich die Staatspropaganda wiedergeben, jegliches Abweichen werde hart geahndet, etwa durch stĂ€ndige Ăberwachung, Schikane oder gar GefĂ€ngnis.
Die gröĂten Schwierigkeiten, journalistisch unabhĂ€ngig zu arbeiten, gebe es in Ost- und Zentralasien sowie im Nahen Osten, berichtet die Organisation. In Myanmar (163. Rang), China (159.), Vietnam (158.), Usbekistan (155.), Afghanistan (125.), dem Irak (157.), Syrien (145.) und dem Iran (164.) etwa verhinderten repressive Regierungen oder gewalttĂ€tige Ăbergriffe bewaffneter Gruppen oftmals eine freie Berichterstattung. Verbessert hat sich nach EinschĂ€tzung von Reporter ohne Grenzen die Situation der Medien in einigen afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten. So zĂ€hlten Benin (25. Rang /2004: 27. Rang) und Namibia (25./44.), El Salvador (28.), Kap Verden (29.), Mali (37.), Costa Rica (41.) und Bolivien (45.) zu den 50 Bestplatzierten der Rangliste.
Westliche Demokratien fielen im Vergleich zum Vorjahr um einige RĂ€nge zurĂŒck. So bĂŒĂten etwa die USA mehr als 20 PlĂ€tze ein (44./23.), weil dort der Quellenschutz zunehmend untergraben werde. Zur schlechteren Bewertung trug auch die verhĂ€ngte Beugehaft gegen die Reporterin Judith Miller (New York Times) bei. Deutschland fiel vom 11. auf den 18. Rang zurĂŒck. Grund sind gemeldete Durchsuchungen, die Herausgabe von Telefondaten eines Journalisten sowie die SchlieĂung einer tĂŒrkischsprachigen Zeitung. Zudem wurde ein gewalttĂ€tiger Ăbergriff auf einen Journalisten dokumentiert.
An der Spitze der Rangliste stehen wie im vergangenen Jahr die europĂ€ischen LĂ€nder DĂ€nemark, Finnland, Irland, Island, Norwegen, die Niederlande und die Schweiz. Spitzenreiter in Sachen Pressefreiheit auf anderen Kontinenten sind Neuseeland (12.) fĂŒr Australien/Neuseeland, Trinidad und Tobago (12.) fĂŒr Amerika, Benin (25.) fĂŒr Afrika und SĂŒdkorea (34.) fĂŒr Asien.
China wurde von Reporter ohne Grenzen unterdessen aufgefordert, die neuerliche Blockade der freien Internet-EnzyklopĂ€die Wikipedia zu beenden. Seit dem 18. Oktober ist Wikipedia von mehreren Regionen des Landes aus -- darunter der GroĂraum Shanghai -- nicht erreichbar. Bereits im vergangenen Jahr hatten die chinesischen Behörden wiederholt den Zugriff auf die Wissensdatenbank verhindert [3]. (pmz [4])
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[2] http://www.reporter-ohne-grenzen.de
[3] https://www.heise.de/news/Sperrungen-gegen-Chinas-Wikipedia-Gemeinde-101397.html
[4] mailto:pmz@ct.de
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