Netzpolitik.org-AffÀre: Karlsruhe gibt Verfahren nach Berlin ab
(Bild: dpa, Tobias Kleinschmidt)
Die weiteren Ermittlungen um mögliche Verletzung von Dienstgeheimnissen ĂŒbernimmt die Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Derweil wurde bekannt, dass das Bundesinnenministerium stĂ€rker als bisher bekannt in die AffĂ€re eingebunden war.
In der Landesverrats-AffĂ€re um Veröffentlichungen des Blogs Netzpolitik.org fĂŒhrt nun die Staatsanwaltschaft Berlin die weiteren Ermittlungen. Das Verfahren richte gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Verletzung von Dienstgeheimnissen, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mit.
Zu den Ermittlungen gegen Netzpolitik.org siehe auch:
Neuer Schlagabtausch zwischen Maas und Range ĂŒber Netzpolitik.org [1]
Minister Maas feuert Generalbundesanwalt Range [2]
Generalbundesanwalt greift Justizminister an [3]
A Most Wanted Man - oder doch nicht? [4]
Demonstration fĂŒr Grundrechte, Pressefreiheit und Netzpolitik.org [5]
Welle der EntrĂŒstung wegen Landesverratsvorwurf gegen Netzpolitik.org [6]
"Jetzt kommt der Angriff auf uns" [7]
Vorwurf Landesverrat: Generalbundesanwalt ermittelt gegen Netzpolitik.org [8]
Die Ermittler suchen diejenigen, die vertrauliche Dokumente des Verfassungsschutzes, in denen es um PlĂ€ne zur stĂ€rkeren Ăberwachung des Internets ging, an die Blogger weitergegeben haben. Die Ermittlungen wegen Landesverrats gegen die Blogger selbst waren vergangene Woche eingestellt worden.
Derweil hat sich ergeben, dass das Bundesinnenministerium stĂ€rker als bisher bekannt in das Vorgehen gegen Netzpolitik.org eingebunden war. Der Parlamentarische InnenstaatssekretĂ€r GĂŒnter Krings gab im Rechtsausschuss des Bundestages an, dass bereits bei einem Treffen am 3. MĂ€rz ĂŒber die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente gesprochen worden sei. "Leider war es dem StaatssekretĂ€r nicht möglich, die Teilnehmer dieses Treffens zu benennen", sagte GrĂŒnen-Fraktionsvize Konstantin von Notz. "So bleibt offen, ob nicht zumindest Teile des Bundeskanzleramts von Anfang an treibende Kraft dieses Strafverfahrens wegen Landesverrats waren."
Sechs Tage vor dem besagten Treffen hatten die Blogger interne PlĂ€ne des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz zur stĂ€rkeren InternetĂŒberwachung ins Netz gestellt. Nach Angaben des Bundesjustizministeriums stammt die erste Strafanzeige des Verfassungsschutzes zu dem Fall vom 25. MĂ€rz. Die Ermittlungen gegen die zwei Blogger waren von Vertretern der SPD und der Opposition im Bundestag als Angriff auf die Pressefreiheit gewertet worden. Sie sind inzwischen eingestellt. Generalbundesanwalt Harald Range hat wegen der AffĂ€re vor zwei Wochen seinen Posten rĂ€umen mĂŒssen. (anw [9])
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[2] https://www.heise.de/news/Ermittlungen-gegen-Netzpolitik-org-Minister-Maas-feuert-Generalbundesanwalt-Range-2771092.html
[3] https://www.heise.de/news/Ermittlungen-gegen-Netzpolitik-org-Generalbundesanwalt-greift-Justizminister-an-2768189.html
[4] http://www.heise.de/tp/news/A-Most-Wanted-Man-oder-doch-nicht-2766909.html
[5] https://www.heise.de/news/Demonstration-fuer-Grundrechte-Pressefreiheit-und-Netzpolitik-org-2766960.html
[6] https://www.heise.de/news/Welle-der-Entruestung-wegen-Landesverratsvorwurf-gegen-Netzpolitik-org-2765894.html
[7] https://www.heise.de/news/Welle-der-Entruestung-wegen-Landesverratsvorwurf-gegen-Netzpolitik-org-2765894.html
[8] https://www.heise.de/news/Vorwurf-Landesverrat-Generalbundesanwalt-ermittelt-gegen-Netzpolitik-org-2765813.html
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