Nach Spitzel-Skandal bei Telekom: Streit um schÀrfere Gesetze
Nach dem Spitzel-Skandal bei der Deutschen Telekom streitet die Politik ĂŒber mögliche Konsequenzen.
Nach dem Spitzel-Skandal [1] bei der Deutschen Telekom streitet die Politik ĂŒber mögliche Konsequenzen. Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl forderte am Samstag schĂ€rfere Gesetze. So sollten Firmen zur Transparenz gezwungen und im Falle von Datenmissbrauch an eine Art öffentlichen Pranger gestellt werden. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) lehnte dagegen schĂ€rfere Gesetze ab [2]. Innenminister Wolfgang SchĂ€uble (CDU) forderte die deutschen Unternehmen auf, dem Datenschutz höhere Beachtung zu schenken.
Mehrere tausend BĂŒrgerrechtler und DatenschĂŒtzer haben unterdessen am Samstag in zahlreichen StĂ€dten gegen die gesetzliche Speicherung von Telefon- und Internetdaten protestiert [3]. Mit dem bundesweiten Aktionstag machten sie gegen die sogenannte Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchungen im Zuge der Terrorabwehr mobil. Auch FDP und GrĂŒne sehen sich durch den Telekom-Skandal um ausgespĂ€hte Daten von Journalisten in ihrer Ablehnung bestĂ€tigt. Die Telekom hatte eingerĂ€umt, Telefondaten ausspioniert zu haben, um die Veröffentlichung vertraulicher Informationen zu verhindern.
Uhl forderte in der Passauer Neuen Presse sowie in der Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung Konsequenzen: "Hier muss dringend etwas geschehen, und die groĂe Koalition wird hier handeln". Dem Spiegel sagte er, allen Unternehmen, die Daten ihrer Kunden missbrĂ€uchlich verwenden, mĂŒsste "die denkbare Höchststrafe" auferlegt werden. Bosbach sagte dagegen der Mitteldeutschen Zeitung: "Wir haben es hier mit Rechtsbruch zu tun. Das ist bereits verboten." Es mache keinen Sinn, das Verbotene ein zweites Mal fĂŒr verboten zu erklĂ€ren.
Auch der rechtspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, JĂŒrgen Gehb, sagte dem Blatt: "Wir Politiker sollten uns von dieser Hysterie nicht anstecken lassen. Ich sehe keinerlei Handlungsbedarf beim Gesetzgeber." Ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten plĂ€dierte indes fĂŒr deutlich höhere BuĂgelder bei VerstöĂen gegen den betrieblichen Datenschutz.
FDP-Chef Guido Westerwelle beklagte einen stetigen Abbau von BĂŒrger- und Freiheitsrechten. Dies sei ein schleichender Prozess, der in einer Art Salami-Taktik geschehe, sagte Westerwelle [4] auf dem FDP- Bundesparteitag in MĂŒnchen. Mit immer neuen Gesetzen werde jedes Mal "eine neue Scheibe der Freiheit und der BĂŒrgerrechte abgeschnitten". Westerwelle beklagte aber auch eine zunehmende "gesellschaftliche Akzeptanz" beim Abbau von Freiheitsrechten.
Die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) erneuerte ihre Kritik an der Vorratsdatenspeicherung. "Die Bundesregierung sollte das wirklich jetzt noch mal ĂŒberlegen, bevor das Gesetz vollkommen in Kraft ist", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Aus Sicht des GrĂŒnen-Politikers Volker Beck macht der Telekom-Skandal klar, dass die Daten der Vorratsdatenspeicherung nicht sicher seien. "Mit freiwilligen SelbstverpflichtungserklĂ€rungen der Wirtschaft Ă la SchĂ€uble ist es jetzt nicht getan."
SchĂ€uble will an diesem Montag mit der Telekom sowie anderen Firmen und VerbĂ€nden der Branche reden. Die Bundesregierung will die Branche zu einer Selbstverpflichtung [5] zur Einhaltung des Datenschutzes bewegen. Der Bild am Sonntag sagte SchĂ€uble, die BĂŒrger mĂŒssten darauf vertrauen können, dass der Schutz von Daten auch in Unternehmen höchste PrioritĂ€t habe. Mehrere Unternehmen wollen dem Treffen aber fernbleiben. BITKOM [6]-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Bernhard Rohleder sagte dem Tagesspiegel: "Eine Selbstverpflichtung braucht es in FĂ€llen, wo es keine gesetzliche Verpflichtung gibt. Das ist in diesem Fall ganz anders."
Siehe dazu auch:
- Telekom-AffÀre weitet sich aus [7]
- Datenschutz: SchÀuble drÀngt auf Selbstverpflichtung der Telecom-Branche [8]
- Telekom-AffÀre: Aufsichtsbehörden in ErklÀrungsnot [9]
- Telekom holt Datenschutzexperten zur AufklÀrung der SpitzelaffÀre [10]
- Abgeordnete fordern Konsequenzen aus SpitzelaffÀren [11]
- CDU: Telefon-Daten mĂŒssen sicher sein, Vorratsdatenspeicherung notwendig [12]
- Journalisten-Verband fordert wirksame Kontrolle von Telecom-Firmen [13]
- In der Telekom-BespitzelungsaffÀre schaltet sich der Bundesinnenminister ein [14]
- "Telekomgate": Wer hat was gewusst? [15]
- Telekom-SpitzelaffÀre: Keine Ermittlungen gegen aktive Vorstandsmitglieder [16]
- Konzernzentrale der Telekom von Staatsanwaltschaft durchsucht [17]
- "Telekomgate": Die Deutsche Telekom soll seit dem Jahr 2000 bespitzelt haben [18]
- Telekom soll Spitzel in der Capital-Redaktion platziert haben [19]
- Telekom-ĂberwachungsaffĂ€re: FrĂŒhere Konzernleitung belastet [20]
- Kriminalbeamte fordern zentrale Datenbank fĂŒr Verbindungsdaten [21]
- DatenschĂŒtzer sehen schwindendes Rechtsbewusstsein [22]
- Telekom arbeitet mit Hochdruck an AufklÀrung der BespitzelungsaffÀre [23]
- Ethikverband: "Krimineller Sumpf" bei der Telekom [24]
- Telekom-Chef Obermann will "harte Konsequenzen" aus BespitzelungsaffÀre ziehen [25]
- DJV nennt Telekom-BespitzelungsaffÀre "Angriff auf Pressefreiheit" [26]
- Telekom-Aufsichtsrat fordert schnelle AufklÀrung im Spitzel-Skandal [27]
- Telekom soll eigene Manager bespitzelt haben [28]
(dpa)/ (axv [29])
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[1] https://www.heise.de/news/Telekom-Affaere-weitet-sich-aus-211372.html
[2] https://www.heise.de/news/CDU-Telefon-Daten-muessen-sicher-sein-Vorratsdatenspeicherung-notwendig-211169.html
[3] https://www.heise.de/news/Tausende-demonstrieren-bundesweit-gegen-ueberwachung-753505.html
[4] https://www.heise.de/news/FDP-Chef-Westerwelle-beklagt-schleichenden-Abbau-von-Freiheitsrechten-211383.html
[5] https://www.heise.de/news/Datenschutz-Schaeuble-draengt-auf-Selbstverpflichtung-der-Telecom-Branche-211345.html
[6] http://www.bitkom.org
[7] https://www.heise.de/news/Telekom-Affaere-weitet-sich-aus-211372.html
[8] https://www.heise.de/news/Datenschutz-Schaeuble-draengt-auf-Selbstverpflichtung-der-Telecom-Branche-211345.html
[9] https://www.heise.de/news/Telekom-Affaere-Aufsichtsbehoerden-in-Erklaerungsnot-211327.html
[10] https://www.heise.de/news/Telekom-holt-Datenschutzexperten-zur-Aufklaerung-der-Spitzelaffaere-Update-211299.html
[11] https://www.heise.de/news/Abgeordnete-fordern-Konsequenzen-aus-Spitzelaffaeren-211294.html
[12] https://www.heise.de/news/CDU-Telefon-Daten-muessen-sicher-sein-Vorratsdatenspeicherung-notwendig-211169.html
[13] https://www.heise.de/news/Journalisten-Verband-fordert-wirksame-Kontrolle-von-Telecom-Firmen-211106.html
[14] https://www.heise.de/news/In-der-Telekom-Bespitzelungsaffaere-schaltet-sich-der-Bundesinnenminister-ein-211031.html
[15] https://www.heise.de/news/Telekomgate-Wer-hat-was-gewusst-211022.html
[16] https://www.heise.de/news/Telekom-Spitzelaffaere-Keine-Ermittlungen-gegen-aktive-Vorstandsmitglieder-Update-210929.html
[17] https://www.heise.de/news/Spitzelaffaere-Konzernzentrale-der-Telekom-von-Staatsanwaltschaft-durchsucht-210781.html
[18] https://www.heise.de/news/Telekomgate-Die-Deutsche-Telekom-soll-seit-dem-Jahr-2000-bespitzelt-haben-210700.html
[19] https://www.heise.de/news/Telekom-soll-Spitzel-in-der-Capital-Redaktion-platziert-haben-210671.html
[20] https://www.heise.de/news/Telekom-ueberwachungsaffaere-Fruehere-Konzernleitung-belastet-210428.html
[21] https://www.heise.de/news/Kriminalbeamte-fordern-zentrale-Datenbank-fuer-Verbindungsdaten-210161.html
[22] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-sehen-schwindendes-Rechtsbewusstsein-210155.html
[23] https://www.heise.de/news/Telekom-arbeitet-mit-Hochdruck-an-Aufklaerung-der-Bespitzelungsaffaere-210039.html
[24] https://www.heise.de/news/Ethikverband-Krimineller-Sumpf-bei-der-Telekom-210010.html
[25] https://www.heise.de/news/Telekom-Chef-Obermann-will-harte-Konsequenzen-aus-Bespitzelungsaffaere-ziehen-209927.html
[26] https://www.heise.de/news/DJV-nennt-Telekom-Bespitzelungsaffaere-Angriff-auf-Pressefreiheit-209874.html
[27] https://www.heise.de/news/Telekom-Aufsichtsrat-fordert-schnelle-Aufklaerung-im-Spitzel-Skandal-209863.html
[28] https://www.heise.de/news/Telekom-soll-eigene-Manager-bespitzelt-haben-209826.html
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