NSA-Untersuchungsauschuss: Snowden muss bald befragt werden
Wenn Aussagen von Edward Snowden im Bericht des europÀischen NSA-Untersuchungsauschusses auftauchen sollen, dann muss die Befragung bis Anfang MÀrz stattfinden. Der Bericht bliebe sonst unvollstÀndig, meinen EU-Abgeordnete.
Jetzt mĂŒssten sie im EuropĂ€ischen Parlament eigentlich auf die Tube drĂŒcken. Die Europawahl im Mai 2014 wird mehr und mehr zum Schicksalstag fĂŒr einige wichtige Entscheidungen und Berichte dieser Legislaturperiode. So soll etwa der Bericht [1] im NSA-Untersuchungsausschuss im MĂ€rz im Plenum abgestimmt werden. Eine Befragung von Edward Snowden, fĂŒr die die Abgeordneten am gestrigen Donnerstag gestimmt [2] haben, wĂŒrde den Bericht vervollstĂ€ndigen. Wenn sie aber bis Ende Februar nicht stattfindet, werden Snowdens Antworten womöglich im Bericht fehlen. Das erklĂ€rte der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht (GrĂŒne) am gestrigen Donnerstag am Rande des FachgesprĂ€chs "Moderner Datenschutz fĂŒr Europa [3]" in Hannover.
Cornelia Ernst, Abgeordnete der Linken im Europaparlament, bestĂ€tigte diese Sorgen gegenĂŒber heise online. Es werde "in jedem Fall schwierig, Neues, das sich aus der Befragung mit Snowden ergibt" noch in den Bericht einflieĂen zu lassen. Die GeschĂ€ftsordnung gebe aber noch "ein paar Möglichkeiten" her. Falls die Befragung noch vor der Abstimmung im Ausschuss stattfindet, "könnte man mit mĂŒndlichen ĂnderungsantrĂ€gen arbeiten, ansonsten mĂŒsste man wohl im Plenum ĂnderungsantrĂ€ge zulassen und einreichen". Das berge aber die Gefahr, dass gewisse Einigungen, die im Ausschuss erreicht werden konnten, wieder aufgemacht werden.
(Bild:Â Fritz Schumann)
Snowden soll laut Albrecht per VideoĂŒbertragung befragt werden, die Fragen liegen dem Whistleblower demnach schon seit Weihnachten vor. Bisher liege von Snowden aber noch keine Nachricht darĂŒber vor, ob er der Befragung zustimmt. Gegen seine Aussage stimmten nach Angaben von Albrecht vor allem Abgeordnete der britischen Tories, die auch in anderen ZusammenhĂ€ngen die Position der US-Regierung unterstĂŒtzen.
Albrecht unterstrich, dass die Situation fĂŒr Snowden in Russland unsicher sei. AuĂerdem sollten aus dem Untersuchungsausschuss um Echelon die richtigen SchlĂŒsse gezogen werden. 2001 hatte das europĂ€ische Parlament die Ăberwachung durch das weltweite Spionagenetz Echelon untersucht. Wegen der Ereignisse des 11. September waren aber keine politische Konsequenzen [4] aus den Erkenntnissen des Ausschusses gezogen worden. Dabei sei schon in Echelon vieles von dem ans Tageslicht gekommen [5], was heute mit den Daten von Snowden ĂŒber Programme wie Prism bekannt ist, erlĂ€uterte Albrecht. (kbe [6])
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[1] https://www.heise.de/news/EU-Parlamentsbericht-zum-NSA-Skandal-Harsche-Reaktionen-gefordert-2078761.html
[2] https://www.heise.de/news/NSA-Skandal-EU-Untersuchungsausschuss-will-Snowden-befragen-2080480.html
[3] http://www.fraktion.gruene-niedersachsen.de/service/termine/detail.html?tx_cal_controller%5Bview%5D=event&tx_cal_controller%5Btype%5D=tx_cal_phpicalendar&tx_cal_controller%5Buid%5D=606&tx_cal_controller%5Byear%5D=2014&tx_cal_controller%5Bmonth%5D=01&tx_cal_controller%5Bday%5D=09&cHash=779b95ec7e179b553a1776ee065b52e0
[4] https://www.heise.de/news/EU-Rat-und-Kommission-bleiben-bei-Echelon-untaetig-70153.html
[5] http://www.heise.de/tp/artikel/39/39285/1.html
[6] mailto:kbe@heise.de
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