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ModularitÀt als Zukunftsoption der Mobiltelefonbranche

Ben Schwan

Das israelische Start-up Modu Mobile will seine Kundschaft von erweiterbaren Handys ĂŒberzeugen.

Im Februar hat das israelische Start-up Modu Mobile ein erweiterbares Handy [1] vorgestellt, das sich mit Hilfe so genannter Jackets, in die das GrundgerĂ€t eingesteckt werden kann, mit neuen Funktionen belegen lĂ€sst. Im GesprĂ€ch [2] mit der Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review erlĂ€uterte der Technikchef der Firma, Itay Sherman, nun die Strategie hinter dem Ansatz. Derzeit besĂ€ĂŸen die meisten Kunden nur ein GerĂ€t, das sie stĂ€ndig verwendeten. Nach ein, zwei Jahren werde es hĂ€ufig erst durch ein neues Modell ersetzt, weil ein frĂŒherer Wechsel zu teuer sei, sagte Sherman. Doch die aktuelle Marktsituation, ein Handy fĂŒr alle Gelegenheiten zu verwenden, passe nicht mehr zum modernen Lebensstil. Manchmal wolle man mit dem kleinstmöglichen GerĂ€t herumlaufen, manchmal benötige man hingegen ein KommunikationsgerĂ€t mit vernĂŒnftiger Tastatur oder einen Medienabspieler mit großem Bildschirm. "Statt stĂ€ndig ein neues Handy zu kaufen, ermöglichen unsere Jackets diesen Wechsel sofort."

Bei der Herstellung des Modu-GrundgerĂ€tes musste der Hersteller laut Angaben von Sherman einige Kompromisse eingehen. Die Chips seien das geringste Problem gewesen. Andere Bauteile wie der Bildschirm, die Tastatur und die Batterie mussten hingegen geschrumpft werden, um in das dominosteinĂ€hnliche GerĂ€t zu passen. Das Display wurde speziell entworfen: Es nutzt die stromsparende OLED-Technik und ist nur einen Millimeter dick. Weil sich Modu Mobile schnell bewusst wurde, dass ein vollstĂ€ndiges Keypad samt Nummerntasten in dieser GrĂ¶ĂŸe unpraktisch ist, entschied sich das Entwicklungsteam fĂŒr ein simplifiziertes Tastenfeld samt passender MenĂŒfĂŒhrung, die an MP3-Spieler erinnert. Die Lithium-Ionen-Polymer-Batterie, die technisch herkömmlichen Handyakkus Ă€hnelt, wurde ebenfalls angepasst – sie ist dĂŒnner sowie lĂ€nglicher gestaltet und kann trotzdem drei Stunden GesprĂ€chszeit und 100 Stunden stand-by leisten.

Neben handyspezifischen Jackets, die aus dem GrundgerĂ€t beispielsweise ein Smartphone machen, will Modu Mobile auch Unterhaltungselektronik anbieten, in die das Telefon eingesteckt werden kann. Dazu gehört eine Kamera, mit der das Modu Bilder drahtlos an andere Handys ĂŒbermitteln kann oder ein Beschallungssystem fĂŒrs Auto, das den Zugriff auf die MP3-Sammlung im Handy ermöglicht und eine Freisprecheinrichtung mitbringt. BasisgerĂ€t und zwei Jackets sollen anfangs um die 200 Dollar kosten. Die ersten MĂ€rkte, auf denen Modu Mobile mit Netzbetreiberpartnern auftreten will, sind Italien, Russland und Israel.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-185897

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Startup-stellt-erweiterbares-Mini-Handy-vor-177108.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Das-Bastel-Handy-274962.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Das-Bastel-Handy-274962.html
[4] mailto:bsc@heise.de