MobilitÀtswandel: Die Volkswagen-Tochter Moia
Volkswagen macht seit Monaten vor allem mit seinem Abgasbetrug groĂe Schlagzeilen. Der Skandal treibt konzern-intern aber auch Wandlungsprozesse voran. Mit der neuen Marke âMoiaâ will Volkswagen nun sinnvolle ErgĂ€nzungen zum Fahren im eigenen Auto anbieten
Volkswagen gehört in der internationalen Auto-Szene nicht gerade zu den Trendsettern. Andere Hersteller hatten lĂ€ngst viele Kunden fĂŒr Minivans oder SUV begeistert, ohne dass man bei VW ein vergleichbares Angebot fand. Um so spektakulĂ€rer fielen dann die Erfolge mit Modellen wie etwa VW Touran oder VW Tiguan aus, mit denen Volkswagen Jahre spĂ€ter endlich auf die Trends reagierte. Ganz Ă€hnlich will Volkswagen wohl nun auch bei modernen MobilitĂ€tsdienstleistungen den Markt von hinten aufrollen [1].
Auf der Technologiekonferenz âTechCrunch Disruptâ prĂ€sentierte Volkswagen nun die 13. Konzerntochter, die langfristig weltweit zu den Top drei der MobilitĂ€tsdienstleister gehören soll. âMit Moia wollen wir neue Formen von MobilitĂ€t besser verstehen lernen, zukĂŒnftig noch attraktiver gestaltenâ, erklĂ€rte Konzernchef Matthias MĂŒller zum Start des neuen Unternehmens, das in Berlin angesiedelt wird. âAuch wenn kĂŒnftig nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzen wird, wollen wir mit Moia dazu beitragen, dass jeder auf die eine oder andere Art Kunde unseres Unternehmens sein kann.â
MobilitÀtswandel: Die Volkswagen-Tochter Moia (0 Bilder) [2]
Im ersten Jahr geht es zunĂ€chst darum, die Firma aufzubauen. Derzeit arbeiten 50 BeschĂ€ftigte fĂŒr Moia, Ende 2017 sollen es rund 200 sein. Bei der Suche nach den Entwicklern, die die MobilitĂ€tslösungen der Zukunft programmieren sollen, setzt Moia-Chef Ole Harms nicht unbedingt auf die Begeisterung fĂŒr Autos, sondern auf höhere Ziele. âWir suchen Wege, das Leben insbesondere in den StĂ€dten besser zu machen. Unsere Lösungen werden einen positiven Effekt auf die Umwelt haben und LĂ€rm und Luftverschmutzung reduzieren.â
Fahrtenvermittlung via App und Sammelfahrten
Zwei GeschĂ€ftsfelder hat Moia besonders im Visier: Zum einen geht es um die Fahrtenvermittlung via App (âRide Hailingâ), wie sie auch der groĂe US-Konkurrent Uber anbietet. Das zweite GeschĂ€ftsfeld nennt Moia âPoolingâ. Hier werden ganzheitliche Transportlösungen angestrebt, die den Individualverkehr und den öffentlichen Verkehr effizienter gestalten. Die moderne Variante der Sammeltaxis [4] soll unnötige Einzelfahrten im Auto vermeiden und die bestehende StraĂeninfrastruktur besser nutzen.
Im Gegensatz zu Uber sucht Moia von Beginn an den Dialog mir den Kommunen und Regulierungsbehörden, um mögliche Hindernisse aus dem Weg zu rĂ€umen. Das könnte dann auch dazu fĂŒhren, dass der Uber-Konkurrent Gett [5], an dem Volkswagen finanziell beteiligt ist, Dienste in Deutschland anbieten wird. Bislang ist das Start-up aus Israel in rund 100 StĂ€dten wie London, Moskau und Tel Aviv aktiv, nicht aber im Heimatland von Volkswagen.
Als eine Art Blaupause fĂŒr die Kooperation mit den Behörden dient dabei die âstrategische MobilitĂ€tspartnerschaftâ, die Volkswagen und die Hansestadt Hamburg vereinbart haben. Ziel sei es, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, um die MobilitĂ€t in der Stadt umweltschonender, sicherer und effizienter zu gestalten, heiĂt es in der Grundsatzvereinbarung, die im vergangenen Sommer von BĂŒrgermeister Olaf Scholz (SPD) und Volkswagen-Vorstandschef MĂŒller unterzeichnet wurde.
Beschwerlicher Weg in die MobilitÀtszukunft
Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt zeigt aber auch, wie beschwerlich der Weg in die MobilitĂ€tszukunft sein kann. Beim grĂŒnen Koalitionspartner von Scholz stieĂ die Vereinbarung auf wenig Beifall. In dem Memorandum stehe ânichts, was wirklich wirksam in Richtung LĂ€rm- und Luftschadstoff-Reduzierung gehen wĂŒrdeâ, hieĂ es aus der Behörde von Umweltsenator Jens Kerstan (GrĂŒne).
Ob es der Volkswagen-Tochter Moia gelingen wird, solche Vorbehalte von UmweltschĂŒtzern und StĂ€dteplanern auszurĂ€umen, muss sich noch zeigen. Auf der âTechCrunchâ-Konferenz in London jedenfalls wurde Moia-Chef Harms stĂ€ndig nach den Folgen des Diesel-Skandals gefragt und âob man diesen Typen, die bei den Tests betrogen haben, ĂŒberhaupt trauen kannâ. âWir werden uns das Vertrauen mit unseren Diensten verdienen mĂŒssenâ, entgegnet Harms. Dabei spiele auch die QualitĂ€t der Dienste und die Sicherheit der Fahrzeuge eine wichtig Rolle.
Mit Argusaugen wird auch das Taxi-Gewerbe die AktivitĂ€ten von Moia betrachten [6]. Doch auch hier setzt Moia eher auf Zusammenarbeit als auf Konfrontation. âDie Taxi-Unternehmen haben lĂ€ngst den VerĂ€nderungsbedarf selbst erkanntâ, sagt Harms. Sein Unternehmen gehe davon aus, dass menschliche Fahrer noch fĂŒr eine lange Zeit gebraucht werden und nicht schon in den kommenden Jahren von autonom fahrenden Vehikeln abgelöst werden. âDie Fahrer nehmen eine SchlĂŒsselposition bei der QualitĂ€t der Dienste ein.â (fpi [7])
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[4] https://www.heise.de/news/Uber-Zusammenlegung-von-Fahrten-geplant-3228585.html
[5] https://www.heise.de/news/Toyota-und-VW-investieren-in-Fahrdienste-3217701.html
[6] https://www.heise.de/news/Grantige-Taxler-2269038.html
[7] mailto:fpi@heise.de
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