Mobilfunker freuen sich auf zweite digitale Dividende
Auf der Wellenkonferenz der ITU in Genf hat die Mobilfunkbranche den Zuschlag fĂŒr Frequenzen im 700-Megahertz-Band erhalten und freut sich schon auf die zweite digitale Dividende.
Die Mobilfunkbranche hat auf der Wellenkonferenz (World Radiocommunications Conference [1]) der Internationalen Fernmeldeunion (ITU [2]) ihren Anspruch [3] auf weitere Frequenzen durchgesetzt. Neben dem 800-Megahertz-Band sollen Mobilfunkdienste kĂŒnftig auch im Bereich von 694 bis 790 Megahertz (MHz) funken. Vertreter verschiedener Mobilfunkanbieter begrĂŒĂten das Ergebnis der am Freitag in Genf zu Ende gegangenen Konferenz ausdrĂŒcklich, wĂ€hrend die betroffenen Rundfunksender vor finanziellen Belastungen warnen.
"Ohne Frequenzen kann die Mobilfunkindustrie nicht weiter Fahrt aufnehmen, mobile InternetzugĂ€nge der nĂ€chsten Generation sind auf zusĂ€tzliche Frequenzen angewiesen", erklĂ€rte Telefonica-CTO Enrique Blanco laut einer Stellungnahme [4] des Branchenverbands GSMA. Bei dem Verband ist man "extrem erfreut" darĂŒber, dass viele LĂ€nder den dringenden Bedarf anerkannt hĂ€tten, lĂ€sst sich Generaldirektorin Anne Bouverot zitieren.
In den kommenden drei Jahren muss in den ITU-Mitgliedsstaaten nun an der konkreten Umsetzung des Beschlusses gearbeitet werden. Dabei gilt es, mögliche Interferenzprobleme abzuklĂ€ren â insbesondere mit dem Rundfunk, der Teile des begehrten Spektrum um UHF-Bereich erstmals 2007 hatte abtreten mĂŒssen [5]. Im Rahmen der sogenannten ersten digitalen Dividende hatten die Sender Bereiche im 800-MHz-Band rĂ€umen mĂŒssen.
"Ăberraschend" nannte das Institut fĂŒr Rundfunktechnik (IRT) in MĂŒnchen die Einigung, die die Delegierten Mitte der Woche in einer der letzten Nachtsitzungen gefĂ€llt hatten. Denn der Dachverband der europĂ€ischen Rundfunkverwalter, die CEPT, hatte sich vorab darauf verstĂ€ndigt, die zweite digitale Dividende noch nicht so schnell auszuschĂŒtten. Die Rundfunkvertreter fĂŒhlten sich bei den Verhandlungen am Ende ganz offenbar allein gelassen.
Ohne den Zuweisungsbeschluss heute hĂ€tten die Mobilfunker allerdings noch fast bis zum Ende des Jahrzehnts auf zusĂ€tzliche UHF-Frequenzen warten mĂŒssen. Wie ein Sprecher der ITU gegenĂŒber heise online bestĂ€tigte, haben insbesondere die afrikanischen und arabischen Staaten darauf gedrĂ€ngt, das 700-MHz-Band fĂŒr den Mobilfunk zu öffnen.
Das IRT in MĂŒnchen unterstrich in einer ersten Reaktion, "dass eine unreflektierte Ăbernahme" der "fĂŒr Afrika möglicherweise durchaus geeigneten" Mobilfunkzuweisung "in Europa zu erheblichen Verwerfungen beim digitalen terrestrischen Fernsehrundfunk und dem Einsatz drahtloser Mikrofone [6] fĂŒhren wĂŒrde, ganz abgesehen von den damit einhergehenden Kosten [7] fĂŒr die Fernsehzuschauer und die Nutzer drahtloser Mikrofone". Damit steht der zweiten digitalen Dividende die gleiche Debatte [8] bevor, die die Umwidmung der Frequenzen im 800-MHz-Band begleitet hat. (vbr [9])
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[1] http://www.itu.int/net/pressoffice/press_releases/2012/10.aspx
[2] http://www.itu.int
[3] https://www.heise.de/news/WRC-Konferenz-streitet-ueber-Funkfrequenzen-1424085.html
[4] http://www.gsma.com/articles/gsma-commends-governments-attending-wrc-12-in-recognising-the-need-to-allocate-future-spectrum-for-imt-mobile-broadband/22247
[5] https://www.heise.de/news/Der-Mobilfunk-bekommt-sein-Kuchenstueck-im-UHF-Band-197393.html
[6] https://www.heise.de/news/Neue-Frequenzen-fuer-Funkmikrofone-954165.html
[7] https://www.heise.de/news/Bund-und-Laender-streiten-um-Kosten-der-Frequenzumwidmung-1156132.html
[8] https://www.heise.de/news/Disput-um-die-Digitale-Dividende-219121.html
[9] mailto:vbr@heise.de
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