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Mitfahrbericht: Ford Mustang Mach-E

mit Material von pressinform, dpa
Ford Mustang Mach-E

Ford macht aus einer Modellbezeichnung für einen Sportwagen für Petrolheads eine Elektroauto-Marke. Das ist mutig. Man kann es entweder ein Zeichen für gesteigerte Verzweiflung sehen oder aber für die vollkommene Überzeugung, auf der richtigen Spur abzubiegen

Ford macht aus einer Modellbezeichnung für einen Sportwagen für Petrolheads eine Elektroauto-Marke. Das ist mutig. Man kann es entweder ein Zeichen für gesteigerte Verzweiflung am Scheideweg von Verbrennungs- und Elektroantrieb sehen oder aber für die vollkommene Überzeugung, auf der richtigen Spur abzubiegen. Unser Autor konnte in einem Vorserienmodell mitfahren.

Das neue Mustang-Modell wird nicht nur batterieelektrisch angetrieben – es ist auch kein flacher Sportwagen [1] mehr, sondern ein hoch aufragender Viertürer. Das 4,71 Meter lange, 1,88 m breite und 1,60 m hohe Elektro-SUV ist als solches ein Resultat des Zeitgeistes, die Begeisterung beim Publikum für große Autos ist seit mittlerweile 20 Jahren verlässlich angewachsen. Seine Abmessungen liegen dicht bei denen des kommenden Tesla Model Y [2], bereits erhältliche Wettbewerbsmodelle heißen Audi E-Tron (Test) [3], Jaguar i-Pace (Test) [4] und Mercedes EQC (Test) [5]. Ford will den Mach-E erst rund in einem Jahr gegen Ende 2020 ab 46.900 Euro verkaufen.

Mitfahrbericht: Ford Mustang Mach-E (0 Bilder) [6]

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Das hochkant eingebaute Multifunktions-Tablet in Armaturenbrettmitte mit einer Bildschirmdiagonale von 15,5 Zoll könnte auch aus einem Tesla-Modell stammen. Erfreulicherweise haben die Entwickler nicht den Fehler wie beim Tesla Model 3 (Test) [8] gemacht, auf diesen Touchscreen als alleinige Bedieneinheit [9] zu setzen. Die Informationsflut auf dem mächtigen Zentraldisplay ist groß. Gut, dass der Fahrer Hinter dem Lenkrad noch das kleine Display mit immerhin 10,2 Zoll Größe hat, das Design und Informationsgehalt je nach Fahrprogramm anpasst.

Das Platzangebot im Innern ist gut, trotz für ein Elektromodell recht langen Haube. Vorne wie hinten können Personen bis 1,90 Meter und ein paar Zentimeter mehr unter dem optionalen Panoramadach gut sitzen. Die Beinfreiheit passt. Das Ladevolumen verteilt sich auf ein ausspritzbares Fach vorn unter der Haube mit 100 Litern, der hintere Kofferraum fasst 402 Liter. Wer die Rücksitze umlegt, bekommt 1420 Liter Volumen und eine ebene Ladefläche.

Das Basismodell des Ford Mustang Mach-E wird von einem Elektromotor an der Hinterachse angetrieben, der normalerweise 190 kW und 410 Nm Drehmoment und dem „Extended Range“-Akku 210 kW liefert. Mit einem zusätzlichen 50-kW-Motor an der Vorderachse steigt die Leistung auf 248 kW und das höchste Drehmoment auf 581 Nm. Maximaltempo beider Modelle: 185 km/h.

Für Frühjahr 2021 ist eine Höchstleistungsvariante Mustang Mach-E Performance GT mit Allradantrieb, 342 kW und 830 Nm angekündigt. Die Höchstgeschwindigkeit bleibt im Sinne der Reichweite begrenzt – auf immerhin 200 km/h. Aus dem Stand auf 100 km/h verspricht Ford „weniger als acht“, für die Allrad-Variante „unter sechs“ und für die Performance-Variante „unter vier Sekunden“ Beschleunigungszeit.

Bei der normalen Variante sind zwischen den Achsen 288 Akkuzellen mit 75 kWh verbaut, die im WLTP eine Reichweite von 450 Kilometern bringen sollen. Ein größeres Akkupaket mit 376 Zellen und 99 kWh soll einen Radius von 600 Kilometern ermöglichen. Die maximale Ladeleistung des Mach-E liegt bei 150 kW. Mit dem kleinen Akkupaket soll das Basismodell in 40 Minuten zu 80 Prozent geladen sein, die Modelle mit höherer Kapazität brauchen dazu länger. An 150 kW sollen so für jedes Mach-E-Modell maximal 93 Kilometer in zehn Minuten drin sein. Alternativ kann an der Steckdose geladen werden. Ford verweist zudem auf sein Ladenetzwerk FordPass Charging mit über 125.000 Ladestationen in 21 europäischen Ländern, das mit dem Verkauf des Mach-E zur Verfügung stehen soll.

Das Einsteigen ist ungewohnt, denn Ford hat klassische Türgriffe einfach weggelassen, die Türen öffnen auf Anforderung übers Smartphone. Auch den Zündschlüssel soll der Taschencomputer ersetzen. Die Probefahrt im beklebten Vorserienwagen ist typisch E-Auto: imposant aus dem Stand. Man wird wie erwartet nachdrücklich in den Sitz gepresst. Die Fahrdynamik-Demonstration durch diverse Pylonen-Schikanen soll zeigen, wie leicht sich die mehr als 2,2 Tonnen Leergewicht dank des niedrigen Schwerpunkts anfühlen. Um das hohe Gewicht zu kaschieren, sollen die adaptiven Dämpfer mit elektromagnetisch schaltbarer Viskosität („Magnetic-Ride“) im Topmodell Mach-E GT Performance einzeln angesteuert werden.

Die drei Fahrprogramme für komfortable Fahrt, engagiertes Cruisen oder die wilde Hatz wirken dabei nicht auf die Dämpfer, sondern nur auf Gasannahme, Lenkung und Motorklang. Entsprechend passt sich auch der Motorklang an, in den den beiden dynamischen Modi fühlt man sich wie in einem Düsenjet, sobald der künstliche Klang über die Sound-Anlage eingespielt wird.

Einen Elektro-Boom erwartet Ford nicht. „Wir rechnen in Europa bis zum Jahre 2025 mit einem Elektroanteil von 14 Prozent“, sagt Ted Cannis, bei Ford für die Elektroantriebe verantwortlich, „in den USA werden es rund acht Prozent sein.“ Immerhin will die Ford Motor Company innerhalb der nächsten drei Jahre elf Milliarden Dollar in die Elektrifizierung stecken. Der Mustang Mach-E werde ab dem ersten Fahrzeug Geld verdienen, sagte Ford-Chef Jim Hackett dem Fernsehsender Bloomberg TV am Montag (18. Nov. 2019). Der künftige Konkurrente Tesla hingegen hat das Ziel einer rentablen Produktion seit seinem Bestehen noch nicht erreicht.

Vertrieben wird der Ford Mustang Mach-E europaweit bei 350 Händlern, nur in kleinen Ländern wie der Schweiz oder Norwegen sollen alle Ford-Händler beliefert werden. Der Basispreis des Mustang Mach-E liegt bei 46.900 Euro. Eine „First Edition“ mit 248 kW wird mit Allradantrieb, 99 kWh-Batterie, 19-Zoll-Radsatz, Panoramadach in „Atoll-Blau Metallic“ angeboten. (fpi [10])


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[1] https://www.heise.de/news/Fahrbericht-Ford-Mustang-5-0-V8-Cabriolet-3995363.html
[2] https://www.heise.de/news/Vorstellung-Tesla-Model-Y-4336975.html
[3] https://www.heise.de/tests/Test-Audi-e-tron-55-quattro-4470448.html
[4] https://www.heise.de/news/Fahrbericht-Jaguar-I-Pace-4115434.html
[5] https://www.heise.de/news/Fahrbericht-Mercedes-EQC-400-4421926.html
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/4747366.html?back=4588610;back=4588610
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/4747366.html?back=4588610;back=4588610
[8] https://www.heise.de/tests/Test-Tesla-Model-3-4400919.html
[9] https://www.heise.de/meinung/Klartext-Contra-Beruehrungsbedienung-4585339.html
[10] mailto:fpi@heise.de