MilitÀrroboter-Leistungsschau Elrob: Roboter auf der Suche nach der Strahlung
Ein Roboter fĂŒr die gar nicht so einfache Suche
(Bild: Hans-Arthur Marsiske)
Am zweiten Tag der Leistungsschau Elrob sind die AufklÀrungsroboter dran. Sie sollen ein GebÀude erkunden und wenn möglich noch ein ganz spezielles Zielobjekt ausfindig machen. Als besonders hilfreich erwies sich dabei ein eher traditionelles Vorgehen.
Am zweiten Wettbewerbstag stand bei der Roboterleistungsschau Elrob 2016 [1] in Eggendorf, Ăsterreich, AufklĂ€rung auf dem Programm. Bei diesem Szenario [2] geht es darum, mit Robotern das Innere eines GebĂ€udes zu erkunden. Besondere Herausforderung dabei: Spezialisten des österreichischen Bundesheers hatten dort radioaktives Kobalt-60 versteckt.
Schwierig zu finden
Eine radioaktive Strahlenquelle zu lokalisieren ist nicht einfach, da sich nur die IntensitĂ€t der Gammastrahlung bestimmen lĂ€sst, nicht aber die Richtung. "Man bewegt daher den Sensor, bis der Punkt höchster IntensitĂ€t erreicht ist", erklĂ€rt Andreas Ciossek vom Team Cobham [3]. "Dann fĂ€hrt man senkrecht zu der vorigen Bewegungsachse, bis wieder Maximalwerte angezeigt werden, und kreist die Quelle der Strahlung auf diese Weise ein." Daneben galt es "Objects of Potential Interest" (OPI) zu finden â das sind bei der Elrob traditionell orangefarbene ERICards, mit denen Gefahrguttransporte gekennzeichnet werden.
Da nicht alle Teams ihre Roboter mit Strahlendetektoren ausgestattet hatten, traten zunĂ€chst diejenigen an, die nach der Strahlenquelle suchen wollten. Den Anfang machte Ciossek, der seinen Roboter Telemax dafĂŒr nicht nur mit einem Gammadetektor bestĂŒckt hatte, sondern zusĂ€tzlich zwei Relaisstationen an Bord genommen hatte. Die legte er mit dem Roboterarm an geeigneter Stelle im GebĂ€ude ab, um den Funkkontakt zum Roboter aufrechterhalten zu können. Den Teams war ein Grundriss des GebĂ€udes zur VerfĂŒgung gestellt worden, allerdings war der aktuelle Zustand nicht bekannt. Teilweise blockierten Schutt oder andere GegenstĂ€nde den Weg.
Verschiedene Fehlerquellen
Ciossek gelang es, zwei OPI zu lokalisieren sowie Bereiche erhöhter Strahlung zu identifizieren. Allerdings gelang es aufgrund eines Netzwerkfehlers nicht, innerhalb der vorgegebenen Zeit von 30 Minuten die Daten an den Computer der Schiedsrichter zu ĂŒbertragen. Der Lauf wurde daher nicht gewertet, am Nachmittag soll es eine Wiederholung geben.
Colin Weiss vom Team ELP [4] konnte ebenfalls nicht ganz zufrieden sein. Zwar konnte er den Roboter Packbot sicher durchs GebÀude steuern und mehrere OPIs auf dem Bildschirm erkennen. Jedoch funktionierte die automatische Erstellung der Umgebungskarte mithilfe von Laserscannern nicht, sodass Weiss auch einen zweiten Lauf beantragte.
AufklÀrungsroboter bei der Elrob 2016 (0 Bilder) [5]
Das Team bebot [7] von der Fachhochschule Bern hatte andere Probleme. Der Operator steuerte einen Packbot durchs GebĂ€ude, der zehn Relaisstationen an Bord hatte. Dennoch ging vorĂŒbergehend der Kontakt verloren. SpĂ€ter kippte der Roboter um und lieĂ sich durch Bewegung des Arms nicht wieder aufrichten. Beim Sturz waren auch die noch ĂŒbrigen Relaisstation herausgefallen. Jurymitglied Michael Gustmann vom Kerntechnischen Hilfsdienst zeigte sich gleichwohl beeindruckt, dass die Strahlenquelle auf der Umgebungskarte ziemlich genau lokalisiert werden konnte.
AltbewÀhrtes funktioniert
Einen interessanten Ansatz verfolgte das niederlĂ€ndische Team TNO [8]. Mit dem tEODor kam hier nicht nur der gröĂte Roboter zum Einsatz, auch die Kontrollstation konnte sich sehen lassen. Mithilfe eines Head-Mounted-Display und Kopfhörern versetzte sich der Roboter quasi in dieses Technikmonstrum, wo die Stereokamera seine Kopfbewegungen nachvollzog. Die Zeitverzögerung von etwa 0,2 Sekunden, mit denen die ĂŒbertragenen Bilder auf die Bewegungen folgen, könne durchaus Ăbelkeit erzeugen, sagten Teammitglieder.
Der Operator kam jedoch offensichtlich gut damit zurecht und konnte den klobigen Roboter sicher selbst durch enge DurchgĂ€nge steuern. Die Signale der Strahlungsdetektoren nahm er dabei akustisch wahr. FĂŒr die Ăbertragung der Daten war dann ein zweiter Operator zustĂ€ndig, der damit bei den Schiedsrichtern fĂŒr ĂŒberraschtes GelĂ€chter sorgte: Die "Daten" bestanden in der Digitalaufnahme einer von Hand gezeichneten Karte. Angesichts des schweren technischen GerĂ€ts, das hier aufgefahren wurde, eine irritierende Lösung. Aber sie funktioniert. Und nur darum geht es.
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Fahrzeuge bei der Elrob 2016 (0 Bilder) [10]
(mho [12])
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[2] http://www.elrob.org/files/elrob2016/Reconnaissance_Structure.pdf
[3] http://www.cobham.com/
[4] http://www.elp-gmbh.de/startseite.html
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/1836179.html?back=3243633;back=3243633
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/1836179.html?back=3243633;back=3243633
[7] http://www.roboticslab.ti.bfh.ch/
[8] https://www.tno.nl/nl/
[9] https://www.heise.de/news/Autonome-Fahrzeuge-im-Konvoi-Elrob-die-Leistungsschau-der-Militaerroboter-3242439.html
[10] https://www.heise.de/bilderstrecke/1835515.html?back=3243633;back=3243633
[11] https://www.heise.de/bilderstrecke/1835515.html?back=3243633;back=3243633
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