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Microsoft sieht eigene Existenz bedroht

Wolfgang Stieler

Microsoft-Chef Steve Ballmer sieht durch die Forderungen der KlÀger im Kartellrechtsprozess die Existenz seines Unternehmens bedroht.

Microsoft-Chef Steve Ballmer sieht durch die Forderungen der KlÀger im Kartellrechtsprozess die Existenz seines Unternehmens bedroht. Der Software-Konzern sei nicht in der Lage, wie von den neun weiter klagenden US-Bundesstaaten gefordert, verschiedene Windows-Versionen ohne integrierte Microsoft-Middleware zu produzieren. Das geht aus Zeugenaussagen von Ballmer und James Allchin hervor, die Microsoft gestern -- um vertrauliche Passagen bereinigt -- als Video-Aufzeichnung und Transkript auf seiner Website veröffentlicht [1] hat.

In der unter Eid aufgenommenen Zeugenbefragung von Ballmer, die der Anwalt der KlĂ€gerseite Steven Kuney Anfang Februar durchgefĂŒhrt hatte, wird der Microsoft-Chef ausfĂŒhrlich zu den nach seiner Auffassung möglichen Konsequenzen der von der KlĂ€gerseite geforderten Sanktionen befragt. Bereits gestern hatten US-Medien berichtet [2], der weltgrĂ¶ĂŸte Softwarekonzern wĂ€re im Fall eines Sieges der KlĂ€ger gezwungen, das Unternehmen zu schließen oder zumindest sein Flaggschiff, das Betriebssystem Windows, vom Markt zu nehmen. Das Transkript macht deutlich, dass Ballmer hinter den schĂ€rferen Sanktionen, die die weiter klagenden US-Bundesstaaten verlangen, offensichtlich den langen Arm der Konkurrenz vermutet. Einen signifikanten Bedarf fĂŒr "entbĂŒndelte" Windows-Versionen, die beispielsweise ohne Browser oder Multimedia-Player ausgeliefert wĂŒrden, kann der Microsoft-Chef bei Computer-Herstellern und OEMs nicht erkennen. Aber "jeder Schurke", so Ballmer, könne diese Auflagen benutzen, "um Microsoft zu foltern".

Einer der Haupt-Streitpunkte zwischen den klagenden US-Bundesstaaten und dem Softwarekonzern ist die enge VerknĂŒpfung der Betriebssysteme und verschiedener Programme, mit denen Microsoft mit anderen Anbietern konkurriert. Microsoft hatte immer wieder argumentiert, dass eine Entkoppelung des Betriebssystems von den Programmen wie dem Internet Explorer rein technisch gar nicht möglich sei. Die KlĂ€ger haben unterdessen ihre Forderung modifiziert: Nach US-Medienberichten verlangen sie nun eine modulare Version von Windows XP, aus der sich die umstrittene Middleware bei Bedarf auskoppeln lĂ€sst.

Mit den jetzt veröffentlichten Zeugenaussagen geht Microsoft kurz vor der neuen Reihe von Anhörungsterminen, die am 6. MĂ€rz beginnen sollen, noch einmal in die Offensive. Am 6. MĂ€rz startet die Anhörung zur außergerichtlichen Einigung -- ab 11. MĂ€rz wird parallel dazu die Klage der neun US-Bundesstaaten weiter verhandelt, die eine außergerichtliche Einigung mit Microsoft ablehnen. (wst [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-58686

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.microsoft.com/presspass/legalnews.asp
[2] https://www.heise.de/news/Microsoft-droht-mit-Einstellung-von-Windows-XP-58540.html
[3] mailto:wst@technology-review.de