Microsoft macht ZugestÀndnisse im Kartellprozess
In einem Vergleichsabkommen mit dem US-Justizministerium wurden technische Definitionen neu gefasst und Schlupflöcher geschlossen, die Kritiker bemÀngelt hatten.
Microsoft will mit neuen ZugestĂ€ndnissen ein Ende des jahrelangen Kartellverfahrens [1] erreichen. Das geht aus Unterlagen hervor, die Microsoft zusammen mit dem US-Justizministerium [2] am Mittwoch (Ortszeit) kurz vor dem Ablauf der festgesetzten Frist bei Gericht [3] vorlegten. Richterin Colleen Kollar-Kotelly [4] will in den nĂ€chsten Tagen ĂŒber die auĂergerichtliche Vereinbarung entscheiden, die Microsoft mit dem Justizministerium getroffen hat. Mehrere US-Bundesstaaten [5] lehnen den Vergleich ab und verlangen hĂ€rtere Strafen fĂŒr das Unternehmen.
In dem Vergleichsabkommen wurden technische Definitionen neu gefasst und Schlupflöcher geschlossen, die Kritiker bemĂ€ngelt hatten. Rund 30.000 Kommentare [6] verzeichnet das US-Justizministerium. Es geht unter anderem um die Definition von APIs (Application Programming Interfaces), zusĂ€tzliche Beschreibungen, um den Begriff "interoperate" einzugrenzen und um Produkte von Microsoft und anderen Anbietern, die auf dem Windows Desktop erscheinen. Die Zustimmung zu den Ănderungen zeige, dass Microsoft nie die Absicht hatte, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen, teilte das Unternehmen mit. Wenn sich die bislang kritischen Bundesstaaten der modifizierten Vereinbarung anschlieĂen und Kollar-Kotelly ihren Segen gibt, kĂ€me das Kartellverfahren gegen Microsoft nach fast vier Jahren zu einem unspektakulĂ€ren Abschluss.
Das Unternehmen war wegen WettbewerbsverstöĂen vor zwei Jahren schuldig gesprochen worden [7]. Ein Berufungsgericht hob das Zerschlagungsurteil im vergangenen Sommer [8] auf. Den Prozess hatte das Ministerium zusammen mit 18 Bundesstaaten angestrengt. Nach dem Regierungswechsel [9] in Washington begannen die Verhandlungen ĂŒber den Vergleich, ein Prozess, der normalerweise vor der UrteilsverkĂŒndung stattfindet.
Bei der Vereinbarung im November einigten sich Microsoft und das Ministerium darauf, dass Microsoft Computerherstellern mehr Freiheit bei der Gestaltung der BenutzeroberflĂ€che einrĂ€umen muss. FĂŒr LizenzvertrĂ€ge wurden enge Rahmenbedingungen festgelegt. Neun Bundesstaaten bezeichneten die Regelungen als völlig unzureichend, verweigerten die Unterschrift und und forderten das Gericht auf, selbst hĂ€rtere Strafen zu verhĂ€ngen. (anw [10])
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[1] https://www.heise.de/news/Microsoft-beantragt-Beendigung-des-Anti-Trust-Prozesses-57736.html
[2] http://www.usdoj.gov/
[3] http://www.dcd.uscourts.gov/microsoft-2001.html
[4] http://www.dcd.uscourts.gov/kotelly-bio.html
[5] https://www.heise.de/news/Microsoft-Prozess-neun-Bundesstaaten-lehnen-Einigung-ab-51460.html
[6] http://www.usdoj.gov/opa/pr/2002/February/02_at_106.htm
[7] https://www.heise.de/news/Microsoft-fuer-schuldig-befunden-24470.html
[8] https://www.heise.de/news/Zerschlagungsurteil-gegen-Microsoft-aufgehoben-44003.html
[9] https://www.heise.de/news/Bush-Regierung-Mildere-Kartellwaechter-weniger-Privacy-Regelungen-37874.html
[10] mailto:anw@heise.de
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