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Microprocessor Forum: Intel geizt mit Details zur nÀchsten Mobil-CPU

Erich Bonnert

Auf dem Microprocessor Forum gab Intel zwar einige technische Feinheiten des kommenden Mobilprozessors Banias bekannt, hielt aber noch mit vielen Details hinter dem Berg.

Intels kommender "Banias"-Mobilprozessor wird mit einem L2-Cache von einem Megabyte GrĂ¶ĂŸe ausgestattet sein. Weitere wesentliche technische Detailinformationen wollte Mooly Eden, Chef von Intels israelischem [1] Entwicklungszentrum, wo der Banias erdacht wurde, auch auf dem Microprocessor Forum nicht verraten.

Mit 1 MByte L2-Cache steht Banias die doppelte PufferkapazitĂ€t aktueller Pentium-4- und Pentium-III-Mobilprozessoren zur VerfĂŒgung, was die Rechenleistung deutlich steigern kann. Um bei einer solchen Cache-GrĂ¶ĂŸe die Leistungsaufnahme in Grenzen zu halten, mussten vor allem die Leckströme minimiert werden. Dazu lassen sich gerade unbenutzte Teile des schnellen Speichers, der in acht Assoziativ-Wege mit je vier Quadranten unterteilt ist, abschalten. Nur die jeweils benötigten Quadranten -- jeweils 1/32 des Caches -- sind aktiv -- das hatte Intel bereits auf dem IDF erlĂ€utert [2], ebenso wie die optimierte Sprungvorhersagelogik (Branch Prediction) und die ĂŒberarbeitete FSB400-Schnittstelle. Auch die spezielle MicroOp-Fusion-Technik, die SSE2-Befehlssatzerweiterung sowie die Steuerung der CPU-Leistungsaufnahme ĂŒber Taktfrequenz und Versorgungsspannung (Intel Mobile Voltage Positioning IV, IMVP IV) Ă€hnlich wie bei SpeedStep sowie die dynamische Abschaltung unbenutzter Prozessorteile war schon bekannt.

Zur GrĂ¶ĂŸe des L1-Cache sowie zu weiteren architektonischen Einzelheiten wollte Eden immer noch keine Angaben machen. Typischerweise wurden bisher bei ChipprĂ€sentationen auf dem Microprocessor Forum etwa der Aufbau der Befehlspipeline und Blockschaltbilder erlĂ€utert.

Ziel des Banias ist ein mittlerer Leistungsbedarf in typischen Notebook-Anwendungen unter Windows XP von weniger als einem Watt. Intels Berechnung dieser "Average Power" ist aber schon mehrfach in die Kritik geraten [3] -- Wunder sind also vom Banias in Bezug auf die Akkulaufzeit nicht zu erwarten. Dazu trĂ€gt auch bei, dass moderne Mobilprozessoren bei typischem Notebook-Einsatz nur einen kleineren Teil der gesamten Akkuladung verpulvern -- grĂ¶ĂŸter Einzelverbraucher ist die Display-Beleuchtung, auch Grafikchip, Chipsatz, Speicher, Laufwerke, EingabegerĂ€te und die diversen LAN-, WLAN-, Audio-, Modem-, Bluetooth-, USB-, IrDA- und FireWire-Chips saugen krĂ€ftig Strom.

Außer durch Verzicht auf Komponenten und kleinere Displays lassen sich Notebook-Laufzeiten nur mit einem integrierten und hoch optimierten Gesamtkonzept fĂŒr das Energiemanagement verbessern. Dazu soll laut Intel neben dem komplexen und bisher oft mangelhaft umgesetzten ACPI (Advanced Configuration and Power Management Interface) die höhere Integrationsdichte von Funktionen in den Chipsatz beitragen.

Mooly Eden erklĂ€rte nochmals die Eigenschaften der beiden Banias-ChipsĂ€tze Odem und Montara-GM, die fĂŒr DDR-SDRAM ausgelegt sind. Odem ist zur Anbindung eines separaten Grafikprozessors per AGP-4X-Port gedacht, Montara-GM enthĂ€lt schon einen Grafikkern. Als Southbridge ist eine MobilausfĂŒhrung des ICH4 namens ICH4-M vorgesehen, der USB 2.0, Ultra-ATA/100-Festplatten, AC-97-Sound- und -Modem sowie einen 32-Bit/33-MHz-PCI-Bus anbindet und einen APIC enthĂ€lt. Ein neuer PCI-WLAN-Adapter namens Calexico ist fĂŒr Strom sparende, drahtlose LAN-Anbindung per 802.11a und b gedacht. Integrierte Bluetooth-Chips hat Intel fĂŒr zukĂŒnftige Banias-Modelle vorgesehen, erklĂ€rte Eden. Momentan sind fĂŒr die Kurzstrecken-Funkverbindung Chips von Drittanbietern nötig. Auch ĂŒber integrierte Mobilfunkanbindungen fĂŒr GPRS und UMTS-Netze denken die Intel-TĂŒftler in Israel derzeit nach, verriet Eden.

Zeitgleich mit dem Vortrag auf dem Microprocessor Forum kĂŒndigte Intel gestern die GrĂŒndung der Mobile PC Extended Battery Life Working Group an. Ziel ist es, die technischen Voraussetzungen, Nutzungsmodelle und Benchmarks zu definieren, um die Notebook-Laufzeiten auf einen kompletten Arbeitstag, also mindestens acht Stunden, zu verlĂ€ngern. Zu den weiteren Mitgliedern der Arbeitsgruppe mit dem langen Namen gehören fast alle wichtigen Notebook-Firmen: Außer Acer, Dell, Fujitsu, Matsushita (Panasonic), NEC, Samsung und Toshiba auch taiwanische Massenhersteller wie Asus, Compal, FIC, Inventec, Legend, Quanta und Wistron. Außerdem sitzt Microsoft mit im Boot; auffĂ€llig ist, dass Sony und HP nicht zu den GrĂŒndungsmitligiedern gehören. (Erich Bonnert) / (ciw [4])


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https://www.heise.de/-68019

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.intel.com/il/index.htm
[2] https://www.heise.de/news/IDF-Banias-Magical-Mystery-Tour-60943.html
[3] https://www.heise.de/news/Stromspar-CPUs-Transmeta-brueskiert-Intel-54060.html
[4] mailto:ciw@ct.de