Massachusetts: Microsoft hÀlt sich nicht an Kartellauflagen
Der US-Bundesstaat wirft Microsoft vor, der Konzern habe mit seinen Vertragsbedingungen einen ComputerhÀndler abgestraft, weil dieser Linux-PCs verkaufte.
Der US-Bundesstaat Massachusetts wirft Microsoft vor, der Konzern habe mit seinen Vertragsbedingungen einen ComputerhĂ€ndler abgestraft, weil dieser Linux-PCs verkaufte. Damit soll der Software-Riese gegen die Auflagen verstoĂen haben, die in der auĂergerichtlichen Beilegung des Anti-Trust-Verfahrens gegen Microsoft festgelegt worden sind. Das berichten US-Medien unter Berufung auf ein acht Seiten umfassendes Papier, das der Justizminister von Massachusetts, Tom Reilly [1], gestern dem zustĂ€ndigen Gericht vorgelegt hat. Microsoft wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck.
In dem Schreiben, in dem der fragliche ComputerhĂ€ndler nicht genannt wird, werden Microsoft auch weitere nicht nĂ€her spezifizierte VerstöĂe gegen die Auflagen des Anti-Trust-Verfahrens vorgeworfen. Zudem beschwert Reilly sich, die Untersuchungen von Massachusetts bezĂŒglich der Einhaltung der Auflagen wĂŒrden vom US-Justizminsiterium behindert.
Erst kĂŒrzlich [2] hatten Kartellrechtsexperten des US-Justizministeriums gemeinsam mit Microsoft einen Zwischenbericht vorgelegt, in dem Microsoft indirekt nahe gelegt wird, bei der Umsetzung der Auflagen im Rahmen der Beilegung des Anti-Trust-Prozesses noch nachzubessern. Im Zentrum der Kritik der KartellwĂ€chter steht Microsofts Programm zur Lizenzierung von Netzwerkprotokollen (MCPP). Die von Microsoft ausgeĂŒbte Praxis der Lizenzierung sei möglicherweise nicht dazu geeignet, den Wettbewerb wiederherzustellen, hieĂ es.
Der mittlerweile im fĂŒnften Jahr verhandelte Kartellprozess gegen Microsoft war im November 2001 mit einer auĂergerichtlichen Einigung zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium zunĂ€chst beigelegt worden. Richterin Colleen Kollar-Kotelly vom Bundesbezirksgericht Columbia hatte diese Einigung dann im vergangenen November abgesegnet [3], ohne Forderungen nach schĂ€rferen Auflagen der neun US-Bundesstaaten zu berĂŒcksichtigen, die weiter gegen Microsoft klagten. Massachusetts und West-Virginia hatten daraufhin vor dem Berufungsgericht des US-Bundesjustizbezirks von Columbia ein Berufungsverfahren beantragt. West-Virginia hatte dann Mitte Juni ĂŒberraschend erklĂ€rt [4], sich nicht weiter an der Berufung gegen das Urteil im Anti-Trust-Prozess gegen Microsoft beteiligen zu wollen. Der Bundesstaat hatte mit Microsoft eine auĂergerichtliche Einigung erzielt, die auch private Sammelklagen gegen ĂŒberhöhte Preise fĂŒr Microsoft-Produkte einschlieĂen soll. Massachusetts fĂŒhrt die Klage weiter; sie soll am 4. November vor dem zustĂ€ndigen Berufungsgericht verhandelt werden. (wst [5])
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[1] http://www.ago.state.ma.us/index.asp
[2] https://www.heise.de/news/Warnschuss-fuer-Microsoft-81599.html
[3] https://www.heise.de/news/Hintergrund-Das-Microsoft-Urteil-und-die-Konsequenzen-69789.html
[4] https://www.heise.de/news/West-Virginia-steigt-aus-Microsoft-Prozess-aus-80651.html
[5] mailto:wst@technology-review.de
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