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Mars-GefÀhrt Spirit bahnt sich seinen Weg

Bernhard Muenkel

Der US-Marslande-Roboter hat seine Landplattform verlassen und bewegt sich auf Krater Gusev zu; derweil hat die ESA die Hoffnung fĂŒr Kontakt zu Beagle 2 noch nicht ganz aufgegeben.

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Die Landeplattform im RĂŒcken des Mars Exploration Rover "Spirit" (Quelle: NASA/JPL)

Der Mars Exploration Rover Spirit hat seine Landeplattform verlassen, auf der er die vergangenen Tage ausharren musste [1]. Nachdem der Rover in drei Schritten auf der Plattform eine Drehung um 120 Grad vollzogen hat, befindet er sich derzeit etwa einen Meter entfernt in nord-westlicher Richtung. Der erste Ausflug auf dem roten Planeten wird den Roboter zu einem Krater in circa 250 Metern Entfernung vom LandegerĂ€t fĂŒhren. Dort soll er herumliegende Steine untersuchen, die aus tieferen Schichten an die OberflĂ€che geschleudert wurden.

Der Zustand des Erkundungsfahrzeugs sei "verflixt gut", wie Arthur Amador vom NASA [2] Jet Propulsion Laboratory in Pasadena bekundet. Die Kommunikationsverbindung stehe, sodass gestern 170 Megabit Daten, davon mehrere Bilder, empfangen werden konnten. Im nĂ€chsten Schritt wird Spirit seine Hauptantenne genau auf die Erde ausrichten. Dann können in den kommenden 24 Stunden weitere 270 Megabit wissenschaftlicher Daten gesammelt und zur Erde ĂŒbermittelt werden.

Am Freitag könnte es sogar zu einem Akt internationaler VerstĂ€ndigung auf dem Mars kommen. Dann wird die europĂ€ische Raumsonde Mars Express in nur 300 Kilometer Höhe ĂŒber den Mars Exploration Rover hinweg fliegen. Es ist geplant, dass Mars Express und Spirit ihre Kameras aufeinander richten.

Die letzte Runde hingegen lĂ€uft fĂŒr einen Kontaktversuch mit dem europĂ€ischen Mars-Landeroboter Beagle 2. EuropĂ€ische Wissenschaftler starten heute noch einmal BemĂŒhungen, Beagle 2 zum Senden zu bewegen. Am 22. Januar kommt der entscheidende Moment -- dann ĂŒberfliegt die Muttersonde "Mars Express" erneut das GelĂ€nde, wo das verschollene LandegerĂ€t vermutet wird. Wenn dann keine Signale empfangen wĂŒrden, mĂŒsse Beagle 2 fĂŒr "hirntot" erklĂ€rt werden, heißt es vom Sprecher der EuropĂ€ischen Raumfahrtagentur ESA [3] in Paris.

In diesem Fall mĂŒssen sich europĂ€ische Wissenschaftler wohl mit Bodenaufnahmen der Spirit begnĂŒgen. Dabei könnte ihnen die Software Maestro [4] (verfĂŒgbar fĂŒr Windows, Mac OS, Linux und Solaris) zu einem schöneren Erlebnis verhelfen. Das wissenschaftliche Visualisierungstool wurde am NASA Jet Propulsion Laboratory entwickelt und dient einer möglichst realitĂ€tsnahen Darstellung der MarsoberflĂ€che. Eine kostenlose Kopie der Software ist wĂ€hrend der gesamten Marsmission im Web zu bekommen [5]. "Die Software ist identisch mit jener, die von den Wissenschaftlern benutzt wird," bestĂ€tigt ein technischer Mitarbeiter vom NASA JPL. "Sie erzeugt ein 3D-Modell, in dem man sich vollkommen frei bewegen kann." Damit seien fantastische Einblicke in eine neue Welt möglich. Nach und nach sollen immer neue Marsdaten auf der Webseite abzurufen sein. (bemu)


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-91735

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Spirit-muss-warten-91301.html
[2] http://www.nasa.gov/home/index.html
[3] http://www.esa.int/
[4] http://mars.telascience.org/home/
[5] http://mars.telascience.org/home/downloads.html