Mainboardhersteller steht fĂŒr Elko-Ausfall gerade (Update)
Auf Druck einer Sammelklage in den USA will der taiwanische Mainboard-Hersteller Abit eine Reihe Àlterer Produkte noch bis ins Jahr 2006 hinein kostenlos reparieren.
Die US-Niederlassung [1] der taiwanischen Firma Abit bietet US-amerikanischen Privatkunden mit defekten Mainboards bestimmter Baureihen an, diese bis zum Februar 2006 kostenlos zu reparieren. Damit reagiert Abit USA auf die Sammelklage [2] ("Class Action Suit") eines Anwalts, die dieser im Namen seines Mandanten Eric Schonning fĂŒhrt. Auch die Support-Webseite [3] von Abit USA verweist (unter dem Punkt "Miscellaneous") auf die Webseite, die die komplizierten ModalitĂ€ten fĂŒr das Angebot der gĂŒtlichen Einigung erlĂ€utert -- dazu muss man sich nĂ€mlich zunĂ€chst als Mitstreiter der Sammelklage beim zustĂ€ndigen Gericht registrieren.
Hintergrund der gehĂ€uften AusfĂ€lle von Mainboards bestimmter Baureihen, vorrangig aus den Jahren 1999 bis 2001, sind angeblich fehlerhafte Aluminium-Elektrolytkondensatoren (Elkos), die im Schaltkreis des Spannungswandlers fĂŒr die Prozessoren sitzen. Betroffen sind Boards mit Sockel A (fĂŒr den AMD Athlon/Duron/Athlon XP) und Sockel 370 (fĂŒr Pentium III und Celeron) mit ChipsĂ€tzen unterschiedlicher Hersteller. Berichte ĂŒber Elkos einiger taiwanischer Hersteller, die angeblich mit einem Elektrolyt befĂŒllt wurden, dessen von einem japanischen Konkurrenten gestohlene Rezeptur nicht richtig befolgt wurde, tauchten bereits im Herbst 2002 [4] auf. SpĂ€ter [5] wurden konkrete [6] Elko-Hersteller genannt, die QualitĂ€tsmĂ€ngel allerdings vehement bestritten haben.
AuĂer Produkten von Abit sind auch mehrere PC-Mainboard-Baureihen anderer taiwanischer Hersteller und auch solche mit Elkos anderer Produzenten von gehĂ€uften AusfĂ€llen betroffen. Darunter sind auch Elkos aus japanischer Fertigung, was gegen die Theorie des fehlerhaften Elektrolyten als Ausfallursache spricht. Die US-Webseite Badcaps.net [7] nennt eine Reihe betroffener Mainboards, auch Forenteilnehmer von heise online haben eine eine Liste zusammengetragen [8]. Der c't liegen auch Berichte ĂŒber AusfĂ€lle von Mainboards fĂŒr Industrie-PCs und fĂŒr Intels Pentium-4-Prozessoren (PDF [9]) vor -- und auch ĂŒber Elko-AusfĂ€llen in vielen anderen GerĂ€ten (wie Kaffeemaschinen [10]), denn es handelt sich dabei um ein altbekanntes [11] Elektronik-Problem.
Die eigentliche Ausfallursache von Elkos des CPU-Spannungswandlers lĂ€sst sich im Einzelfall nur schwer feststellen. Nicht immer liegt die Schuld beim Hersteller. Elektrolytkondensatoren verkraften hohe Temperaturen schlecht; solche treten vor allem dann auf, wenn der PC zu schwach gekĂŒhlt (leise LĂŒfter) oder ĂŒbertaktet wird, möglicherweise noch bei erhöhter CPU-Kernspannung. Nach Untersuchungen von Jens Both, der die Webseite www.elcap.de [12] betreibt und in c't 21/03 ĂŒber das Thema berichtete [13], liegt zumindest nicht in allen FĂ€llen die Ausfallursache bei den Elektrolytkondensatoren selbst, sondern wahrscheinlich auch in der falschen Dimensionierung einiger Schaltungen. Die Diagnose des Problems ist schwierig, weil defekte Elkos nicht immer platzen oder auslaufen; man benötigt deshalb spezielle TestgerĂ€te (wie diesen [14] In-Circuit-Tester zum Selbstbau), auch die Beschaffung und der Austausch der Bauteile ist schwierig [15].
Die ausfalltrĂ€chtigen Abit-Mainboards wurden auch in Europa verkauft, aber die fĂŒr Deutschland zustĂ€ndige Abit-Niederlassung [16] (AMOR Computer B.V. mit Sitz in Venlo/Niederlande [17]) hat offiziell keine Ă€hnliche MaĂnahme wie die US-Niederlassung angekĂŒndigt. (Update:) Amor bietet Besitzern von Abit-Mainboards mit defekten Elkos an, ihnen passende Ersatz-Bauteile kostenlos zuzusenden. Den eigentlichen Austausch mĂŒssen die Kunden dann selbst vornehmen. Anfragen sollten per E-Mail an die Adresse technical@abit.nl gerichtet werden -- Amor-Techniker klĂ€ren dann ab, ob der Mainboard-Ausfall tatsĂ€chlich auf die Elko-Defekte zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Auch vom Hersteller Micro-Star International (MSI [18]) waren einige Àltere Modelle hÀufiger betroffen, weshalb in den USA bereits im vergangenen Jahr eine Klage eingereicht wurde. MSI Technology [19] will bei Mainboards, die wegen Elko-Defekten ausgefallen sind, im Einzelfall kulant entscheiden. (ciw [20])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.abit-usa.com/
[2] http://www.abitsettlement.com/
[3] http://www.abit-usa.com/support/
[4] http://www.ttiinc.com/object/ME_Zobgi20021014.html
[5] https://www.heise.de/news/Defekte-Elektrolyt-Kondensatoren-legen-Mainboards-lahm-75537.html
[6] http://www.heise.de/ct/aktuell/meldung/34988
[7] http://www.badcaps.net/
[8] http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=4650113&forum_id=39115
[9] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/05/05/010/
[10] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/04/19/010/
[11] http://www.heise.de/ct/faq/hotline/99/01/04.shtml
[12] http://www.elcap.de/
[13] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/03/21/216/
[14] http://www.elektor.de/Default.aspx?tabid=28&art=70078
[15] http://www.heise.de/ct/faq/hotline/05/03/09.shtml
[16] http://www2.abit.com.tw/page/de/index.php
[17] http://www2.abit.com.tw/page/de/about/about_contact.php
[18] http://www.msi.com.tw/
[19] http://www.msi-computer.de/
[20] mailto:ciw@ct.de
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