"Machinima" -- PC-Spieler machen Internet-Kino
PC-Spiele werden immer raffinierter, und ihre Fans nutzen die hochgezĂŒchtete Technik nicht mehr nur zum Schlagabtausch mit virtuellen Finsterligen.
PC-Spiele werden immer raffinierter, und ihre Fans nutzen die hochgezĂŒchtete Technik nicht mehr nur zum Schlagabtausch mit virtuellen Finsterlingen. Einige Gamer stellen mittlerweile selbst Filme her, die den Spielen nachempfunden sind -- "Machinima" heiĂt dieses PhĂ€nomen, dass nun in den USA vom Internet auf LeinwĂ€nde und bald auch auf Fernsehschirme kommen soll.
Zwei grobschlĂ€chtige HolzfĂ€llerburschen wollen eine Wohnung mieten. Dem Makler macht es nichts aus, dass die beiden Herren zum Besichtigungstermin mit ihren Ăxten auftauchen. Denn auch der Wohnungsbesitzer ist schwer bewaffnet. So ist das eben in der Welt des populĂ€ren Computer-Spiels Quake. Die Mietwohnungs-Episode namens "Apartment Huntin'" (prĂ€sentiert unter www.illclan.com/apthunt.htm [1]) gehört allerdings nicht zu den ĂŒblichen Spielszenarien. Sie wurde von Filmemachern hergestellt, die das Personal und die Technik von "Quake" lediglich als Vorlage nutzten.
Beim ersten offiziellen "Machinima"-Filmfestival (ab 17. August) soll nun auch ein gröĂeres Publikum angelockt werden. Vor den Toren der texanischen Metropole Dallas liegt das StĂ€dtchen Mesquite. Gamer kennen den Ortsnamen gut, denn Mesquite ist die Heimat des Unternehmens id Software [2], das mit Quake berĂŒhmt wurde. Dieses Spiel bietet die Vorlage fĂŒr die meisten "Machinima"-Werke, und daher erschien es den Veranstaltern sinnvoll, ihr Filmfestival in Mesquite mit QuakeCon [3], dem alljĂ€hrlichen Treffen der Gamer-Gemeinde, zu verbinden, das am heutigen 15. August startet.
Erfolgreiche PC-Spiele verdanken ihre PopularitĂ€t einer Technik, die den Spieler vor immer wieder neue Herausforderungen stellt. Hochkomplexe Software ist der Motor des Spielgeschehens. Und diese Game-Engines nutzen nun immer mehr Hobbyfilmer, die entweder den Zugang zum Code der Spiele knacken oder auch den Quellcode nutzen, der zumindest in AnsĂ€tzen [4] von einigen Herstellern zur VerfĂŒgung gestellt wird.
Einige Gamer sind noch kreativer. Sie treffen sich etwa mit Freunden, um gleichzeitig mehrere Spielfiguren zu steuern. Einer der Mitspieler zeichnet die so entstandenen Szenen auf, spĂ€ter können noch Dialoge und Hintergrund-Musik hinzugefĂŒgt werden. Aber auch in einsamer, nĂ€chtelanger TĂŒftelei am Computer entstehen Filme wie die Komödie "Hardly Workin'", in der die beiden schon aus "Apartment Huntin'" bekannten HolzfĂ€ller in einem Schnellimbiss arbeiten -- bis bei der Essenszubereitung versehentlich ein Kopf abgetrennt wird.
Einen Ăberblick ĂŒber die blĂŒhende Online-Szene der "Machinima"-Regisseure bieten Websites wie www.machinima.com [5], die von dem Briten Hugh Hancock betrieben wird, einem Pionier des Genres, der vor fĂŒnf Jahren mit der Entwicklung erster auf PC-Spielen basierenden Kurzfilmchen begann. Ein New Yorker Kollektiv, das unter dem Namen ILL Clan auftritt, prĂ€sentiert "Machinima"-Filme unter www.illclan.com [6]. Diese erfahrenen Filmemacher verhandeln zurzeit mit amerikanischen KabelkanĂ€len ĂŒber die Ausstrahlung ihrer Werke. Mit der "Machinima"-Technik sollen in Zukunft auch spottbillige Werbefilme hergestellt werden. (Tilman Streif, dpa) / (jk [7])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.illclan.com/apthunt.htm
[2] http://www.idsoftware.com/
[3] http://www.quakecon.org/
[4] https://www.heise.de/news/Quelltext-von-Quake-II-freigegeben-53304.html
[5] http://www.machinima.com
[6] http://www.illclan.com
[7] mailto:jk@heise.de
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