MWC 2016: Ubuntu-Tablet bq Aquaris M10 ausprobiert
Das bq Aquaris M10 Ubuntu Edition ist das erste Tablet, das mit vorinstalliertem Ubuntu ausgeliefert wird.
(Bild: bq)
Auf dem MWC lÀsst sich das erste Tablet mit Ubuntu endlich ausprobieren. Das GerÀt von bq und Canonical hat eine angepasste Touch-OberflÀche, kann sich aber mit Maus und Tastatur auch zum Desktop-Ubuntu wandeln.
Ubuntu-Entwickler Canonical und GerĂ€te-Hersteller bq zeigen auf dem MWC [1] zusammen das erste Tablet mit vorinstalliertem Ubuntu. Auf dem 10-Zoll-Tablet bq Aquaris M10 Ubuntu Edition lĂ€uft das gleichnamige Linux-Derivat mit einer auf Touch-Steuerung optimierten OberflĂ€che. SchlieĂt man Maus und Tastatur an, arbeitet das System dagegen wie das bekannte Desktop-System. Wir konnten GerĂ€t und Betriebssystem vor Ort bereits genauer in Augenschein nehmen.
Die Spezifikationen des Aquarius M10 Ubuntu Edition [2] hatte Canonical vor einigen Wochen bereits genannt: Unter der 246 mm à 171 mm à 8,2 mm dĂŒnnen HĂŒlle arbeitet ein MediaTek Quad Core MT8163A mit 1,5 GHz als Prozessor. Als Arbeitsspeicher mĂŒssen 2 GByte genĂŒgen, auch der lokale Massenspeicher ist mit 16 GByte begrenzt. Letzterer lĂ€sst sich jedoch per MicroSD-Karte um bis zu 64 GByte erweitern. Der 10,1 Zoll groĂe Bildschirm bietet eine Auflösung von 1920 à 1200 Pixeln. FĂŒr Videotelefonie und Aufnahmen sind eine Kamera mit 12 Megapixeln und eine Full-HD-Webcam an Bord. Einen externen Monitor können Nutzer per Micro-HDMI-Port anschlieĂen. Der Akku fasst 7280 mAh, das Gesamtpaket wiegt 470 g.
bq Aquaris M10 Ubuntu Edition (0 Bilder) [3]
Im Tablet-Modus verhĂ€lt sich die OberflĂ€che des Ubuntu-Tablets Ă€hnlich wie bei den Ubuntu Smartphones [5], von denen eines ebenfalls von bq hergestellt wird. Es gibt groĂe, leicht zu treffende Buttons, eine reduziertes Design und alle Anwendungen laufen im Vollbild. Ebenfalls mit dabei sind die Scopes: Sie Ă€hneln Smartphone-Apps und fassen thematisch sortiert Inhalte aus dem Netz zusammen.
Maues Touchen
AuffĂ€llig ist die derzeit noch fehlende Anpassung an den Tablet-Bildschirm: Zwar skalieren alle Apps und Scopes auf die 10-Zoll-Diagonale hoch, doch dabei bleibt jede Menge leerer Raum ĂŒbrig. Zudem funktioniert vieles bisher nicht im Hochformat. Das nervt auch bei der Benutzung enorm, denn beim durch die Apps wischen wechselt die Ausrichtung gerne unvermittelt zurĂŒck ins Querformat.
Generell erinnert derzeit optisch noch viel an die Ubuntu-Telefon-OberflÀche, die zusÀtzliche FlÀche wird fast durchweg verschenkt. Daher macht der Tablet-Teil einen noch eher unfertigen Eindruck. Bei unserem TestgerÀt wollte auch die Kamera-App nicht starten. Praktisch ist allerdings die bei einigen Apps vorhandene Möglichkeit sie parallel zu einer anderen Anwendungen auf dem Schirm anzuzeigen. Auch die Navigation im System geht nach etwas Gewöhnung leicht von der Hand.
Desktop-Anwendungen laufen auch im Tablet-Modus und können mit dem Finger bedient werden, allerdings ist das ohne Anpassungen durch den Entwickler sehr mĂŒhsam. Anders als bei Continuum fĂŒr Windows 10 Mobile laufen auf dem Tablet auch tatsĂ€chlich herkömmliche Desktop-Programme und keine aufgebohrten Apps. Vergleichbar ist das Tablet-Ubuntu also eher mit GerĂ€ten fĂŒr das groĂe Desktop-Windows, es lĂ€uft aber auch auf ARM-Prozessoren wie im Aquaris M10.
PC und Tablet in einem
Verbindet man Maus und Tastatur mit dem Tablet, dann wechselt Ubuntu in die von PC und Laptop bekannte herkömmliche Ansicht. Programme und die Touch-Apps laufen dann im Fenster und können beliebig verschoben, verkleinert und vergröĂert werden. Erst in diesem Modus werden SchaltflĂ€chen zum SchlieĂen und Minimieren der Fenster eingeblendet. Die Scopes laufen im Hintergrund weiter und können nicht beendet werden, damit sie beim Wechsel in den Tablet-Modus weiter funktionieren.
Bei der klassischen Bedienung mit der Maus gibt es keine groĂen Ăberraschungen. Touch-Eingaben werden aber weiterhin registriert. Die Seitenleiste mit den Apps und das EinstellungsmenĂŒ können so bequem herein gewischt werden.
Zubehör Mangelware
AuffĂ€llig wardie trĂ€ge Reaktion einiger Desktop-Anwendungen. Sie bauten ihre OberflĂ€che beim Ăndern des Fensters nur sehr langsam auf. Ansonsten reichte die Performance fĂŒr Office-Anwendungen aber aus. FĂŒr mehr dĂŒrfte der Mittelklasse-Chip MediaTek mit vier Kernen wohl nicht reichen. Mit 2 GByte RAM und 16 GByte internem Speicher kommt man ebenfalls nicht besonders weit, wenn man viele Apps parallel nutzen will. Ăber einen MicroSD-Slot kann der Speicherplatz zumindest erweitert werden. Der Full-HD-Bildschirm ist angenehm scharf, ĂŒber einen Micro-HDMI-Anschluss kann auch ein gröĂerer Monitor angeschlossen werden.
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Aquaris M10 fĂŒr 270 Euro
Was dem Tablet fehlt ist eine Tastatur oder ein StĂ€nder im Zubehörprogramm. Auf dem bq-Stand war auch nur eine generische Bluetooth-Tastatur zu sehen. Die brauchte zudem recht lange, bis sie mit dem GerĂ€t verbunden war. So wirkt das Projekt derzeit eher als Entwicklervorschau und weniger als fertiges GerĂ€t fĂŒr Kunden. Zwar ist die Hardware an sich ausgereift, die Software wirkt aber noch mehr als Baustelle. Angesicht der mittlerweile drei Jahre alten Versprechungen als Ubuntu fĂŒr die Nexus-Tablets vorgestellt wurde [7], wirkt das gezeigte ziemlich mager.
Als echte Alternative zu Tablets mit Winows 10 bietet es sich derzeit also nicht an. Erscheinen soll das GerÀt im zweiten Quartal, ein Preis steht bislang nicht fest. Der soll sich aber an der Android-Version des Aquaris M10 orientieren, die rund 270 Euro kostet. (asp [8])
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[2] https://www.heise.de/news/Aquaris-M10-Ubuntu-Tablet-fuer-das-mobile-Buero-und-den-Desktop-3095163.html
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/1755966.html?back=3114818;back=3114818
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/1755966.html?back=3114818;back=3114818
[5] https://www.heise.de/news/Aquaris-M10-Ubuntu-Tablet-fuer-das-mobile-Buero-und-den-Desktop-3095163.html
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[7] https://www.heise.de/news/Ubuntu-fuer-Tablets-und-Smartphones-zum-Ausprobieren-1807888.html
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