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MPAA soll Hacker auf Torrentspy angesetzt haben

Peter-Michael Ziegler

Die Betreiber der BitTorrent-Suchseite Torrentspy haben Klage gegen den Interessenverband der US-Filmindustrie eingereicht. Ein Hacker soll von der MPAA 15.000 US-Dollar bekommen haben, damit er vertrauliche E-Mails und GeschÀftsinformationen abgreift.

Die Betreiber der BitTorrent-Suchseite Torrentspy.com [1] haben eine Klage beim U.S. District Court for the Central District of California eingereicht, in der sie dem Interessenverband der US-Filmindustrie, MPAA [2] (Motion Picture Association of America) vorwerfen, einen Hacker auf Torrentspy.com angesetzt zu haben. Die in der Klageschrift (PDF-Datei [3]) namentlich nicht genannte Person sei von einer MPAA-FĂŒhrungskraft angeworben und beauftragt worden, gegen eine Bezahlung von 15.000 US-Dollar persönliche E-Mail-Nachrichten und vertrauliche GeschĂ€ftsinformationen von Torrentspy.com zu stehlen. Der Hacker habe seine Beteiligung an dem Komplott eingerĂ€umt und kooperiere inzwischen mit Torrentspy.

Torrentspy war im Februar von der MPAA verklagt worden [4]. Der Interessenverband wirft den Betreibern der Website vor, UnterstĂŒtzung fĂŒr Raubkopierer zu leisten. Obwohl es sich bei Torrentspy (oder auch isoHunt) nicht um eigentliche BitTorrent-Tracker handelt, sondern lediglich um Suchmaschinen, die in verschiedenen Trackern nach Inhalten suchen, will die MPAA das Abschalten solcher Seiten erreichen, um den Tausch urheberrechtlich geschĂŒtzten Materials zu erschweren. Die Hacker-VorwĂŒrfe kommentierte MPAA-Sprecherin Kori Bernards unterdessen als "nicht zutreffend". Torrentspy versuche damit lediglich von den Fakten abzulenken.

Torrentspy gibt hingegen an, der beauftragte Hacker habe bei seinen Angriffen gezielt nach Unterlagen mit GeschĂ€ftszahlen gesucht. So habe er etwa Informationen zu den GeschĂ€ftseinnahmen und -ausgaben in den Monaten Januar bis Juni 2005 abgegriffen. Auch seien ihm Kopien des privaten E-Mail-Verkehrs zwischen Torrentspy-Mitarbeitern sowie Daten ĂŒber eingesetzte Server und BezahlvorgĂ€nge in die HĂ€nde gefallen. Torrentspys grĂ¶ĂŸter Trumpf dĂŒrfte eine schriftliche Vereinbarung sein, die nach Angaben von Ira Rothken, AnwĂ€ltin von Torrentspy, sowohl von dem Hacker als auch von der MPAA-FĂŒhrungskraft unterzeichnet wurde. Rothkens Angaben zufolge soll der Hacker von der MPAA auch auf andere Torrent-Seiten angesetzt worden sein. (pmz [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-127401

Links in diesem Artikel:
[1] http://torrentspy.com/
[2] http://www.mpaa.org/
[3] http://www.techfirm.com/ts-mpaa.pdf
[4] https://www.heise.de/news/Torrentspy-wehrt-sich-gegen-US-Filmindustrie-113604.html
[5] mailto:pmz@ct.de