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Lobbygelder beeinflussen die US-Politik

Hans-Peter SchĂŒler

Sowohl bei den Beschwerden von US-Politikern gegen das Microsoft-Urteil der EU als auch bei der amerikanischen Gesetzgebung ĂŒber Peer-to-Peer-Tauschbörsen stehen die Drahtzieher angeblich auf den Spendenlisten interessierter Unternehmen.

Sowohl bei den Beschwerden [1] von US-Politikern gegen das Microsoft-Urteil der EU [2] als auch bei der amerikanischen Gesetzgebung ĂŒber Peer-to-Peer-Tauschbörsen stehen die Drahtzieher angeblich auf den Spendenlisten interessierter Unternehmen. Nach Recherchen des Web-Magazins The Inquirer [3] haben fĂŒnf der zehn Congress-Mitglieder, die mit einem offenen Schreiben die EU-Kommission von ihrer Entscheidung abbringen wollten, individuelle Spenden zwischen 1000 und 16.000 US-Dollar von Microsoft erhalten.

Mit erheblich grĂ¶ĂŸeren BetrĂ€gen stehen die Senatoren Patrick Leahy und Orrin Hatch in der moralischen Schuld der RIAA [4] (Recording Industry Association of America). Die beiden Politiker, die im Laufe des Jahres 2004 schon 178.000 beziehungsweise 152.000 US-Dollar aus den RIAA-Kassen erhalten haben, brachten einen Gesetzentwurf [5] ein, der dem Justizministerium das Zivilklagerecht gegen Tauschbörsenteilnehmer einrĂ€umen soll. Demnach soll schon eine einzelne illegal ausgetauschte Datei den MissetĂ€ter ins GefĂ€ngnis bringen können. Hatch erlĂ€uterte seine Initiative mit dem Argument, die Betreiber von Peer-to-Peer-Börsen betĂ€tigten sich an einer Verschwörung, um Kinder und Jugendliche mit freien MusikstĂŒcken, Filmen und pornographischen Inhalten anzulocken. Diesen "menschlichen Schutzschild" verwendeten die Tauschbörsen anschließend als Druckmittel, um sich bei der Unterhaltungsindustrie als regulĂ€rer Vertriebsweg zu etablieren. Kein Wunder, dass die RIAA den Gesetzentwurf als höchst angemessen lobt.

Die Spendenpraxis ist zwar nach amerikanischem Recht durchaus legal, scheint aber die BĂŒrger zunehmend zu irritieren. ZusĂ€tzlich zur schon lĂ€nger bestehenden Website opensecrets.org [6] gibt seit Mitte MĂ€rz auch die Website fundrace.org [7] Auskunft ĂŒber das politische Spendenaufkommen in den USA. WĂ€hrend man auf opensecrets.org individuelle Politiker auf ihre Spendeneinnahmen durchleuchten kann, arrangiert fundrace.org die ohnehin öffentlichen Spendendaten so, dass man geographische Gebiete gezielt nach dort wohnenden Polit-Sponsoren absuchen kann. (hps [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-96155

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/US-Politiker-protestieren-gegen-EU-Strafe-fuer-Microsoft-96031.html
[2] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-verfuegt-Geldstrafe-und-Produktauflagen-gegen-Microsoft-95941.html
[3] http://theinquirer.net/?article=14974
[4] http://www.riaa.com
[5] http://www.wired.com/news/digiwood/0,1412,62830,00.html
[6] http://www.opensecrets.org
[7] http://www.fundrace.org
[8] mailto:hps@ct.de