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Literatur-Nobelpreis geht an Harold Pinter

Andreas Wilkens

Die zustÀndige Schwedische Akademie vergibt den Preis an den "hervorragendsten Vertreter des englischen Dramas in der zweiten HÀlfte des zwanzigsten Jahrhunderts".

Der Literatur-Nobelpreis 2005 geht an den britischen Schriftsteller Harold Pinter [1], teilt die fĂŒr den Preis zustĂ€ndige schwedische Akademie heute mit. Er habe in seinen Dramen "den Abgrund unter dem alltĂ€glichen GeschwĂ€tz" freigelegt und breche "in den geschlossenen Raum der UnterdrĂŒckung" ein, heißt es zur BegrĂŒndung.

"Harold Pinter wird ganz allgemein als hervorragendster Vertreter des englischen Dramas in der zweiten HĂ€lfte des zwanzigsten Jahrhunderts eingestuft", teilt die Akademie weiter mit [2]. Seine Stellung als moderner Klassiker werde dadurch veranschaulicht, dass man aus seinem Namen ein Adjektiv gebildet hat, das eine gewisse Stimmung und ein gewisses Milieu in TheaterstĂŒcken beschreibt, nĂ€mlich "pinteresk".

Harold Pinter wurde am 10. Oktober 1930 als Sohn eines jĂŒdischen Damenschneiders in Hackney, London geboren. Bei seiner Entwicklung zum Dramatiker waren "antisemitische Stimmungen" von Bedeutung, heißt es in der Mitteilung der Akademie. Seit 1973 habe sich Pinter neben seiner Schriftstellerei als VorkĂ€mpfer fĂŒr die Menschenrechte ausgezeichnet. Der Schriftsteller hat den US-amerikanischen PrĂ€sidenten George W. Bush wegen dessen Irak-Poltik scharf kritisiert.

Zu Pinters Werken zĂ€hlen Titel wie Landscape (1967), Silence (1968), No Man's Land (1974), One for the Road (1984), Mountain Language (1988), The New World Order (1991) und Ashes to Ashes (1996). Er schrieb unter anderem die FilmdrehbĂŒcher [3] zu The Servant (1963), The Accident (1967), The Go-Between (1971) und The French Lieutenant's Woman (1981; nach dem Roman von John Fowles), war als Regisseur und Schauspieler tĂ€tig und hat auch fĂŒr Radio und Fernsehen geschrieben. Einige seiner frĂŒhen Werke werden zum Absurden Theater gezĂ€hlt und in eine Reihe mit Werken von Samuel Beckett gestellt oder sollten, wie die Akademie betont, zutreffender als "comedy of menace" (Komödie der Drohung) bezeichnet werden.

Der Nobelpreis fĂŒr Ökonomie [4] der Bank von Schweden geht zur HĂ€lfte an die Spieltheoretiker Robert J. Aumann und Thomas C. Schelling, wie am Montag bekannt wurde. Vergangene Woche wurden bereits die PreistrĂ€ger fĂŒr Physik [5], Chemie, Medizin [6] bekannt gegeben und der Friedensnobelpreis [7] vergeben. (anw [8])


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https://www.heise.de/-137542

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.haroldpinter.org/home/index.shtml
[2] http://nobelprize.org/literature/laureates/2005/pinter-bibl-d.html
[3] http://www.imdb.com/name/nm0056217/
[4] http://nobelprize.org/economics/laureates/2005/index.html
[5] https://www.heise.de/news/Physik-Nobelpreis-fuer-deutschen-und-US-Wissenschaftler-134801.html
[6] https://www.heise.de/news/Physik-Nobelpreis-fuer-deutschen-und-US-Wissenschaftler-134801.html
[7] https://www.heise.de/news/Friedens-Nobelpreis-fuer-Internationale-Atomenergiebehoerde-135940.html
[8] mailto:anw@heise.de