Lippenbekenntnis

Die ersten Alfa Romeo Spider der dritten Generation werden 30 - und bekommen so Anrecht auf das H-Kennzeichen. Die als "Gummilippe" bespöttelte Generation ist die erfolgreichste der gesamten Spider-Historie

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Die dritte Generation des Alfa Romeo Spider (ab Baujahr 1983, Erkennungzeichen: die Gummilippe am Heck) ist nun offiziell Oldtimer.
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Frankfurt, 9. Juli 2013 – Die ersten Alfa Romeo Spider der dritten Generation werden 30 - und bekommen so das Anrecht auf das H-Kennzeichen. Zwischen 1983 und 1989 entstanden 31.808 Einheiten des offenen Italieners. Damit wurde ausgerechnet die als "Gummilippe" bespöttelte Generation die erfolgreichste der gesamten Spider-Historie.

Die Aerodinamica war mit dem klassischen 2,0-Liter-Doppelnockenwellen-Motor ausgestattet, der zunächst 128 PS und später 125 PS leistete. 19.040 dieser Fahrzeuge waren US-Versionen und 2598 liefen als Topmodell Quadrifoglio Verde (Grünes Kleeblatt) vom Band. Zu den Exemplaren mit 2,0-Liter-Motor kamen 5400 mit einem 1,6-Liter-Maschine, zunächst mit 104, später mit 101 PS.

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Die dritte Generation des Alfa Romeo Spider (ab Baujahr 1983, Erkennungzeichen: die Gummilippe am Heck) ist nun offiziell Oldtimer.

Die "Aerodinamica" war als Nachfolger des Ur-Spider "Duetto" (1966-69) und des mit Abrissheck an den Zeitgeschmack angepassten "Fastback" (1969-1983) ein Kind der 1980er Jahre. Die aus Weichgummi gefertigte Heckspoiler-Lippe in Schwarz und der vergrößerte Frontspoiler brachten dem dritten Alfa Romeo Spider den Beinamen "Aerodinamica" ein. Insbesondere der Heckspoiler, in Deutschland auch als "Gummilippe" bekannt, war unter den Alfisti umstritten.

Zur Ehrenrettung des Zeichners sei aber gesagt, dass die Lippe kein reiner Designunfall ist. Vielmehr musste der Spider mit Stoßstangen und Lippe auf US-Crashnormen getrimmt werden. Eine Übung, die viele andere Hersteller mit deutlich schlechteren Haltungsnoten bewältigten. Immerhin war es der US-Markt, der den Absatz der Spider-Baureihe immer wieder beflügelte. Wie schon vom Vorgänger, ging auch vom "Aerodinamica" mehr als die Hälfte der Produktion in die USA.

Ende 2012 trugen in Deutschland nach neusten Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) exakt 2368 Alfa Romeo Spider der von 1966 bis 1983 gebauten ersten beiden Generationen das H-Kennzeichen - ein Plus von 16,8 Prozent gegenĂĽber dem Vorjahr. Interessant: Der Alfa Romeo ist unter den Top 15 der meistzugelassenen Oldtimer das einzige Modell eines Herstellers aus dem Ausland.

Auch die entsprechende Hitliste der Marken zeugt von einer regen Alfa Romeo Oldtimer-Szene: Nach sechs deutschen Herstellern rangiert Alfa Romeo mit 7086 H-Zulassungen knapp vor der Konzernschwestermarke Fiat auf Rang Sieben.

Das zwischen 1985 und 1990 angebotene Modell "Graduate" war eine Hommage an den Film "Die Reifeprüfung" (The Graduate), mit dem der Alfa Romeo Spider in den USA schon 1967 Kultstatus erworben hatte: In dem mit der Musik von Simon & Garfunkel ("Sound of Silence", "Mrs. Robinson", "Scarborough Fair") untermalten Streifen spielte Dustin Hoffman als College-Absolvent seine erste große Rolle. Im Fokus des Films steht anfänglich seine Affäre mit der verheirateten Mrs. Robinson, gespielt von Anne Bancroft.

In den Schüsselszenen des Films braust Dustin Hoffman alias Benjamin Braddock mit einem roten "Duetto 1600" indes zu jener Kirche, in der seine Angebetete - Mrs. Robinsons Tochter Elaine - gegen ihren Willen verheiratet werden soll. In letzter Sekunde kann er die von Elaines eifersüchtiger Mutter eingefädelte Zwangsheirat verhindern. Das junge Paar flieht in einem Linienbus - den Alfa Romeo hatte Regisseur Mike Nichols zuvor ohne Benzin stranden lassen. Bis heute ist jeder klassische Alfa Romeo Spider in den USA bekannt als "The Graduate Car" oder "The Graduate Spider".

1990 debütierte die vierte und letzte Generation des von Pininfarina gestylten Klassikers. Im letzten vollen Produktionsjahr (1993) gingen immer noch 75 Prozent aller Spider in die USA. Einer der weiteren Kernmärkte war nach wie vor Deutschland. Ende 1993 lief die Produktion eines der legendärsten und erfolgreichsten heckgetriebenen Alfa Romeo Modelle nach 124.105 Exemplaren endgültig aus. Der 1995 vorgestellte Nachfolger wurde in den USA nicht mehr angeboten.

Erst Ende 2013 will Alfa Romeo wieder auf den US-amerikanischen Markt zurückkehren. Als Debut-Modell wird der 4C fungieren, der im März 2013 auf dem Automobilsalon in Genf in seiner Serienversion vorgestellt wurde. Mit unter vier Meter Länge, einer Breite von zwei Meter und einer Höhe von lediglich 1,18 Meter ist der 4C betont kompakt gehalten. Als Motor kommt der aus der Giulietta Quadrifoglio Verde bekannte 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner zum Einsatz, dort leistet er 235 PS.

Auf den nächsten Alfa Romeo Spider müssen die Fans aus aller Welt allerdings noch bis zum Jahr 2015 warten. Alfa und Mazda entwickeln ihn derzeit gemeinsam auf Basis der nächsten Generation des Roadsters MX-5. (fpi)