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Langsame Fortschritte bei Anti-Spam-Politik der EU

Monika Ermert

ErklĂ€rtes Ziel eines Anti-Spam-Protokolls der EU ist eine generelle Übereinkunft fĂŒr eine Zusammenarbeit der fĂŒr Spam-BekĂ€mpfung zustĂ€ndigen Behörden innerhalb der Gemeinschaft.

Ein Dokument zur Realisierung des grenzĂŒbergreifenden Austauschs von Spam-Beschwerden [1] innerhalb der EU ist laut Auskunft von Beteiligten bislang erst von einem halben Dutzend Mitgliedsstaaten unterzeichnet worden. Bislang haben Italien, die Niederlande, Österreich, Litauen, Tschechien und Irland das Anfang Dezember abgeschlossene Dokument unterzeichnet, das von der französische Regulierungsbehörde CNIL [2] und deren niederlĂ€ndischen Pendant Opta [3] entworfen und propagiert wurde. Das noch unveröffentlichte Protokoll, das heise online vorliegt, trĂ€gt den nicht eben wortkargen Titel: "Vorgehen zur Kooperation bei der Übermittlung von Beschwerden und Erkenntnissen hinsichtlich der Durchsetzung des Artikels 13 der Richtlinie ĂŒber den Datenschutz [4] in elektronischen Kommunikationsnetzen 2002/58/EC und anderer nationaler Gesetze gegen unerwĂŒnschte elektronische Kommunikation." Mit den Regelungen soll die Arbeit des informellen Contact Network of Spam-Enforcing Authorities (CNSA) einen Rahmen bekommen.

ErklĂ€rtes Ziel ist eine generelle Übereinkunft ĂŒber eine Zusammenarbeit der fĂŒr Spam zustĂ€ndigen Behörden innerhalb der Gemeinschaft. Beschwerden innerhalb eines Mitgliedsstaates sollen zu den jeweils verantwortlichen Behörden im Ursprungsland weitergegeben werden. Dort sollen sie genauso nachdrĂŒcklich verfolgt werden wie nationale Beschwerden. Die Behörde, die die Beschwerde abgesetzt hat, soll ĂŒber den weiteren Fortgang der Ermittlungen unterrichtet werden, heißt es im Papier. Außerdem sollen bei Änderungen der jeweiligen Rechtslage zu Spam die EU-Nachbarn konsultiert werden, auch dies ein Schritt in Richtung Harmonisierung der derzeit recht unterschiedlichen Behandlung von Spammern.

Die Unterschiede in der Umsetzung der Datenschutz-Direktive [5] 2002/58/EC seien der grenzĂŒberschreitenden Verfolgung nicht gerade zutrĂ€glich, warnte kĂŒrzlich die niederlĂ€ndische RatsprĂ€sidentschaft. Anfang Dezember bekrĂ€ftigte [6] dies auch der dĂ€nische Ombudsmann fĂŒr Verbraucherschutz, Hagen JĂžrgensen. JĂžrgensen sagte, in nur drei FĂ€llen seien nationale Verbraucherschutzbehörden fĂŒr die Verfolgung von Spammern zustĂ€ndig. DatenschĂŒtzer seien in acht LĂ€ndern als Anti-Spam-JĂ€ger eingesetzt, drei Regierungen haben die Aufgabe in die HĂ€nde der fĂŒr IT zustĂ€ndigen Ministerien gegeben, und zwei Mitgliedsstaaten suchten ihr Heil gegen die wachsende Spamflut in der Benennung mehrerer Behörden.

Diese Unterschiede machen die Zusammenarbeit der Behörden kompliziert und das Protokoll umso nötiger. Auch DĂ€nemark, meinte JĂžrgensen, werde dem Protokoll beitreten. Auch mit der Unterschrift des Mitinitiators Frankreich wird gerechnet. Die deutsche Regulierungsbehörde fĂŒr Telekommunikation und Post hat bislang nicht unterzeichnet. Laut deutschem Gesetz ist die RegTP nicht fĂŒr die Durchsetzung von Anti-Spam-Maßnahmen zustĂ€ndig, allerdings geht es im zitierten Artikel 13 der Direktive durchaus auch um andere Formen von WerbemĂŒll, etwa Faxspam und die weiter zunehmende Telefonwerbung. ZurĂŒckhalten Ă€ußert man sich auch bei der britischen OfCOM. Auch sie, erklĂ€rte ein Sprecher, sei nicht fĂŒr die Verfolgung von Spammern zustĂ€ndig.

Einmal mehr sind wohl auch SouverĂ€nitĂ€tsfragen fĂŒr die Vorsicht bei der Anerkennung des gemeinsamen Protokolls verantwortlich, das allerdings auf völliger Freiwilligkeit beruht. Die EU-Mitglieder im Telekommmunikationsrat in der vergangenen Woche konnten sich jedenfalls nicht dazu durchringen, das Protokoll entsprechend den VorschlĂ€gen der RatsprĂ€sidentschaft ganz offiziell zu empfehlen. (Monika Ermert) / (jk [7])


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https://www.heise.de/-121448

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/EU-Rat-will-mehr-Koordination-gegen-Spam-120720.html
[2] http://www.cnil.fr/
[3] http://www.opta.nl/
[4] https://www.heise.de/news/EU-Richtlinie-zum-Datenschutz-in-Kraft-87799.html
[5] http://register.consilium.eu.int/pdf/de/01/st15/15396d1.pdf
[6] http://www.forbrug.dk/om/organisering/fo/taler-og-artikler/etik-generelt/forbrugerombudsmandens-indlaeg-ved-vtus-spam-konference-1-december-2004/better-investigation-and-enforcement-will-make-the-danish-legislation-on-spam-more-efficient/
[7] mailto:jk@heise.de