LISA Pathfinder gestartet: ESA will Gravitationswellen im All messen
Mit einem Tag VerspĂ€tung ging es fĂŒr LISA Pathfinder los.
(Bild: ESAâStephane Corvaja, 2015)
Gravitationswellen sind Ă€uĂerst schwierig zu messen. Die EuropĂ€ische Weltraumorganisation ESA will dies in einer ambitionierten Mission im All tun. ZunĂ€chst ist dafĂŒr nun ein Satellit gestartet. Er soll erst einmal testen, ob das funktionieren kann.
Einsteins RelativitĂ€tstheorie auf der Spur: FĂŒr ein Mega-Projekt zur Erforschung von Gravitationswellen im All hat die EuropĂ€ische Weltraumagentur ESA am Donnerstag einen neuen Satelliten gestartet. LISA Pathfinder hob am Morgen um 05.04 Uhr MEZ vom Weltraumbahnhof Kourou im sĂŒdamerikanischen Französisch-Guayana an Bord einer Vega-TrĂ€gerrakete ab.
Wegen technischer Probleme war der Start von LISA Pathfinder um einen Tag verschoben [1] worden. Die Sonde soll neue Technik fĂŒr ein in etwa 20 Jahren geplantes groĂes Weltraumobservatorium testen, mit der diese Wellen kĂŒnftig aufgespĂŒrt werden könnten.
LISA Pathfinders Weg ins All (0 Bilder) [2]
Grundlagenforschung zum VerstÀndnis des Universums
"Die Grundlagenforschung dient dem besseren VerstĂ€ndnis der Welt, in der wir leben", meinte ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner. "Die theoretischen Erkenntnisse Einsteins sind auch heute noch Ă€uĂerst beeindruckend. Lisa Pathfinder wird uns der BestĂ€tigung einer der Einsteinschen Vorhersagen nĂ€her bringen: der Existenz von Gravitationswellen." Gesteuert wird der Satellit vom ESA-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt.
"Nach vielen Jahren von Entwicklungen und Erprobungen auf der Erde kommt nun endlich die Feuertaufe, die wir nur im Weltraum vornehmen können", erklĂ€rt Paul McNamara, ESA-Projektwissenschaftler fĂŒr Lisa Pathfinder. Gebaut hat den Satelliten Airbus Defence and Space. "Pathfinder testet die Technik im All, weil es auf der Erde zu viele Störungen gibt", sagte der Airbus-Direktor fĂŒr Erdbeobachtung, Navigation und Wissenschaft, Eckard Settelmeyer.
Der Satellit soll Mitte Februar 2016 rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt Richtung Sonne sein Ziel erreichen, den Lagrange-Punkt L1. "Das wird eine schwierige Strategie", sagte der Chef des ESA-Flugbetriebs, Paolo Ferri, im Kontrollzentrum in Darmstadt. "Wir mĂŒssen dafĂŒr mehrmals die Flugbahn Ă€ndern." Arbeiten dĂŒrfte Pathfinder ziemlich wahrscheinlich dann ein Jahr lang.
Generalprobe
Was das spĂ€tere GroĂ-Programm vorhat, soll der Pfadfinder [4] im Kleinformat ausprobieren. In ihm befinden sich zwei jeweils zwei Kilogramm schwere WĂŒrfel mit einer Gold-Platin-Legierung und einer KantenlĂ€nge von 46 Millimeter. Sie haben einen Abstand von 38 Zentimeter zueinander. Mit winzigen, etwa zehnmal pro Sekunde erfolgenden TriebwerksschĂŒben soll der Satellit seine Position prĂ€zisieren. Die WĂŒrfel werden dann an ihren jeweiligen Positionen im freien Fall mit bislang unerreichter Genauigkeit ĂŒberwacht. Auf der Erde können solche Experimente nicht vorgenommen werden, weil deren Gravitation die Ergebnisse zu stark ĂŒberlagern wĂŒrde.
Gravitationswellen â eine Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner RelativitĂ€tstheorie [5] â gehören zu den am schwersten fassbaren KrĂ€fte im Universum. Sie breiten sich demnach im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit aus und verbiegen den Raum, Ă€hnlich wie die Wellen eines ins Wasser geworfenen Steins eine SeeoberflĂ€che krĂ€useln. Jeder beschleunigte Körper sendet der Theorie zufolge Gravitationswellen aus, die umso stĂ€rker sind, je mehr Masse der Körper hat und je schneller er sich bewegt. Die Wellen lieĂen sich bisher nicht direkt nachweisen. Es gibt aber auch kaum ernsthafte Zweifel an ihrer Existenz. (mho [6])
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[4] https://www.heise.de/news/ESA-Raumsonde-Lisa-Pathfinder-Neuer-Wissenschaftssatellit-vorgestellt-2796824.html
[5] https://www.heise.de/news/100-Jahre-Allgemeine-Relativitaetstheorie-3011104.html
[6] mailto:mho@heise.de
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