zurück zum Artikel

Kundenschwund: Netflix entlÀsst Mitarbeiter

Volker Briegleb
Tv,Television,Netflix,Logo,On

(Bild: Shutterstock.com/MAXSHOT.PL)

Nach den enttĂ€uschenden GeschĂ€ftszahlen zum Jahresauftakt tritt Netflix auf die Kostenbremse: Mitarbeiter mĂŒssen gehen und Projekte werden gecancelt.

Netflix reagiert auf die getrĂŒbten GeschĂ€ftsaussichten und entlĂ€sst rund 150 Mitarbeiter in den USA. Betroffen sind hauptsĂ€chlich Mitarbeiter am Hauptsitz im US-Bundesstaat Kalifornien, bestĂ€tigte das Unternehmen gegenĂŒber US-Medien. "Wie wir angesichts des Quartalsergebnisses erlĂ€utert haben, zwingt uns das langsamere Umsatzwachstum auch, die Kostenentwicklung zu bremsen", teilte Netflix am Dienstag mit. "Diese VerĂ€nderungen beruhen in erster Linie auf wirtschaftlichen Entscheidungen und nicht auf der individuellen Leistung."

Der Streamingdienst hatte im April erstmals einen RĂŒckgang der Kundenzahlen [1] einrĂ€umen mĂŒssen. Im ersten Quartal 2022 gingen unterm Strich rund 200.000 bezahlte Abonnements verloren. Ohne BerĂŒcksichtigung der gekĂŒndigten 700.000 russischen Kunden hĂ€tte Netflix rund eine halbe Million Abonnements hinzugewonnen, was deutlich unter den Erwartungen blieb.

Mit der Aussicht auf den Verlust von weiteren 2 Millionen Abos im laufenden zweiten Quartal ging der Aktienkurs auf Talfahrt. Seit Bekanntgabe der Zahlen des ersten Quartals brach der Kurs um rund 45 Prozent ein. Die Netflix-Aktie notiert derzeit ĂŒber 60 Prozent unter Vorjahreswert bei rund 185 US-Dollar.

Netflix steuert nun mit Kostensenkungen gegen. ZusĂ€tzlich zu den 150 Vollzeitstellen baue Netflix weitere 70 Teilzeitpositionen in der Animations-Abteilung ab, berichtet das Branchenblatt Variety. Zuvor habe Netflix einige geplante Animationsserien fĂŒr Kinder gestoppt, darunter "Wings of Fire", "Antiracist Baby" und "With Kind Regards From Kindergarten". Auch ein zusammen mit Prinz Harry und Meghan Markle produziertes Serienprojekt wurde gestoppt.

Nach den Quartalszahlen hatte Netflix zudem rund 25 Stellen bei der Website Tudum [2] abgebaut. Das redaktionelle Angebot richtet sich an Netflix-Fans und will diese mit zusÀtzlichen Informationen rund um ihre Lieblingsserien versorgen. Betroffen sind sowohl Vollzeitstellen als auch HonorarkrÀfte.

Netflix hat weltweit rund 11.300 Vollzeitmitarbeiter, davon mit 8600 der Großteil in den USA und Kanada. Das bleibt nicht immer spannungsfrei, wie Proteste von ein paar Mitarbeitern gegen ein Netflix-Special mit Comedian Dave Chappelle im vergangenen Oktober zeigten. Seither hat das Unternehmen seine "Netflix Culture" [3] um einen Absatz erweitert. Darin betont das Unternehmen, dass es ein breites Spektrum des kĂŒnstlerischen Ausdrucks unterstĂŒtzt.

"Nicht jeder wird alles in unserem Programm mögen und damit einverstanden sein", heißt es weiter. Mitarbeiter mĂŒssten damit rechnen, auch an Projekten zu arbeiten, die sie möglicherweise als provokativ empfinden. Die klare Botschaft: "Wenn es dir schwerfĂ€llt, die Breite unsere Inhalte zu unterstĂŒtzen, ist Netflix vielleicht nicht der beste Ort fĂŒr dich."

Melden Sie sich zum KI-Update an Melden Sie sich zum KI-Update an [4]

(vbr [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7099288

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Netflix-hat-Kundenschwund-Chef-ist-offen-fuer-werbefinanziertes-Streaming-6746704.html
[2] https://www.netflix.com/tudum
[3] https://jobs.netflix.com/culture
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:vbr@heise.de