Kritik an Kfz-SteuerplÀnen der Bundesregierung
Nach einem Bericht der Financial Times (FTD) kritisieren Ăkonomen und Politiker die geplanten [1] KonjunkturmaĂnahmen der Bundesregierung und die vorgesehene Aussetzung der Kfz-Steuer. Die Bundesregierung plant, KĂ€ufern von Euro-5-konformen Neuwagen bis 2010 zwei Jahre lang die Kfz-Steuer zu erlassen, fĂŒr Euro-4-Autos soll es ein Jahr Steuererlass geben.
âNiemand kauft ein Auto, weil er im Jahr 200 Euro spartâ, sagte demnach der CDU-Politiker Michael Fuchs. Sinnvoll wĂ€re aus seiner Sicht ein höherer steuerlicher Grundfreibetrag fĂŒr alle Arbeitnehmer und Entlastungen ĂŒber weniger stark steigende SĂ€tze bei der Einkommensteuer. Sein Parteikollege Steffen Kampeter wirft der Automobilindustrie vor, sich das eigene Versagen vom Steuerzahler bezahlen zu lassen, womit er in dieselbe Kerbe schlĂ€gt wie Vertreter der UmweltverbĂ€nde. Die Industrie habe versĂ€umt, rechtzeitig kraftstoffsparende Techniken zu entwickeln. Die Absatzprobleme seien nicht Folge der Finanzkrise, sondern einer jahrelang verfehlten Modellpolitik.
Ob die Probleme tatsĂ€chlich auf eine verfehlte Modellpolitik zurĂŒckzufĂŒhren sind, ist zumindest fraglich. TatsĂ€chlich tickt in der Automobilindustrie schon seit Jahren [2] die Zeitbombe der ĂberkapazitĂ€ten, wodurch nun mehrere Entwicklungen zusammentreffen: Es werden nicht nur weniger Autos gekauft, sondern dies vermehrt in niedrigeren [3] Fahrzeugklassen. Das mindert die Renditen fĂŒr alle beteiligten Unternehmen bis hin zu den HĂ€ndlern. So befĂŒrchtet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) laut einem Bericht der Welt, dass dieses Jahr 1000 von rund 20.000 HĂ€ndlern Insolvenz anmelden mĂŒssen.
Laut FTD-Bericht regt sich auch in den LĂ€ndern Widerstand gegen die Kfz-SteuerplĂ€ne. So werde es ohne finanziellen Ausgleich fĂŒr die LĂ€nder keine Zustimmung im Bundesrat geben, meint Berlins BĂŒrgermeister Klaus Wowereit. Selbst die CDU-LĂ€nder hatten diese demnach bereits abgelehnt. TatsĂ€chlich stellt sich die Frage, ob es nicht schnell wirkende Alternativen zu der Steueraussetzung gĂ€be, die KĂ€ufern kleiner und sparsamer Autos am wenigsten hilft. Eine staatliche EinmalprĂ€mie von 500 Euro wĂŒrde zum Beispiel dort helfen, wo es am wichtigsten ist: bei Niedrigverdienern mit alten Autos, deren Ersatz lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig wĂ€re. (ggo [4])
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[2] http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,336158,00.html
[3] https://www.heise.de/news/Ruhe-vor-der-Flaute-Neuzulassungen-im-September-2008-465135.html
[4] mailto:ggo@heise.de
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