Kleinanleger reichen Sammelklage gegen Deutsche Telekom ein
Die KlÀger werfen dem Unternehmen vor, in seinem Verkaufsprospekt zum dritten Telekom-Börsengang im Mai 2000 wesentliche Risiken verschwiegen zu haben.
Im Auftrag von rund 1500 Kleinanlegern haben AnwĂ€lte am Montag beim Frankfurter Landgericht eine Zivilklage gegen die Deutsche Telekom AG eingereicht. Die KlĂ€ger werfen dem Unternehmen vor, in seinem Verkaufsprospekt zum dritten Telekom-Börsengang [1] im Mai 2000 wesentliche Risiken verschwiegen zu haben. Sie verlangen daher ihr eingesetztes Kapital nebst Kosten zurĂŒck. Zusammen mit 1000 weiteren Klagewilligen gehe es den Mandanten um rund 14 Millionen Euro, teilte ein Vertreter der Wiesbadener Anwaltskanzlei Doerr, KĂŒhn, PlĂŒck & Thoeren mit.
Anders als fĂŒr institutionelle Anleger sei eine Klage in den USA fĂŒr KleinaktionĂ€re aussichtslos, sagte Rechtsanwalt Ralf PlĂŒck. "Es lĂ€sst sich kein amerikanischer Bezug herstellen: KĂ€ufer, Börse und Unternehmen sind in Deutschland." Die gröĂte Sammelklage von Anlegern in der deutschen Geschichte werde daher zeigen, wie es um den Anlegerschutz in Deutschland bestellt sei. Zwei andere Anwaltskanzleien hatten im MĂ€rz angekĂŒndigt [2], die Telekom in New York verklagen zu wollen. Eine Sammelklage von US-Investoren ist dort bereits zugelassen worden.
Hintergrund der Klage ist der massive Kursverfall der zum Preis von 66,50 Euro (fĂŒr Privatanleger 63,50 Euro) an den Markt gebrachten Aktie. Aktuell schwankt der Kurs [3] um die 11 Euro. Die Anleger werfen der Deutschen Telekom vor, unter anderem den wahren Immobilienwert des Unternehmens und risikoreiche Investitionen verschwiegen zu haben. Unternehmen und Bund haben die VorwĂŒrfe stets zurĂŒckgewiesen. Als Hauptanteilseigner hatte der Bund bei der Emission rund 15 Milliarden Euro eingenommen. Der Bundesrechnungshof lehnt es ab, ein Gutachten ĂŒber die umstrittene Immobilienbewertung den Bonner StaatsanwĂ€lten zugĂ€nglich zu machen. Es sei schwer vorstellbar, dass die Nichtherausgabe die Ermittlungen behindere, sagte ein Sprecher. Der Bericht enthalte keine wesentlichen zusĂ€tzlichen Informationen fĂŒr die Ermittler.
Die VerjĂ€hrungsfrist fĂŒr die Prospekthaftung der Telekom lĂ€uft am 26. Mai ab. Bis dahin will die Wiesbadener Kanzlei weitere rund 1000 Klagen einreichen. Beim Frankfurter Landgericht liegen bereits einige Klagen weiterer Investoren vor, bestĂ€tigte ein Sprecher des Landgerichts. Termin und mögliche Zusammenfassung der verschiedenen Klagen seien noch nicht absehbar. Die von der Wiesbadener SozietĂ€t vertretenen AktionĂ€re haben durchschnittlich 3500 Euro eingesetzt. Die gröĂten Verluste dieser KlĂ€gergruppe hatte ein Privatmann zu verkraften, der 560.000 Euro angelegt hatte. (dpa) / (anw [4])
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[2] https://www.heise.de/news/Deutsche-Anwaelte-wollen-Telekom-in-USA-verklagen-76467.html
[3] https://www.heise.de/news/T-Aktie-faellt-unter-10-Euro-Marke-75577.html
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