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KlÀger legt im Streit mit Mark Zuckerberg um Facebook-Anteile nach

Volker Briegleb

In dem zweiten Prozess um Anteile an Facebook legt der KlĂ€ger mit einer neuen Klageschrift nach und prĂ€sentiert angebliche E-Mails von GrĂŒnder Mark Zuckerberg, die eine GeschĂ€ftsbeziehung belegen sollen.

Der US-Amerikaner Paul Ceglia legt in seinem Rechtsstreit um Anteile am sozialen Netzwerk Facebook [1] nach. Kaum hatte ein New Yorker Bundesgericht den Versuch der Harvard-Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss abgeschmettert [2], ihren 2008 mit Facebook geschlossenen Vergleich zu annullieren, reichen Ceglias AnwĂ€lte eine aktualisierte Klageschrift ein. Der Unternehmer fordert nicht weniger als die HĂ€lfte von Facebook, das derzeit mit 20 (oder, je nachdem, wen man fragt, sogar mit bis zu 50) Milliarden US-Dollar bewertet wird. Facebook weist die AnsprĂŒche zurĂŒck. (Ceglia v. Zuckerberg [3], 1:10-cv-00569, U.S. District Court, Western District of New York, Buffalo).

Ceglia behauptet, Facebook-GrĂŒnder Mark Zuckerberg bereits im Jahr 2003 die Summe von 1000 US-Dollar fĂŒr die Entwicklung des Netzwerks gegeben zu haben. Im Gegenzug soll ihm der Facebook-GrĂŒnder mit 50 Prozent an dem Projekt beteiligt haben. Auf die ursprĂŒnglich erhobene Forderung, fĂŒr jeden Tag Verzögerung stĂŒnde ihm ein weiteres Prozent zu, verzichtet Ceglia in der neuen Klage. "The Face Book" ging erstmals am 4. Februar 2004 online, vereinbart sei der 1. Januar gewesen.

Der KlĂ€ger will seinen Anspruch mit einigen E-Mails [4] untermauern, die er seinen Angaben zufolge 2003 und 2004 mit Zuckerberg ausgetauscht hat. DarĂŒber hinaus hatte Ceglia einen Vertrag mit Zuckerberg vorgelegt, den dieser bei einem Treffen in einem Hotel in Boston unterschrieben haben soll. Zuckerbergs AnwĂ€lte weisen die AnsprĂŒche zurĂŒck und bezeichnen Vertrag und E-Mails als FĂ€lschung. Ceglia, der laut Medienberichten 1997 wegen Besitzes halluzinogener Pilze zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, sei ein "verurteilter Verbrecher" und ein "BetrĂŒger".

Sollten die E-Mails echt sein, steigen damit nicht nur Ceglias Chancen auf einen lukrativen Vergleich. Sie werfen auch ein anderes Licht auf den Rechtsstreit zwischen Zuckerberg und den Winklevoss-BrĂŒdern. Den in US-Medienberichten zitierten Mails zufolge teilte Zuckerberg seinem angeblichen GeschĂ€ftspartner Ceglia mit, dass "ein paar Ă€ltere Semester" [Update: Korrektur Übersetzungsfehler upperclassmen] in Harvard ein Ă€hnliches Projekt planten und deshalb Eile angesagt sei. In der Zwischenzeit werde er sie "hinhalten".

Die Winklevoss-BrĂŒder und ihr Partner Divya Narendra waren erstmals 2004 gegen Zuckerberg vor Gericht gezogen. 2003 arbeiteten die drei damaligen Studenten an einem Netzwerk fĂŒr Harvard-Alumni namens ConnectU. Sie behaupten [5], der von ihnen mit Programmierarbeiten beauftragte Zuckerberg soll die Idee ĂŒbernommen und mit dem Code dann sein eigenes Projekt vorangetrieben haben, aus dem schließlich das Milliarden-Startup Facebook wurde.

Der Rechtsstreit wurde 2008 mit einem Vergleich [6] beigelegt, der den drei KlĂ€gern insgesamt 65 Millionen US-Dollar [7] einbrachte. Die Zwillinge wollten den Vergleich jedoch wenig spĂ€ter wieder rĂŒckgĂ€ngig machen [8]: Sie meinen, Facebook habe sie ĂŒber den wahren Wert des Unternehmens getĂ€uscht und sie hĂ€tten deshalb eine viel zu niedrige Summe erhalten. Am Montag wies eine dreiköpfige Kammer des Berufungsgerichts in San Francisco die BrĂŒder erneut ab. Nach Angaben ihres Anwalts wollen sie nun erreichen, dass eine grĂ¶ĂŸere Kammer das Urteil ĂŒberprĂŒft. (vbr [9])


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[1] http://www.facebook.com
[2] https://www.heise.de/news/Streit-um-Facebook-Gruendung-Gericht-verwirft-Vergleichsanfechtung-1226064.html
[3] http://dockets.justia.com/docket/new-york/nywdce/1%3A2010cv00569/79861/
[4] http://www.businessinsider.com/facebook-lawsuit-paul-ceglia-new-evidence-2011-4?op=1
[5] https://www.heise.de/news/Zuckerbergs-Ex-Kommilitonen-klagen-gegen-Facebook-152032.html
[6] https://www.heise.de/news/Gericht-bestaetigt-Vergleich-im-Facebook-Streit-181418.html
[7] https://www.heise.de/news/Facebook-zahlte-65-Millionen-US-Dollar-an-ConnectU-194888.html
[8] https://www.heise.de/news/Streit-ueber-Facebook-Gruendung-geht-weiter-1168080.html
[9] mailto:vbr@heise.de