Kim Dotcom darf teilweise auf sein Vermögen zugreifen
750.000 US-Dollar in Bargeld und sonstigen Vermögenswerten kann der Megaupload-GrĂŒnder wieder in Anspruch nehmen. Parallel dazu ist er auch noch in einen Parteispendenskandal verstrickt.
750.000 US-Dollar (derzeit rund 565.000 Euro) in Bargeld und sonstigen Vermögenswerten kann der Megaupload-GrĂŒnder Kim "Kimble" Schmitz, der sich seit einiger Zeit Kim Dotcom nennt, wieder in Anspruch nehmen. Das entschied der neuseelĂ€ndische High Court, wie die News-Seite Stuff berichtet [1].
So soll Dotcom wieder vollen Zugriff auf eins seiner Bankkonten mit 301.000 US-Dollar (227.000 Euro) bekommen, ebenso hat er seinen Mercedes-Benz G55AMG im Wert von 250.000 US-Dollar (188.000 Euro) zur VerfĂŒgung. Ferner sollen diverse Rechnungen beglichen werden, darunter Arztrechnungen fĂŒr Dotcoms Frau Mona. Auch soll sie wieder Zugriff auf ihr Auto bekommen, einen Toyota Vellfire. Zudem sollen Dotcom monatlich 20.000 US-Dollar (15.000 Euro) zustehen, die sich aus Zinsen eines Investments in neuseelĂ€ndische Staatsanleihen speisen. Ein GroĂteil des Vermögens, darunter Luxuskarossen im Wert von 6 Millionen US-Dollar (4,5 Millionen Euro), wird jedoch nach wie vor beschlagnahmt bleiben.
Zuvor hatte Dotcoms Anwalt Willie Akel vom Gericht gefordert, das gesamte Vermögen wieder freizugeben. So sei das Vermögen unrechtmĂ€Ăig beschlagnahmt worden, weil die dafĂŒr nötigen Papiere nicht vorgelegen hĂ€tten. Die zustĂ€ndige Richterin erklĂ€rte das Vorgehen fĂŒr rechtmĂ€Ăig, lieĂ den AnwĂ€lten aber gleichzeitig weitere Rechtsmittel dagegen offen.
Parallel dazu sorgte auch eine Parteispende seitens Dotcom fĂŒr Aufregung: GegenĂŒber der Tageszeitung New Zealand Herald erklĂ€rte [2] er, 2010 dem Vorsitzenden der konservativen Regierungspartei Partei John Banks 50.000 NZ-Dollar (31.000 Euro) fĂŒr den Wahlkampf gespendet zu haben. Da man in Neuseeland bei Parteispenden bis zu 25.000 NZ-Dollar (15.000 Euro) anonym bleiben kann, soll ihn Banks im persönlichen GesprĂ€ch gebeten haben, die Summe auf zwei Spenden zu stĂŒckeln.
Nun wird polizeilich ermittelt, ob Banks die Spende geheim halten wollte und somit gegen das Parteispendengesetz verstoĂen habe. Banks bestreitet bislang jegliches Fehlverhalten seinerseits und verneint eine engere Bekanntschaft mit Dotcom. Gleichwohl gibt es dem Herald-Bericht zufolge Zeugen und Videoaufnahmen, die solche GesprĂ€che zwischen beiden bestĂ€tigen. Das NeuseelĂ€ndische Recht sieht fĂŒr VerstöĂe gegen das Parteispendengesetz Haftstrafen bis zu zwei Jahren sowie Geldstrafen bis 10.000 NZ-Dollar (6000 Euro) vor.
Derzeit ist auch noch unklar, ob es ĂŒberhaupt zu einem Prozess gegen Kim Dotcom sowie zu einer Auslieferung kommen wird. So Ă€uĂerte [3] der US-Richter Liam O'Grady, der einem Nebenverfahren gegen Megaupload vorsitzt, starke Zweifel daran. Unter anderem sei es fraglich, ob die angelasteten Taten den nötigen Strafrahmen fĂŒr eine Auslieferung rechtfertigten. AuĂerdem monierte er mehrere Formfehler seitens der Behörden. (axk [4])
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[1] http://www.stuff.co.nz/auckland/local-news/6822554/Kim-Dotcom-gets-access-to-cash-cars
[2] http://www.nzherald.co.nz/nz/news/article.cfm?c_id=1&objectid=10802016
[3] https://www.heise.de/news/Prozess-gegen-Megaupload-droht-zu-scheitern-1545005.html
[4] mailto:axk@heise.de
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