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Kartellrecht: MGM-Deal von Amazon gerÀt in die Kritik

Oliver BĂŒnte

(Bild: metamorworks/Shutterstock.com)

Amazons Zukauf des Filmstudios MGM löst bei US-Politikern kartellrechtliche Bedenken aus. Doch die Auswirkungen auf den Markt scheinen nicht besonders hoch.

Die knapp 8,5 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) durch den Online-HĂ€ndler Amazon zum Ausbau seines Streaming-Angbeots Amazon Prime Video stĂ¶ĂŸt auf Kritik in der Politik. Die unter US-Politikern verbreitete BefĂŒrchtung, Amazon könnte wie andere große US-Digitalkonzerne durch ZukĂ€ufe marktrelevanter Unternehmen zu viel Macht ansammeln und MĂ€rkte diktieren, ist durch den Deal noch befeuert worden.

Die demokratische US-Senatorin Amy Klobuchar, die Vorsitzende des Kartellausschusses im Senat ist, rief kurz nach der offiziellen Bekanntgabe der MGM-Übernahme zu einer "grĂŒndlichen Untersuchung" auf, um "sicherzustellen, dass dieser Deal den Wettbewerb nicht schĂ€digt", berichtet die Nachrichtenagentur Reuters [1]. Auch von republikanischer Seite schlĂ€gt Amazon Kritik entgegen. Der republikanische Senator Josh Hawley schreibt auf Twitter [2]: "Der Verkauf sollte nicht durchgehen. @amazon ist schon jetzt eine Monopolplattform, die E-Commerce, Versand, LebensmittelgeschĂ€fte und eine Cloud besitzt. Sie sollten nichts anderes kaufen dĂŒrfen. Punkt."

Doch es ist unklar, ob die MGM-Übernahme Amazon im Streaming-Bereich einen so starken Vorteil verschafft, dass höhere Preise und weniger Innovationskraft zu erwarten sind. Beides ist aber notwendig, damit ein Verfahren der Kartellbehörden auch vor Gericht standhĂ€lt und der Zukauf verhindert werden kann.

Zwar fĂ€llt Amazon ein stattlicher Katalog mit 4000 Filmen unter anderem mit "James Bond" und Klassikern wie "Rocky", neuere Serien wie "Vikings" und "Fargo" sowie 17.000 Stunden Fernsehshows mit dem Kauf zu, allerdings liegen die guten Zeiten von MGM schon lange zurĂŒck. 2010 musste das Studio nach einer wechselhaften Geschichte mit damals Sony und weiteren als EigentĂŒmer Insolvenz anmelden und wurde von Spyglass ĂŒbernommen, restrukturiert und konnte erst dank rigider Sparmaßnahmen die aufgehĂ€uften Schulden abbauen. GrundsĂ€tzlicher Erfolg ist zwar nicht ausgeblieben, doch in den letzten drei Jahren befand sich kein MGM-Film unter den erfolgreichsten Top-10-Titeln.

Die Konkurrenz im Streaming-GeschĂ€ft ist dagegen groß und finanzkrĂ€ftig: Netflix, Disney und HBO Max können auf umfangreiche Filmkataloge und dank der UmsĂ€tze wĂ€hrend der Corona-Pandemie auf eine gute Finanzbasis zurĂŒckgreifen. Hinzu kommt der Streaming-Dienst Apple TV+, den sich Apple einiges kosten lĂ€sst, wenngleich der Katalog derzeit noch eher ĂŒbersichtlich ist. Angesichts dieser GrĂ¶ĂŸen ist also kaum anzunehmen, dass es durch die MGM-Übernahme zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt, sodass der Deal durch die US-Kartellbehörden noch verhindert werden könnte.

Im Gegensatz zu den Wettbewerbern geht es Amazon ohnehin nicht darum, der Big Player im Streaming-GeschĂ€ft zu werden. FĂŒr Amazon ist Amazon Prime Video aber eine wichtige Komponente zur Kundenbindung. Denn wer fĂŒr den kostenfreien schnellen Online-Versand im Amazon-Shop ein Prime-Abo kauft, erhĂ€lt auch den Zugriff auf den Streaming-Dienst und einen Teil des Katalogs – ohne weitere Kosten. Ein Anreiz, der Kunden des Online-GeschĂ€fts von Amazon bei der Stange hĂ€lt.

Wie auch die anderen Streaming-Dienste muss Amazon dazu den Zuschauern stĂ€ndig neues Futter bieten. Der Zukauf von MGM ist also neben den Eigenproduktionen und der Übertragung von Sportveranstaltungen, in die Amazon Milliarden Dollar investiert hat, eine Möglichkeit, sich von den anderen Wettbewerbern abzugrenzen und das eigene Angebot aufzustocken und attraktiver zu machen.

FĂŒr manche Beobachter war der MGM-Deal dabei gar nicht so lukrativ. Statt 8,45 Milliarden Dollar, wĂ€ren wohl eher 5 Milliarden Dollar bis 6 Milliarden Dollar angemessen [3]. Chris Sagers, Professor fĂŒr Kartellrecht am Cleveland-Marshall College of Law fasst es so zusammen: "Es scheint, dass die Marktanteile nicht groß genug sind, um die heutige Aufmerksamkeit der Kartellbehörden zu erlangen." Vielmehr konstatiert er, dass die Leute besorgt sein werden, "weil es Amazon ist".

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(olb [5])


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[1] https://www.reuters.com/technology/amazons-washington-critics-will-feast-mgm-deal-2021-05-26/
[2] https://twitter.com/HawleyMO/status/1397542482720735235
[3] https://www.heise.de/news/Amazon-uebernimmt-US-Filmstudio-MGM-6054783.html
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:olb@heise.de