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Kabinett verabschiedet "Aktionsprogramm Informationsgesellschaft 2006"

Richard Sietmann

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und StaatssekretÀr Alfred Tacke wollen mit dem mobilen Internet an die Weltspitze.

Das Bundeskabinett hat heute das Aktionsprogramm "Informationsgesellschaft Deutschland 2006" [1] beschlossen. Wie Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und StaatssekretĂ€r Alfred Tacke vom Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Arbeit bei der gemeinsamen Vorstellung des Programms erklĂ€rten, will die Bundesregierung die Entwicklung in der Informations- und Kommunikationstechnologie stĂ€rken. "Über 80 Prozent der Exporte Deutschlands", erklĂ€rte die Ministerin, "hĂ€ngen mittlerweile vom Einsatz moderner Informationstechnologien und elektronischer Systeme ab".

Finanzielle BeschlĂŒsse sind mit dem als "Masterplan" deklarierten Programm nicht verbunden. Das 117-seitige Papier enthĂ€lt lediglich eine umfassende Zusammenstellung der von der Bundesregierung bereits in Gang gesetzten Projekte, wie beispielsweise BundOnline und DeutschlandOnline im Bereich eGovernment, die EinfĂŒhrung von Gesundheitskarten und Bankkarten mit digitaler Signaturfunktion ab dem kommenden Jahr, oder auch die Umstellung der TV-Verteilung ĂŒber Antenne, Kabel und Satellit bis zum Jahre 2010 auf die vollstĂ€ndig digitale Übertragung. "Nicht die Mittel sind entscheidend", betonte StaatssekretĂ€r Tacke, "sondern die Benchmarks [2], die wir setzen".

So kommen die Liebhaber planwirtschaftlicher Zahlenspiele auf ihre Kosten: "Im Jahr 2005 sollen 75 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren das Internet nutzen", erklĂ€rte Tacke. Bis 2008 sollen laut Plan 40 Prozent der kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen E-Business-Anwendungen einsetzen. Die Zahl der BreitbandanschlĂŒsse soll im kommenden Jahr auf 7 Millionen steigen, und bis 2006 via GSM, GPRS und UMTS 90 Prozent der Bevölkerung mit Mobilfunkdiensten versorgt werden.

"In der Kombination von Mobilfunk und Internet haben wir die Chance, dass wir weltweit eine Spitzenposition erreichen", erklÀrte Edelgard Bulmahn; "genau das ist unsere Zielsetzung." Sie will den Transfer von Forschungsergebnissen in marktfÀhige Produkte beschleunigen, "weil gerade in diesem Sektor Geschwindigkeit ein ganz erheblicher Konkurrenzvorteil ist".

Zu der Rolle, die das Urheber- und Patentrecht fĂŒr die Ausgestaltung der Informationsgesellschaft spielen, verweist das Aktionsprogramm ohne klare Festlegungen nur auf die laufenden GesprĂ€che in der "Arbeitsgruppe Zweiter Korb" des Bundesjustizministeriums zur Urheberrechtsnovellierung [3] und die Verhandlungen in BrĂŒssel zum Richtlinienentwurf der EU-Kommission ĂŒber die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen [4].

"Es ist eine wichtige Voraussetzung fĂŒr wirtschaftliche Wertschöpfung, dass neue Ergebnisse und Erfindungen auch geschĂŒtzt werden", erlĂ€uterte die Forschungsministerin ihre Position; "wenn wir kein funktionierendes Urheberrecht haben, können neue wissenschaftliche Erkenntnisse, neue Forschungsergebnisse nicht genutzt werden -- dann gibt es ĂŒberhaupt keinen Fortschritt in der Entwicklung der Informations- und Kommunikatonstechnik und der neuen Medien." FĂŒr Edelgard Bulmahn ist klar: "Urheberrecht und Informationsgesellschaft stehen nicht im Gegensatz zueinander". (Richard Sietmann) / (jk [5])


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https://www.heise.de/-89687

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.bmbf.de/pub/aktionsprogramm_informationsgesellschaft_2006
[2] http://www.bmbf.de/presse01/pm_20031203-229-Anhang.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Justizministerium-sieht-die-digitale-Privatkopie-als-Gefahrenherd-78599.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-Rat-schiebt-Entscheidung-zu-Softwarepatenten-auf-89371.html
[5] mailto:jk@heise.de