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KPNQwest Deutschland gibt nicht auf

Holger Bleich

Die Unklarheit besteht weiter, wie lange der insolvente Internet-Carrier KPNQwest NV sein IP-Glasfasernetz noch in Betrieb hÀlt. KPNQwest Deutschland erklÀrte dagegen seine UnabhÀngigkeit von der niederlÀndischen Mutter.

In der Branche besteht weiterhin Unklarheit darĂŒber, wie lange der insolvente niederlĂ€ndische Kabelnetz-Betreiber KPNQwest NV sein paneuropĂ€isches IP-Glasfasernetz noch in Betrieb hĂ€lt. Aktionen wie die des Berliner Webhosters Strato vom gestrigen Abend nĂ€hren Spekulationen, nach denen eine Abschaltung der so genannten Euroringe unmittelbar bevorsteht.

Strato hatte am Donnerstag um 17 Uhr kurzfristig einen Last-Test fĂŒr seine neuen Fallback-Leitungen [1] zum Karlsruher KPNQwest-Rechenzentrum einberaumt. Seine Kunden hatte der Webhoster ganze zwei Minuten vor Beginn des Experiments im internen Forum informiert. Im Zusammenhang mit dem Routing-Test sei es gestern Abend zwischen 19.08 Uhr und 20.19 Uhr zu einer BeeintrĂ€chtigung in der Erreichbarkeit der KundenprĂ€senzen gekommen, informierte Strato dann am heutigen Freitag. Der Test sei positiv verlaufen und die zwei alternativen Leitungen zu LambdaNet und Cable & Wireless stĂŒnden nunmehr jederzeit zur VerfĂŒgung, versicherte Christian Kuhse, Sprecher des Strato-Mutterkonzerns Teles, gegenĂŒber heise online.

Die insolvente KPNQwest Germany GmbH gibt derweil Entwarnung fĂŒr die verbliebene deutsche Kundschaft: "Das deutsche Glasfasernetz wĂ€re bei einer möglichen Abschaltung des internationalen KPNQwest-Netzes nicht betroffen. Mit Ausnahme weniger paneuropĂ€ischer Kunden sind Sie alle an das deutsche Netz angeschlossen", versicherte das Unternehmen in einem Schreiben an seine Kunden. Die durch Deutschland verlaufenden Segmente der Eurorings (Ring 3) seien mittlerweile sowohl auf Übertragungsebene als auch auf IP-Serviceebene unter Kontrolle der hiesigen KPNQwest-Tochter, bestĂ€tigte Firmensprecher Thilo Huys im GesprĂ€ch mit heise online.

Mittlerweile habe man auch fĂŒr internationale Fallback-Peerings gesorgt, die sofort einspringen könnten, wenn in den umliegenden KPNQwest-Glasfasern das Licht ausginge. Auch fĂŒr einen Ersatz der Interkontinental-Leitungen, insbesondere ĂŒber das TAT14-Kabel zum US-amerikanischen Carrier Qwest, sei gesorgt. "Der Betrieb des Autonomen Systems (AS) 517 (KPNQwest Deutschland) war und ist nicht abhĂ€ngig vom zentralen Netzwerkzentrum in Den Haag", konstatierte Huys.

Mittlerweile seien die GehĂ€lter aller verbliebenen 109 deutschen KPNQwest-Mitarbeiter sowie der 30 deutschen Ebone-Mitarbeiter bis zum Abschluss des vorlĂ€ufigen Insolvenz-Verfahrens am 30. August gesichert. Bis zu diesem Zeitpunkt muss eine Entscheidung ĂŒber die FortfĂŒhrung des Betriebs gefĂ€llt sein. Ziel sei es weiterhin, KPNQwest Deutschland als reines Carrier-Unternehmen eigenstĂ€ndig zu erhalten. BesitztĂŒmer wie die großen Rechenzentren in Karlsruhe, Frankfurt oder MĂŒnchen sollen auf alle FĂ€lle verĂ€ußert werden.

Es sei nicht auszuschließen, dass die Liegenschaften der Firma in kleinen Tranchen verkauft werden und damit das Unternehmen de facto liquidiert wird. Laut Huys haben bisher 30 Prozent der Kunden KPNQwest Deutschland den RĂŒcken gekehrt. "Aber gerade bei den Großkunden ist das Interesse an einer FortfĂŒhrung des Betriebs da", sagte er. Daher sei ebenfalls in der Diskussion, nach dem 31. August eine Auffanggesellschaft zu grĂŒnden. Zu den grĂ¶ĂŸten Kunden zĂ€hlte Huys E-Plus, Strato, BASF, Lufthansa und Web.de.

Zur Entwicklung der Situation bei KPNQwest siehe auch:

There’s an English article about KPNQwest’s bankruptcy available with some background information from prior German articles: KPNQwest Files For Bankruptcy [21]. (hob [22])


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[1] https://www.heise.de/news/Strato-erklaert-seine-Unabhaengigkeit-von-KPNQwest-62673.html
[2] https://www.heise.de/news/Internet-Backbone-Ebone-wird-abgeschaltet-67746.html
[3] https://www.heise.de/news/Niederlaendische-Investoren-wollen-KPNQwest-Netz-kaufen-66847.html
[4] https://www.heise.de/news/Laenderdomain-Verwaltungen-mit-Problemen-wegen-KPNQuest-Pleite-66929.html
[5] https://www.heise.de/news/KPNQwest-Austria-findet-Kaeufer-66689.html
[6] https://www.heise.de/news/Mitarbeiter-halten-KPNQwest-Netz-aktiv-66523.html
[7] https://www.heise.de/news/Weiter-Kaeufer-fuer-KPNQwest-Netz-gesucht-66425.html
[8] https://www.heise.de/news/KPNQwest-stellt-Betrieb-des-Netzes-ein-Update-66323.html
[9] https://www.heise.de/news/KPNQwest-Konkursverwalter-und-Banken-streiten-vor-Gericht-Update-66247.html
[10] https://www.heise.de/news/Teles-schaltet-wegen-KPNQwest-Rechenzentrum-Kartellamt-ein-66107.html
[11] https://www.heise.de/news/Internet-Backbone-Ebone-bleibt-vorerst-aktiv-65046.html
[12] https://www.heise.de/news/KPNQwest-The-Show-must-go-on-64032.html
[13] https://www.heise.de/news/1-1-an-Karlsruher-KPNQwest-Rechenzentrum-interessiert-62817.html
[14] https://www.heise.de/news/Strato-erklaert-seine-Unabhaengigkeit-von-KPNQwest-62673.html
[15] https://www.heise.de/news/KPNQwest-NV-kuendigt-fast-allen-Mitarbeitern-62076.html
[16] https://www.heise.de/news/Das-Netz-des-Internet-Carriers-KPNQwest-laeuft-noch-63526.html
[17] https://www.heise.de/news/KPNQwest-NV-endgueltig-insolvent-63338.html
[18] https://www.heise.de/news/Teles-erwaegt-uebernahme-von-KPNQwest-Rechenzentrum-62526.html
[19] https://www.heise.de/news/KPNQwest-Germany-will-Insolvenz-anmelden-62789.html
[20] https://www.heise.de/news/KPNQwest-beantragt-Glaeubigerschutz-Update-61120.html
[21] http://www.heise.de/english/newsticker/data/jk-31.05.02-005/
[22] mailto:hob@ct.de