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KIC 8462852: RĂ€tselhafte Stern-Verdunkelungen haben wohl Ursprung in habitabler Zone

Martin Holland
KIC 8462852: RĂ€tselhafte Verdunkelungen weisen auf Material in habitabler Zone

(Bild: T. Pyle, JPL-Caltech, NASA)

Ein Hobbyastronom hat eine mögliche PeriodizitÀt der mysteriösen Verdunkelungen von KIC 8462852 beschrieben. Das RÀtsel wird dadurch nicht kleiner.

Die mysteriösen Verdunkelungen des Sterns KIC 8462852 könnten in einem Abstand von jeweils rund 1574 (Erd-)Tagen aufeinander folgen. Sollte das durch weitere Beobachtungen bestĂ€tigt werden, mĂŒsste Material dafĂŒr verantwortlich sein, das den fernen Stern in einem Abstand von rund 3 Astronomischen Einheiten umkreist – also der dreifachen Distanz zwischen unserer Erde und der Sonne.

Das hat der Hobbyastronom Gary Sacco in einem Artikel zusammengetragen, der von der American Association of Variable Star Observers zur Veröffentlichung angenommen wurde [1]. Damit wĂŒrde sich das verantwortliche Material in der habitablen Zone des Sterns befinden. Was genau dahintersteckt, könne er nicht erklĂ€ren. Das RĂ€tsel werde also grĂ¶ĂŸer nicht kleiner.

In einem Blogeintrag beschreibt Sacco [2] (der erst durch die Debatten auf Reddit zum Hobbyastronomen wurde), wie er diese PeriodizitĂ€t ermittelt und sogar durch historische Aufnahmen verifiziert hat. Die drei 2017 von Kickstarter-Nutzern getauften Verdunkelungen namens "Elsie", "Celeste" und "Angkor" passten demnach auf Verdunkelungen, die in den Daten der Kepler-Sonde zu KIC 8462852 auftauchten. Zwei davon fanden sich wieder, einer wĂ€re genau wĂ€hrend einer Beobachtungspause von Kepler zu sehen gewesen. Damit prognostizierte er eine weitere Verdunkelung fĂŒr den 9. August 2017 und tatsĂ€chlich erfolgte dann jene namens "Skara Brae". Sacco und seine Mitstreiter hatten nun eine erste Hypothese fĂŒr den Zeitraum, in dem sich die Verdunkelungen wiederholen.

Angesichts des großen Interesses an KIC 8462852 hatten andere Forscher außerdem auf alten Sternenaufnahmen nach Verdunkelungen des Sterns gesucht. Insgesamt wurden dabei fĂŒnf mögliche Ereignisse identifiziert. Zwei davon passten auf die von Sacco untersuchten – eine Verdunkelung am 22. Oktober 1974 (die möglicherweise durch eine Platte vom 24. Oktober 1974 aus Sonneberg unabhĂ€ngig bestĂ€tigt wird) und eine am 21. August 1935. Damit gibt es gleich mehrere VorlĂ€ufer der 2017 beobachteten Verdunkelungen. Die PeriodizitĂ€t kann aber erst bestĂ€tigt werden, wenn sich diese und andere beobachtete Verdunkelungen zu prognostizierbaren Terminen wiederholen. Mit seiner Arbeit wirbt Sacco auch fĂŒr Hobbywissenschaftler [3], nicht zuletzt weil KIC 8462852 ja ĂŒberhaupt erst durch Amateurastronomen entdeckt worden war.

Neben Sacco haben diese Woche noch andere Astronomen ihre Erkenntnisse zu KIC 8462852 vorgestellt. Auf einer Veranstaltung der American Astronomical Society haben SchĂŒler der renommierten Thacher School erlĂ€utert (Video [4]), wie sie mit dem Teleskop ihrer Schule Spektralanalysen der Verdunkelungen vorgenommen haben. Genau wie Eva Bodman von der Arizona State University bestĂ€tigten sie, dass sehr feiner Staub die Verdunkelungen auszulösen [5] scheint. Solcher Staub wird aber eigentlich sehr schnell von dem Stern aus dem System gedrĂŒckt. Beide Analysen haben auch ergeben, dass die kurzfristigen Verdunkelungen und die langsame Abdunkelung des fernen Sterns durch unterschiedliches Material ausgelöst wird. Bodman hat darĂŒber hinaus auch ermittelt, dass sogar hinter den kurzen Verdunkelungen jeweils unterschiedliches Material steckt.

Die Fragen um KIC 8462852 [6] sind dadurch nicht beantwortet. Der Stern sorgt seit 2015 fĂŒr Spekulationen wegen seiner merkwĂŒrdigen Helligkeitsschwankungen. Das Weltraumteleskop Kepler hatte welche aufgezeichnet, die so stark waren, dass vor dem Stern vorĂŒberziehende Objekte viel grĂ¶ĂŸer sein mĂŒssten als ein Planet. Eine proto-planetare Scheibe oder ein durch eine Kollision durcheinandergewirbeltes System schieden als ErklĂ€rung aus. Als ErklĂ€rungsversuch wurden unter anderem Megastrukturen einer außerirdischen Zivilisation vorgeschlagen, eine natĂŒrliche ErklĂ€rung galt aber immer als wahrscheinlicher. RĂ€tselhafter wurde es noch, als bekannt wurde, dass der Stern insgesamt seit mehr als 100 Jahren dunkler wird [7]. (mho [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4072846

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.aavso.org/apps/jaavso/article/3327/
[2] http://www.wherestheflux.com/single-post/2018/06/04/Guest-Post-Newly-published-paper-on-a-1574-day-periodicity
[3] https://www.heise.de/news/Citizen-Science-Das-begehrte-Wissen-der-Hobby-Forscher-3962176.html
[4] https://files.aas.org/aas232/aas_232_press_2018-06-05_11_00_stars_that_make_you_say_wtf.mp4
[5] https://www.heise.de/news/KIC-8462852-Feiner-Staub-koennte-mysterioesen-Stern-verdunkeln-Raetsel-bleiben-3931775.html
[6] https://www.heise.de/news/KIC-8462852-Mysterioeser-Stern-gibt-neue-Raetsel-auf-3073130.html
[7] https://www.heise.de/news/Neue-Raetsel-um-KIC-8462852-Mysterioeser-Stern-wird-immer-dunkler-3288881.html
[8] mailto:mho@heise.de