zurück zum Artikel

Justizminister: Kampf gegen Kinderpornographie "mit der ganzen HĂ€rte des Rechts"

Stefan Krempl

FĂŒr Bundesjustizminister Heiko Maas kann sich das jetzt vorgelegte Ergebnis der Löschungen von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs "sehen lassen". 545 Hinweisen konnten die Ermittler wegen des Anonymisierungsnetzwerks Tor nicht nachgehen.

Mehr Infos

Das seit 2012 verfolgte Konzept "Löschen statt Sperren [4]" im Kampf gegen kinderpornografische Inhalte im Web sieht Bundesinnenminister Thomas de MaiziÚre (CDU) als "insgesamt wirkungsvoll [5]" an. Das sagte er zum Löschbericht [6], den die Bundesregierung am heutigen Mittwoch beschlossen hat. Daraus geht hervor, dass im Inland innerhalb einer Woche eine Löschquote von 98 Prozent, nach zwei Wochen alle gemeldeten Inhalte vollstÀndig gelöscht werden konnten. Bei Inhalten aus dem Ausland betrug die Löschquote 97 Prozent innerhalb von vier Wochen.

Bundesjustizminister Heiko Maas wertete die Resultate als "Ansporn, auch in Zukunft den Kampf gegen Kinderpornografie mit der ganzen HĂ€rte des Rechts zu fĂŒhren". Zuvor hatte der SPD-Politiker im Lichte der Edathy-AffĂ€re [7] angekĂŒndigt, klĂ€ren zu wollen, wie das gewerbsmĂ€ĂŸige Handeln mit Nacktbildern von Kindern oder Jugendlichen bestraft werden kann. Das Justizressort will noch vor Ostern einen Gesetzentwurf vorbereiten, um die EU-Richtlinie zum Schutz von Kindern gegen sexuelle Ausbeutung umzusetzen und den veralteten Begriff der "Schriften" im Strafrecht um den der "Informations- und Kommunikationstechnologie" ergĂ€nzen.

Die Zusammenarbeit zwischen Beschwerdestellen und dem Bundeskriminalamt (BKA), um kinderpornografische Inhalte im Web effizienter zu löschen, hat sich laut Bundesregierung bewĂ€hrt und funktioniert "sehr gut". Das gelte insbesondere dafĂŒr, bei auslĂ€ndischen FĂ€llen sowohl ĂŒber Interpol als auch ĂŒber den Hotline-Verbund INHOPE [8] und die Diensteanbieter Missbrauchsdarstellungen entfernen zu lassen. Dadurch sei das Material wesentlich kĂŒrzer verfĂŒgbar gewesen.

Durch regelmĂ€ĂŸigen Austausch, harmonisierte Prozesse und die monatliche Auswertung von ProblemfĂ€llen habe ein genauerer Überblick ĂŒber die Dimensionen des PhĂ€nomens und die Möglichkeiten gewonnen werden können, wie schnelle Löschungen von Kinderpornografie am besten zu erreichen sind. Die komplexe Kooperation kann nach Ansicht des Justizministeriums aber noch optimiert werden, etwa durch eine verbesserte IT-UnterstĂŒtzung. Diese scheitere derzeit am Geldmangel. Die Eingaben seien aber kaum in noch kĂŒrzerer Zeit zu bearbeiten. Die Beschwerdestellen leisteten einen wesentlichen Beitrag als Kontaktstelle zwischen Bevölkerung und Polizei. Ohne sie wĂ€re das Meldeaufkommen deutlich geringer und es verblieben mehr kinderpornografische Inhalte online.

In dem Bericht wird moniert, dass es 2012 "einige zeitliche Spitzen" bis zum Löschen gegeben habe, die "auf Probleme mit inlĂ€ndischen Providern zurĂŒckzufĂŒhren waren". Das BKA und die hiesigen Hotlines hĂ€tten die schwarzen Schafe mittlerweile aber dazu gebracht, ihre Verfahren zu beschleunigen.

AuslĂ€ndische Stellen brĂ€uchten dagegen Zeit, um die Inhalte zu prĂŒfen, den Serverstandort zu ermitteln und die Strafverfolgung einzuleiten, die zur hiesigen Bearbeitungsdauer hinzukomme. In EU-Mitgliedsstaaten wie den Niederlanden sei seit Anfang 2013 aber festzustellen, dass Missbrauchsbilder erheblich schneller entfernt werden. DarĂŒber hinaus werde sich Berlin in der "Global Alliance against Child Sexual Abuse Online [9]", der derzeit 50 LĂ€nder angehörten, weiter fĂŒr Verfahrensoptimierungen einsetzen.

545 der insgesamt 6209 eingegangenen Hinweise konnte das BKA nicht bearbeiten, weil es sich um Webadressen handelte, deren Standort ĂŒber das Anonymisierungsnetzwerk Tor verborgen gewesen sei. Auch sei es in diesen FĂ€llen nicht möglich gewesen, einen Kooperationspartner im In- oder Ausland zu benachrichtigen. Bei 157 auslĂ€ndischen URLs sei aus rechtlichen GrĂŒnden eine Benachrichtigung lokaler Sicherheitsbehörden unterblieben, da in den betroffenen Staaten fĂŒr Sexualdelikte die Todesstrafe verhĂ€ngt werde. In 45 FĂ€llen habe das BKA das Löschen direkt "ĂŒber eine durch den Provider zur VerfĂŒgung gestellte Schnittstelle veranlassen" können. (anw [10])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2124930

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Websperren-gegen-Kinderpornographie-erneut-auf-der-EU-Agenda-2087108.html
[2] https://www.heise.de/news/60-Prozent-mehr-Beschwerden-wegen-illegaler-Internet-Inhalte-2096391.html
[3] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-Loeschen-statt-Sperren-von-Online-Kinderporno-funktioniert-2123725.html
[4] https://www.heise.de/news/Bundestag-beerdigt-Websperren-Gesetz-1388728.html
[5] http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2014/02/loeschbericht-kinderpornographie.html
[6] http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Nachrichten/Pressemitteilungen/2014/02/loeschbericht-kinderpornographie.pdf?__blob=publicationFile
[7] https://www.heise.de/news/Fall-Edathy-Schlafende-Admins-verschwundene-Laptops-2116750.html
[8] https://www.heise.de/news/INHOPE-44-Prozent-gemeldeter-Kinderpornos-nach-zwei-Tagen-geloescht-1206931.html
[9] https://www.heise.de/news/Weltweites-Buendnis-gegen-sexuellen-Kindesmissbrauch-im-Netz-1762170.html
[10] mailto:anw@heise.de